Argentinien: Mitzuleben, mitzubeten, mitzuarbeiten

Ines hilft mit bei der Essensausgabe im Internat "Albergue San Agustín”.

Ines hilft mit bei der Essensausgabe im Internat „Albergue San Agustín”.

Nach dem Abitur ab in die argentinischen Anden. Für ein Jahr lebt die 18-jährige Ines Busch mit 30 Mädchen und drei Augustinerschwestern in dem kleinen Dorf Santa Maria in der Privinz Catamarca.

Ines (links) besucht einige Schülerinnen auch zu Hause in den Bergen.

Ines (links) besucht einige Schülerinnen auch zu Hause in den Bergen.

“Ich leiste hier mein freiwilliges soziales Jahr, oder besser gesagt nehme ich am MaZ-Programm teil – Missionarin auf Zeit,” erklärt Ines. Das Motto dabei: Mitzuleben, mitzubeten und mitzuarbeiten.

Den Kontakt hat die pfiffige Jugendliche über die Steyler Missionare bekommen, die das von Adveniat mitfinanzierte Mädchenwohnheim “Albergue San Agustín” in der staubigen Hochebene des argentinischen Nordens als Endsendeort vorgeschlagen hatten. Sie ist bereits die zweite Deutsche, die in dem Heim mithilft.

“Ich bin so etwas wie ein Mädchen für alles – Hausaufgabenbetreuung, in der Küche mithelfen, Einkaufen gehen.” An Arbeit mangelt es jedenfalls nicht. “Ich glaube, dass die Schwestern froh sind, wenn ich ihnen mal ein paar Aufgaben abnehme.”

In dem Heim leben unter der Woche Mädchen im Alter von 11 bis 18 Jahren, deren Elternhaus weit ab von der Stadt in den einsamen Bergen und sandigen Ebenen liegt. Zu weit um den täglichen Schulweg bewältigen zu können. Manche Häuser sind erst durch mehrstündige Fußmärsche zu erreichen, danach folgen noch Stunden lange Busfahrten. Wenn es überhaupt Busse gibt.

Ohne das Heim hätten die Mädchen keine Chance, die Mittelstufe zu besuchen. Manche sind aber auch aus anderen Gründen hier – Konflikte innerhalb der Familie, von Streitigkeiten mit den Eltern bis hin zu häuslicher Gewalt und Missbrauch. Das erfordert Einfühlungsvermögen im Umgang mit den pubertierenden Mädchen.

Ines (rechts) besucht die Internatsschülerin Mariana Moreno (Mitte) in ihrer Schule "Escuela Secundaria No.2"

Ines (rechts) besucht die Internatsschülerin Mariana Moreno (Mitte) in ihrer Schule „Escuela Secundaria No.2“

Für die in einer religiösen Familie aufgewachsene Ines kein Problem. Ihre Mutter ist Gemeindereferentin daheim im Kreis Gütersloh, ihr Bruder ist gerade ins Priesterseminar eingetreten. Für sie selbst kommt eine Zukunft als Missionarin jedoch nicht in Frage. Aber trotzdem ist die Zeit weit weg von daheim wichtig. “Für mich hat sich hier bestätigt, dass materielle Armut keine wirkliche Armut ist – vom Menschlichen her sind die Menschen hier reicher als viele daheim.”

Ines hofft, dass viele andere Jugendliche in Deutschland ihrem Vorbild folgen. Für sie hat sie eine klare Botschaft: “Traut Euch einfach! Und macht das Beste daraus!”

Text: Thomas Milz
Fotos: Jürgen Escher