Amerika-Gipfel: Nur wer twittert, gewinnt…

cumbre de las americas

Logo des cumbre de las americas

Schon an den Flughäfen beginnt die Betreuung: Freundliche junge Damen und Herren warten mit einem Schild welches das Logo des Amerika-Gipfels trägt. Diplomaten, Journalisten und Hilfskräfte aus insgesamt 33 Ländern sollen Kolumbien von seiner besten Seite kennenlernen. Dafür hat das südamerikanische Land als Gastgeber der 6. Auflage des kontinentalen Gipfeltreffens viel Geld in die Hand genommen.

Journalisten, das wissen die Marketingstrategen, sind eben Multiplikatoren. Fühlen sie sich im Land wohl, strahlt das auf die Berichterstattung aus, bringt vielleicht neue Touristen ins Land. Wohl auch deshalb fiel die Wahl der Gastgeber auf Cartagena als Austragungsort. Die Kulisse der Kolonialstadt ist perfekt für schöne Fernsehbilder. US-Präsident Barack Obama in der historischen Altstadt der Stadt an der Karibikküste – von solchen Bildern träumt jeder Tourismusmanager. In den nächsten Tagen werden dieser Bilder um die Welt gehen, zumindest um die US-amerikanische und die lateinamerikanische.

Das Kongress-Zentrum des Amerika-Gipfels in Cartagena/Kolumbien. Foto:  Prensa VI Cumbre

Das Kongress-Zentrum des Amerika-Gipfels in Cartagena/Kolumbien. Foto: Prensa VI Cumbre

Doch es gibt auch die andere Seite der Medaille: Die Organisatoren veranstalten Lotterien unter den Journalisten. Nur wenn einen eigenen Twitter-Account besitzt und mit diesem den offiziellen Verlautbarungen der Gipfel-Organisatoren folgt, hat eine Chance einen der begrenzten und begehrten Plätze beim Empfang der 33 Staats- und Regierungschefs aus der Region auf dem Flughafen zu gewinnen. Die Angaben werden selbstverständlich überprüft, eine höfliche aber bestimmte Erinnerung per E-Mail der Gipfelpressestelle erinnert die Journalisten an ihre „Folgepflicht“.

Insgesamt sind laut offiziellen Angaben rund 1500 Journalisten aus der ganzen Welt akkreditiert. Fast alle machen das Spiel mit und lassen sich bei Twitter registrieren und folgen @america_org. Die so über die Journalisten-Accounts verbreiteten offiziellen Gipfel-Nachrichten gewinnen damit zumindest auf den ersten Blick geprüfte Authentizität, denn viele Redaktionen folgen ihrerseits den Twitter-Accounts der Organisatoren. Auf den zweiten Blick ist es eine perfide Methode der Manipulation.

Text: Tobias Käufer