Argentinien: Wo Padre Jorge seine Zeitung kaufte – Auf den Spuren von Papst Franziskus durch Buenos Aires

IMG_8013„Die ersten waren drei Mexikaner“, erinnert sich Eugenia. Gut ein Jahr ist es her, dass ihr Chef sie eines Tages angerufen habe und gesagt habe: „Eugenia, ich habe hier eine Anfrage von Touristen, die sich auf die Spuren von Papst Franziskus machen wollen: überleg dir bitte mal, was du ihnen zeigen kannst.“ Eugenia, die seit acht Jahren als Touristenführerin in Buenos Aires arbeitet, war verblüfft, doch: gefragt getan! Zwar räumt sie ein, dass die Mexikaner noch eine etwas improvisierte Tour erlebten, doch inzwischen ist der „Circuito Papal“ durch die argentinische Metropole nicht nur zum professionellen Angebot für „Papst-Touristen“ geworden, sondern sogar der Renner. „Durch Padre Jorge (so nennt Eugenia Papst Franziskus noch immer liebevoll) haben wir viel mehr Nachfragen“, sagt sie. Aus Europa würden vor allem Italiener und Spanier den Spuren des ersten lateinamerikanischen Papstes folgen wollen.

Und Padre Jorge hat in Buenos Aires deutliche Spuren hinterlassen. Diese beginnen allerdings keineswegs in der Kathedrale oder am Bischofssitz, sondern an dem Kiosk, wo er sich täglich die Zeitung gekauft hat. Nun gut: nicht wirklich täglich, denn es ist an diesem Samstag „nur“ der „Wochenend-Kiosk“. Der frühere Wochentags-Stammkiosk des heutigen Papstes hat leider geschlossen. Doch Kiosk-Besitzer Daniel weiß zu erzählen, dass Padre Jorge immer samstags und sonntags die Zeitung „La Nacion“ bei ihm gekauft habe. Und natürlich haben sich die beiden Fans vom Fußball-Club San Lorenzo dann immer auch die Zeit für ein fachmännisches Schwätzchen über die auch für Argentinier wichtigste Nebensache der Welt genommen. Erstaunlich nur, dass es am Kiosk von Daniel kein Schild oder ähnliches gibt, das darauf hinweist: „Hier kaufte Papst Franziskus seine Zeitung“, aber was nicht ist, kann ja noch werden, lacht Eugenia.

IMG_8052Am Bischofshaus, direkt an der Plaza de Mayo – dem zentralen Platz in Buenos Aires – ist die Touristenführerin auf jeden Fall hin und weg, den beeindruckten Zuhörern erzählen zu können, dass „genau das die Türklinke ist, die Padre Jorge jeden Tag heruntergedrückt hat“. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Klinke – wie Berührungsreliquien an Wallfahrtsorten – deutliche „Berührungsspuren“ zeigen wird. Über die Kathedrale und die Basilica de San José, wo vor allem der Beichtstuhl präsentiert wird, in dem Papst Franziskus nach eigener Erzählung seine Berufung zum Priester erfahren hat, geht es zum früheren Wohnhaus des heutigen Papstes im Stadtteil Flores. Immerhin weist an dem schmucklosen, zweistöckigen Haus, an dem alle Rolläden heruntergelassen sind, ein Hinweisschild auf den früheren Bewohner hin.

IMG_8122Eugenia nutzt aber auch hier noch einmal die Gelegenheit, zu betonen, dass „Padre Jorge“ immer ein Mann des einfachen Volkes gewesen sei, der es geliebt habe, Bus und U-Bahn zu fahren, zu tanzen und in den kleinen Bars einen Kaffee zu trinken. Vor allem aber sei er ein typischer „Porteño“, sagt sie spürbar stolz. So werden die Einwohner von Buenos Aires wegen der Lage der Stadt am Hafen, dem „puerto“, genannt: „Die Porteños kleiden sich wie Engländer, denken wie Italiener, sprechen wie Spanier und glauben, sie sind Franzosen.“ Was das nun darüber aussagt, wie Padre Jorge das Papstamt ausfüllen wird, dazu wird Eugenia den vielen Papst-Touristen in Buenos Aires sicher auch schon bald etwas zu berichten wissen. Die Tour mit ihr ist ein ebenso informatives wie unterhaltsames Erlebnis.

Text und Fotos: Stephan Kronenburg

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Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat begibt sich zusammen mit dem Journalistenverband GKP auf die Spuren von Papst Franziskus: Zehn Tage reisen 15 Journalistinnen und Journalisten durch Argentinien, um die Kirche vor Ort und Wegbegleiter Kardinal Jorge Bergoglios, dem heutigen Papst Franziskus, kennen zu lernen. Organisiert haben die Reise Sozialarbeiterin und Religionspädagogin Christl Huber aus Buenos Aires, Adveniat-Pressesprecherin und stellvertretende Vorsitzende der GKP, Carolin Kronenburg, und der Leiter der Projektabteilung bei Adveniat, Thomas Wieland.