El Salvador: Advent im Schein der Diskokugel

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Groß, bunt und mit viel Glamour. So lieben es die Salvadoreños. Am ersten Advent ist hier schon Weihnachten. Rein optisch zumindest. Die Stadt blinkt und glitzert wie eine überdimensionale Diskokugel. Lilafarbene Kunststoffbäume sind überladen mit blauen Lichterketten, glitzernden Rauschgoldengeln, Weihnachtsmännern mit roten Nasen. Die Heilige Familie thront überlebensgroß als Leuchttafel über einem Einkaufszentrum. Und im blauen Schein der Neonbeleuchtung wird auch schon das Christuskind in der Krippe vom Sicherheitsmann mit Maschinenpistole bewacht. Nebenan blinkt die Silhouette eines Weihnachtsmanns mit seinen Rentieren aus pinken Lichtschläuchen. Der Einfluss der USA ist unübersehbar. Auch in den Restaurants begrüßen uns die Kellner a la Santa Claus mit Nikolausmützen und die neongrünen Kunststoffzweige über den Eingangstüren scheinen unter der Last der Christbaumkugeln fast zusammenzubrechen. Die Marktstände quellen über vor lauter bunten Weihnachtsaccessoires, ein Plastiktannenbaum reiht sich an den nächsten.

US-Einluss vs. salvadorianische Tradition

Doch je weiter man aus dem Stadtzentrum hinausfährt, desto weniger blinkt und glitzert es. Desto dunkler wird es. Hier gibt es keine leuchtenden Weihnachtsmänner. Hier gibt es nicht mal Straßenlaternen und auch kein elektrisches Licht in den Hütten. Während die Innenstadt leuchtet, versinken die kleinen Häuschen in Dunkelheit. Doch was sich kaum ein San Salvadoreño nehmen lässt, ist der eigene Adventskranz. Egal, ob in der Kathedrale der Innenstadt oder außerhalb in den Pfarreien, gibt es die im ganzen Land einzigartige Tradition, am ersten Advent die Kränze segnen zu lassen. So pilgern die Familien am Morgen im Gottesdienst mit ihren Kränzen zum Altar und tragen samt Segen das Licht in ihre Häuser.

 

Text: Mareille Landau, Fotos: Achim Pohl