El Salvador: Eintauchen in die Kultur, Spiritualität und das Leben

„Die politische Dimension des Glaubens bedeutet nichts anderes als die Antwort der Kirche auf die reale politische Herausforderung der Welt, in der sie existiert.“ (O. Romero)

Donnerstag, 20. März 2014. Wir sind erst seit zwei Tagen in El Salvador und doch haben wir schon so viele Eindrücke gesammelt, dass sie kaum mehr zu fassen sind. Wir sind jetzt schon so vielen fantastischen Menschen begegnet, die ihren Glauben auf beeindruckende Weise leben, haben Freundschaften geschlossen und so viele interessante Dinge über dieses kleine Land erfahren, dass uns in Deutschland so fern ist. Wir sind so dankbar, dass wir hier ganz tief in die Kultur, die Spiritualität und das Leben der Menschen hier in El Salvador eintauchen können.

Am Morgen hatten wir zunächst ein Gespräch mit Monseñor Urioste von der Fundación Monseñor Romero. Der heute 88-jährige war ein Weggefährte und guter Freund von Bischof Oscar Romero. Die Fundación, die jedes Jahr die Gedenkfeier an die Ermordung Romeros ausrichtet und organisiert, möchte die Erinnerung an den wichtigen Bischof und an seine Theologie bewahren und verbreiten.

Im Anschluss daran besuchten wir die Gemeinde „Maria madre de los pobres“ in einem sehr armen und gewalttätigen Viertel San Salvadors. Neben der Kirche gehören auch ein Kindergarten, eine Grundschule und ein Gesundheitszentrum zur Gemeinde.

Empfang bei den “Siervas de la Misericordia de Dios”

Empfang bei den “Siervas de la Misericordia de Dios”

Nach dem Mittagessen ging es dann zur Gemeinde St. Franziskus. Mit unserem Kleinbus passierten wir das Tor und wurden bereits von Weihbischof Rosa Chavez und Hermana Angélica Zelaya Díaz erwartet. Was für eine Ehre! Über den Bischof, der eine große Bedeutung für die Befreiungstheologie hat, hatten wir bereits viel gelesen. Hermana Angélica ist eine sehr faszinierende Frau. Sie ist die Gründerin des Frauenordens der „Siervas de la Misericordia de Dios“, die sich sehr für die Armen einsetzen. Besonders junge Frauen treten in diese Gemeinschaft ein, die zurzeit aus 24 Ordensschwestern und 21 Novizinnen und Postulantinnen besteht. Nach einer kurzen Einführung im Schatten der großen Bäume im Garten wurden wir in die Schule geführt, die an die Gemeinde angegliedert ist. Wir betraten den großen Raum und wurden gleich mit einem Lied begrüßt. Einige Kinder, die an der Schule Nachhilfeunterricht erhalten und viele Frauen waren zusammengekommen um uns zu empfangen. Die Frauen lernen an der Schule noch als Erwachsene Lesen und Schreiben. Wir hatten Tränen in den Augen, so gerührt waren wir von dieser Begrüßung. Spontan entschlossen wir uns, auch ein deutsches Lied zum Besten zu geben und stürmten die kleine Bühne. Nachdem wir alle von unseren Gesangskünsten mehr oder weniger überzeugt hatten, stimmten wir noch ein gemeinsames, spanisches Lied an: „Alabaré a mi Señor“ (dt. Ich werde meinen Herrn preisen). So eine tolle Stimmung! Und die Freude der Menschen darüber, dass wir ein Lied in ihrer Sprache gelernt hatten. Es war ein sehr schönes Gefühl, in ihre Gesichter zu schauen, die trotz der großen Armut so viel Lebensfreude und Hoffnung ausstrahlen.

Anschließend fuhren wir mit Hermana Angélica in ein Projekt der Schwestern: ein Haus für Frauen mit schwerkranken Kindern. Ganz in der Nähe befindet sich die beste Kinderklinik in Mittelamerika und so kommen die Frauen mit ihren Kindern auch aus den Nachbarländern wie Honduras oder Nicaragua hierher. Während die Kinder im Krankenhaus gepflegt werden, können die Mütter in diesem Haus übernachten und werden in ihrer schweren Situation gut betreut. Auch Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind, finden hier eine sichere Unterkunft. In einem intensiven Gespräch mit Hermana Angélica erfuhren wir viel über ihre Arbeit und durften auch von unserem Theologiestudium berichten, das sie sehr interessierte.

Den Abschluss des Tages bildete ein sehr bewegender Gottesdienst mit Weihbischof Monseñor Rosa Chavez und den Schwestern in einer kleinen, sehr einfach gehaltenen Kapelle, in der wir alle auf dem Boden saßen. Beim anschließenden Abendessen hatten wir die Gelegenheit uns intensiv mit den jungen Novizinnen und Postulantinnen zu unterhalten. Einige von ihnen sind schon mit 14 oder 15 Jahren in den Orden eingetreten. Sie berichteten uns von ihrer Berufung, ihrem Leben im Orden und von ihren vielfältigen Aufgaben um Gott zu dienen. Bei der Rückfahrt zum Hotel waren wir alle so voll von Eindrücken, dass wir gar nicht mehr aufhörten zu reden.

Von Anna-Lena Himstedt

_____________________________________________

Es bloggen die Teilnehmer einer Exposure-Reise nach El Salvador: Das sind ein Student, zehn Studentinnen des katholischen Instituts der Universität Osnabrück, Martin Kempen vom Bistum Osnabrück und Prof. Dr. Margit Eckholt. Das Thema der Reise lautet “Auf den Spuren von Oscar Romero und Ignacio Ellacuria. Christlicher Glaube, Kirche, Theologie und Politik in Lateinamerika”.