Argentinien: Das ist Buenos Aires

Die Stadt ist wie ausgestorben. Es ist Ferienzeit und noch dazu ein Feiertag. Auf der achtspurigen Straße, die quer durch die Stadt führt, verlieren sich die einsamen Taxen im Dunst der Mittagssonne. So hatte ich mir Buenos Aires nun wirklich nicht vorgestellt. Doch von Ferne schallt Musik und Stimmengewirr auf die Avenida.

Wie ein buntes Band zieht sich die Hauptgasse des Viertels San Telmo durch das ruhende Buenos Aires. Hier findet der Tourist das, was ihm der Reiseführer versprochen hat: das pralle Leben. Die Gasse platzt aus allen Nähten. Aus den Bars schallt Tangomusik, auf der Straße stehen kleine Bands und Solokünstler. Von überall her steigen Gerüche in die Nase: von gebrannten Mandeln bis hin zu gegrilltem Fleisch. Auf den Tischen stehen die kleinen Mate-Gefäße, aus denen genussvoll geschlürft wird. Mate-Trinken, eine Tradition, die mit den Argentiniern verbunden wird, wie das Weißbier mit den Bayern. Die aber, wie ich heute gelernt habe, eigentlich von russischen Einwanderern in das Land gebracht wurde.

Weiter am Ende der Straße reißt die Perlenschnur der Cafes ab. Die Häuser stehen leer. Hier lassen sich jeden Tag Tausende von Händlern nieder. Auf Tischen, Decken, Wagen bieten sie selbstgefertigte Waren feil, die durch ihre Kreativität manch einem Designer den Platz streitig machen könnten. Von handgefertigtem Schmuck, kunstvollen Mates bis hin zu Taschen aus Schallplatten oder alten Kassettenrekordern.

San Telmo hat Charme und ist mehr als nur touristische Hochburg. Mit einem kleinen Streifzug durch die Gassen habe ich viel gelernt über diese Stadt. Denn auch wenn die Tangoaufführungen, die Stände und Cafés einen touristischen Beigeschmack haben – die Menschen, die diese Kulissen aufbauen sind echt. Ein Blick in ihre Gesichter verrät viel über ihre Herkunft, ihre Biografie und damit auch über die Stadt. Eine bunte Mischung aus Einwanderern aus Peru, Bolivien, Mexiko, die sich in der Metropole Buenos Aires ein besseres Leben erhofft haben und nun doch größtenteils in den Villas am Rande der Stadt wohnen.

Text und Fotos: Mareille Landau