Argentinien: 40 gegrillte Hühnchen für die Vegetarierin

ronja-150x150Nun bricht schon der dritte Monat für mich hier in Argentinien an und es fasziniert mich, wie schnell es gelingt, sich in ein komplett neues Umfeld einzuleben. Ich lebe in Merlo, einer Stadt in der Provinz Buenos Aires, und unterstütze die hiesige Gemeinde im Kinderhort und entdecke immer wieder neue Felder, in denen ich tätig werden kann.

Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass ich dazugehöre und dass man sich für mich interessiert. Das Spanisch lernen und sprechen ist zwar noch ziemlich anstrengend, aber ich habe im Kindergarten super Mitmenschen, die mit mir meine Woche so einteilen, dass ich gut mitarbeiten kann. So helfe ich an den Tagen mit Sprachkurs in der Küche, wo es deutlich ruhiger und entspannter ist. An den anderen Tagen schaue ich mir nach und nach alle Gruppen an, um die Kinder kennenzulernen und mir ein Bild davon zu machen, wo ich nach der Kennenlernphase tätig werden möchte. Es ist faszinierend, wie gut mein Wörterbuch (nicht nur bei Kindern) ankommt. Den Kindern soll ich häufig daraus vorlesen.

Von Ronja zu Iffi

Der erste Schritt war allerdings ein kleiner Namenswechsel. Hier heiße ich Iffi, da „Ronja“ hier umgangssprachlich Dreck, Schmutz oder Krätze bedeutet. Da kann ich gerne drauf verzichten und wähle lieber meinen Spitznamen.

FeiertagDen Tag der Vielfalt der Kulturen (der Eroberung Amerikas) haben wir zu einem besonderen Tag gemacht: Schon Wochen zuvor gingen die Vorbereitungen los. Für jeden Kontinent wurde ein Tanz einstudiert, sodass auch die unter Dreijährigen mitmachen konnten. In einen Tanz wurde die Geschichte der Eroberung Lateinamerikas verpackt und eine Frau aus Polen las eine polnische Geschichte vor. Ich durfte auch einen Teil Europas präsentieren und spielte mit meiner Gitarre „Heute hier, morgen dort“. Dass ich damit jedoch so eine Begeisterung hervorrufen werde, war mir vorher nicht bewusst. Meine Gastmutter hatte Tränen in den Augen, so stolz war sie auf mich.

Danach lag der Schwerpunkt – wie so oft bei Feierlichkeiten – auf dem Essen. Und es ist möglich: Sogar bei einem argentinischen Asado (Grillen) mit 40 gegrillten Hühnern schaffe ich es als Vegetarier satt zu werden. Auch, wenn ich zunächst jedem hier einen Schrecken mit dieser Essenseinstellung eingejagt habe, stellt es sich im Alltag nicht als Problem heraus.

Die Nacht zum Tag machen

Pfadfinder-300x225Schnell habe ich hier auch eine Pfadfindergruppe gefunden und bin gleich auf dem 25. Geburtstag des Stammes gelandet. Mit viel Tanz, Musik und (natürlich) Essen und Mate-Tee haben wir die ganze Nacht gefeiert. Ich muss mich allerdings noch daran gewöhnen, dass am Wochenende das Leben auf die Nacht verlegt wird, sodass eine Feier wie diese schnell bis sieben Uhr morgens dauert. Allerdings kenne ich nun schon gleich Pfadfinder aus drei verschiedenen Stämmen und bin, bis auf die eher militärisch gehaltene Begrüßung, sehr begeistert.

bei-Paul-1-300x225Paul, der andere Freiwillige von DPSG und Adveniat hier, wohnt nicht weit von mir entfernt und unterstützt ein Kinderheim. Es tut gut, sich ab und an mit ihm austauschen zu können. Bei diesen Treffen darf das typisch argentinische Nationalgetränk Mate nicht fehlen. Der Spaß bleibt mit seinen wilden Heimjungs auch nicht aus, wie hier beim Pferde reiten.

Jetzt bin ich gespannt, wie sich die weiteren Wochen und Monate entwickeln. Es ist faszinierend, einen immer tieferen Einblick in das argentinische Leben zu bekommen, dass immer wieder Überraschungen mit sich bringt.

Text: Ronja Iffland

 

Weltwärts: Paul, Ronja, Yvonne und Rebecca (v.l.)

Weltwärts: Paul, Ronja, Yvonne und Rebecca (v.l.)

Gemeinsam mit der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) bietet Adveniat Freiwilligendienste an. Die DPSG ist ein anerkannter Träger des entwicklungspolitischen Dienstes „weltwärts“. Im August 2014 haben sich vier junge Deutsche auf den Weg nach Lateinamerika gemacht. Zwei von ihnen arbeiten in Adveniat-Projekten in Argentinien, zwei in Paraguay.