Als Freiwillige ein Jahr in Mexiko

In Mexiko hat sie zum Finale der Fußball-Weltmeisterschaft die deutsche Flagge aufgehängt, in Deutschland gehört die mexikanische Flagge zu ihren Erinnerungsstücken: Lena Gelsterkamp aus Dülmen ist in zwei Welten zu Hause. Zwölf Monate hat sie als Freiwillige in der katholischen Pfarrgemeinde Sagrado Corazón de Jesús (Heiliges Herz Jesu) in der mexikanischen Kleinstadt Progreso de Obregón gearbeitet. Seit Mitte August ist sie zurück, „mit neuen Horizonten“, wie sie selbst es beschreibt.

rückblick_gelsterkampDabei kommt es ihr wie gestern vor, dass sie auf dem Flughafen auf der anderen Seite des Atlantiks landete. „Da haben mich Gemeindemitglieder, die ich aus St. Josef Kamp-Lintfort, der Partnergemeinde von Sagrado Corazón de Jesús, kannte, abgeholt“, erinnert sich Lena, „danach habe ich mir alles in Ruhe angeguckt und mich langsam eingewöhnt.“
Inhaltlich musste sich Lena für ihren Freiwilligendienst, den sie in Trägerschaft des Bistums Münster leistete, wenig umgewöhnen. Denn viele Aufgaben ähnelten jenen, die sie schon in ihrer Heimatpfarrei St. Joseph Dülmen ehrenamtlich übernommen hatte, etwa die wöchentlichen Messdiener-Gruppenstunden in fünf Dörfern, Krankenbesuche und die wöchentliche Firmkatechese. Ein großer Arbeitsbereich sei die Sozialpastoral gewesen: „Wir haben Bedürftige unterstützt,“, schildert Lena. Gern erinnert sie sich an das größte während ihres Aufenthalts umgesetzte Vorhaben: „Die Pfarrei hat ein Fahrzeug für Krankentransporte gekauft.“
Größtenteils erfüllt hat sich der Wunsch der 20-Jährigen, in Progreso eigene Ideen einzubringen, etwa Gruppenspiele und einen Messdienerprojekttag.

„Ich musste lernen, dass Ideen aus Deutschland dort nicht alle komplett umsetzbar waren.“

Zu lernen gab es grundsätzlich eine Menge –in fachlicher, vor allem aber auch in persönlicher Hinsicht. „Es war schön, zu erleben, wie man sich Stück für Stück gewöhnt und sich angenommen fühlt“, beschreibt Lena , „man wird selbstständig und merkt, dass man sich auf Fremdes einstellen kann.“ Das gelang ihr offensichtlich so gut, dass irgendwann zu ihrer großen Freude ein Gemeindemitglied zu ihr gesagt habe: „Du bist schon wie eine Mexikanerin.“

Bei aller Integration war die größte Umstellung, „dass man im Ausland immer anders ist. Als einzige Freiwillige in der Stadt sticht man heraus.“ So erlebte Lena auch die unterschiedlichen Mentalitäten sehr bewusst.

„In Deutschland bin ich froh, dass Dinge klar ausgesprochen werden. Die Mexikaner reden durch die Blume, tun sich schwer mit eindeutigen Aussage.“

Umgekehrt bewundere sie die mexikanische Offenheit: „Die Menschen lassen einen bei sich wohnen, ohne, dass man sich kennt. Und ihre Fiestas sind einmalig.“

Nicht nur wegen der Fiestas fiel der 20-Jährigen der Abschied schwer: „Der nagt auch jetzt noch an mir, schließlich habe ich da Freunde gefunden.“ Das gelte erst recht, weil es für ein Wiedersehen noch keine konkreten Pläne gebe: „Jetzt wird erstmal studiert, und den Kontakt halten wir per Skype und WhatsApp“, sagt Lena.

Zum Studium der Religionspädagogik ist sie inzwischen nach Paderborn gezogen, so, wie sie es direkt nach dem Abitur geplant hatte: „Das Jahr hat mich darin bestätigt.“ Derweil geht das Leben natürlich auch auf der anderen Seite des Ozeans weiter: Eine Woche lang hatte Lena ihre Nachfolgerin in Progreso noch eingearbeitet. Diese hat dort schon ein Highlight miterleben können: den Besuch von Münsters Bischof Dr. Felix Genn im Bistum Tula, Münsters Partnerbistum. „Dafür waren die Menschen in der Gemeinde Feuer und Flamme und haben ein großes Programm vorbereitet, schade, dass ich das knapp verpasst habe“, bedauert Lena.

Nicht verpassen wollen würde sie die Chance auf ein solches Auslandsjahr: „Man hat seinen Horizont erweitert, nimmt alles anders war und geht anders an Dinge ran.“ Auch das grundsätzliche Interesse an anderen Kulturen sei gewachsen. „Wer Mut mitbringt, Engagement, Offenheit und sich von Vorverurteilungen frei macht, profitiert“, meint Lena.
Natürlich habe es auch weniger gute Tage gegeben, räumt sie ein: „Aber die hat man zu Hause auch, und wir waren ja vorbereitet.“ Überhaupt sei die Begleitung durch das Referat Weltkirche des Bistums sehr gut gewesen, betont Lena. An den Auslandaufenthalt habe sich noch ein Rückkehrerseminar angeschlossen. „Es war schön, rückblickend zu sehen, dass man mit den Herausforderungen nicht allein war“, meint die Dülmenerin, „wir verstehen untereinander unsere Erfahrungen.“ Und sie nimmt für sich in Anspruch, was sie auch von den anderen Freiwilligen ihres Jahrgang sagt: „Wir sind alle glücklich aus diesem Jahr rausgegangen.“

Text: Bischöfliche Pressestelle Münster