Amerika-Gipfel: Abgeschirmt und unter sich

Autokolonnen in Cartagena während des Cumbre de las Americas

Autokolonnen in Cartagena während des Cumbre de las Americas

Der Weg zum Hotel ist eine Herausforderung. Es sind zwar nur fünf Minuten vom Kongresszentrum bis zum „Casa Sweety“, so heißt die nette Herberge, aber die sind gepflastert von kleinen Pausen. Dann nämlich, wenn sich die unzähligen Autokarawanen der 33 Delegationen beim 6. Amerika-Gipfel ihren Weg durch die viel zu engen Gassen in Cartagena schlängeln. Für Autos, vor allem nicht für die, die viel Platz brauchen und gleich in Kolonnen kommen, ist diese koloniale Altstadt nicht gemacht.

Das soll die Diplomaten, Politiker und Delegationen aber nicht aufhalten, denn sie haben immer Vorfahrt. Wer wissen will, warum sich Politik und Volk so weit von einander entfernt haben, muss nur einmal nach Cartagena blicken. Hier in Kolumbien spielt sich in diesen Tagen das Leben in zwei Parallelwelten ab. Auf der einen Seite die mit der Akkreditierung um den Hals, die fast überall hin dürfen, und auf der anderen Seite die, für die eigentlich Politik gemacht werden soll, die das alles mit ihren Steuern bezahlen, aber nicht einen Fuß breit dahin setzen dürfen, wo Politik für das Volks gemacht werden soll.

Fast wirkt es so, als wäre ein riesiges Raumschiff mit Außerirdischen in Cartagena gelandet. Man sieht sie nicht, man hört sie nicht, aber sie sind da – die Politiker, die Diplomaten, die Abgeordneten. Abgeschirmt von freundlichen, aber wenig debattierfreudigen Polizisten und in Limousinen mit dunklen Scheiben, damit man nicht sehen kann wer drin sitzt.

Barack Obama ist einfach überall: Auch die Straßenmaler versuchen ihr Glück mit einem Portrait des US-Präsidenten.

Barack Obama ist einfach überall: Auch die Straßenmaler versuchen ihr Glück mit einem Portrait des US-Präsidenten.

Ein paar Kolumbianer aus dem Dorf Turbaco wollen es dennoch versuchen. Sie sind Obama-Fans sagen sie und wollen ihrem Idol einen Esel schenken. Mit rund 50 Eseln sind sie vor ein paar Tagen losgezogen. Auf dem Kopf tragen sie Hüte von „Uncle Sam“. Mal sehen, ob es die Dorfbewohner aus Turbaco schaffen, dem mächtigsten Mann der Welt die Hand zu schütteln und den Vierbeiner, der dann im Weißen Haus auf dem grünen Rasen sein Dasein fristen soll, los werden.

Boliviens Präsident Evo Morales hat das Volk gleich mitgebracht. Mit ihm werden eine knappe Hundertschaft „Indigener“ wie es politisch korrekt heißt in Cartagena erwartet. Man könnte auch einfach sagen, er bringt die Menschen mit, über die hier bestimmt wird. Kein schlechter Einfall, auf diese Weise hat das Volk dann doch noch Eintritt in die geschlossene Gesellschaft.

Text und Fotos: Tobias Käufer