Abschiedsschmerz

Ich will hier nicht weg. Die Zeit in den letzten zwei Wochen ist so gerannt und jetzt ist nur noch ein Tag in der Schule übrig. Wie schade!

Kinder in einer Schule in Port-au-Prince, Haiti.  Foto: Martin Steffen/Adveniat

Kinder in einer Schule in Port-au-Prince, Haiti. Foto: Martin Steffen/Adveniat

Ich hatte mich gerade richtig an alles gewöhnt: die lebhaften Kinder, die fleißigen Schwestern, den nervigen Hahn, die mir auflauernde Katze, die Moskitos, das frühe Aufstehen, das kalte Wasser aus dem Hahn, die ausfallende Elektrizität, hinten auf dem Pickup Trucks mitzufahren, die holprigen Straßen, Spaghetti zum Frühstück, das immer heiße Wetter, Klamotten mit der Hand zu waschen … und und und. Wie soll ich das in Berlin weiterführen?
Mich haben schon alle in Haiti gefragt, wann ich denn wiederkomme? Ich weiß es noch nicht. Aber ich werde wiederkommen! Denn Haiti und die Menschen hier sind mir richtig ans Herz gewachsen. Die Schwestern haben mich so liebevoll aufgenommen, als sei ich keine Fremde, sondern eine von ihnen.
Der deutsche Journalist Tobias Käufer hatte mich gestern den ganzen Tag begleitet. Am Ende fragte ich ihn, ob er es sich selbst vorstellen könnte, eine längere Zeit in einem armen Land wie Haiti zu leben. Er meinte, er fände das ziemlich anstrengend, obwohl er ja in Kolumbien lebt. Klar, Haiti entspricht wahrhaftig nicht dem westlichen Standard, und man muss sich erst mal an die Lebensumstände gewöhnen. Aber im Gegensatz dazu, wie die meisten Menschen in Haiti leben, habe ich es bei den Schwestern richtig gut!
Morgen kommt dann noch der Adveniat-Fotograf Martin Steffen („Professor Unrat“) vorbei und macht mit mir ein paar Fotos in einer Schule in Port-au-Prince, dann begebe ich mich fast schon wieder auf den Heimweg.