Amerika-Gipfel: Was Europa und die USA von Lateinamerika lernen können

Eine Woche lang haben sich die Delegationen aus Nord-, Zentral und Südamerika sowie der Karibik im kolumbianischen Cartagena ausgetauscht. Hart wurde gerungen, diskutiert und kritisiert. Ein echter Amerika-Gipfel eben.

Freundlicher Empfang statt Molotow-Cocktails.

Freundlicher Empfang statt Molotow-Cocktails.

Und doch war diesmal für den europäischen Betrachter etwas anders als bei den Gipfeltreffen in Europa oder den USA. Es flogen keine Molotow-Cocktails wie in Davos oder Brüssel. Keine (bezahlten) Berufsdemonstranten versuchten die Veranstaltung zu stören. Webseiten wurden nicht gehackt, keine Innenstädte demoliert. Ganze zwei Feuerwerkskörper explodierten dieser Tage, von den internationalen Nachrichtenagenturen zu „Sprengsätzen“ aufgebauscht. Tatsächliche Bilanz: Sachschäden: keine, Personenschäden: keine. Das Großaufgebot der kolumbianischen Polizei, offensichtlich auf Freundlichkeit getrimmt, hatte angespannte aber ruhige Tage in Cartagena.

Trotz allem Gipfel-Gigantismus war das Treffen ein Erfolg, denn – wie sagte es der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos am Sonntag zum Abschluss: Es ist nicht wichtig, dass man eine gemeinsame Abschlusserklärung verfasse. Viel wichtiger sei es, dass endlich einmal über die drängenden Themen auf dieser Ebene offen und ehrlich gesprochen werde. Die Drogenproblematik, die Integration Kubas, die Frage der Falklandinseln – all das kam zur Sprache, alle die Differenzen zwischen dem Norden und dem Süden machten deutlich: Nordamerika muss sich künftig auf ein deutlich selbstbewussteres Lateinamerika einstellen.

Nur ein grenzenloser Optimist hätte erwartet, dass all diese Fragen einvernehmlich geklärt würden können. In die Debatte über den richtigen Weg die Drogenmafia zu bekämpfen ist eine neue Dynamik gekommen, Argentinien hat für seine Position im Streit mit London über die Falklandinseln neue Verbündete gewinnen können und Kuba – da sind sich fast alle Gipfelteilnehmer einig, wird beim nächsten Gipfel in drei Jahren in Panama erstmals dabei sein.

Exil-Kubanerinnen aus Miami demonstrieren in Cartagena für die Bürgerrechte in ihrem Heimatland.

Exil-Kubanerinnen aus Miami demonstrieren in Cartagena für die Bürgerrechte in ihrem Heimatland.

Übrigens: Demonstriert wurde dann doch am Rande des Amerika-Gipfels. Und es ging um Kuba: Eine Abordnung der „Damas de blanco“, der kubanischen Bürgerrechtsorganisation „Frauen in Weiß“ marschierte schweigend durch Cartagena. Auch für sie war Platz auf diesem Gipfel, vielleicht weil sie Blumen in der Hand hatten und keine Molotow-Cocktails.

Text und Fotos: Tobias Käufer, Cartagena, Kolumbien

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