Argentiniens verpasste Chance

Es hätte eine Copa America der guten Laune werden können, doch das Gastgeber-Land Argentinien hat eine große Chance verpasst, die Fußball-Südamerikameisterschaft als Bühne zur symphatischen Selbst-Präsentation zu nutzen. Eine bisweilen abenteuerlich schlechte Organisation, wütende Journalisten und genervte Fans zählen zu den unschönen Begleiterscheinungen des ältesten Nationenturniers der Welt. Keine der letzten drei Turniere in Kolumbien (2001), Peru (2004) oder Venezuela (2007) – immerhin als Baseball-Nation ein Fußball-Entwicklungsland – war so schlecht organisiert wie die Copa America 2011 im fußballverrückten Argentinien.

Dem Journalist Jose Mastandrea platzte nun der Kragen: „Das ist eine Copa America der dritten Welt“, schrieb der Vertreter der von der uruguayischen Tageszeitung „El Pais“ und löste damit eine Debatte über die Rahmenbedinungen aus. Eingesperrte Journalisten, katastrophale Transporte und Beleidigungen seien an der Tagesordnung, so Mastandrea, der sich seit seiner öffentlicher Kritik vor Schulterklopfern im Pressezentrum nicht retten kann.

Nicht nur die Journalisten beklagen die mangelhafte Organisationen: Auch für die Fans ist das Wort Kundenservice ein Fremdwort. Wer Tickets via Internet kauft und ist in der Millionen-Metropole Buenos Aires persönlich abholen will, braucht Geduld. Viel Geduld. Es gibt gerade einmal eine Abholstelle für die Fans aus ganz Lateinamerika in der Hauptstadt. Lange Schlangen mit Wartezeiten bis zu drei Stunden, um einen Platz an der geöffneten zwei (!) Schaltern zu ergattern, ist die Folge. Zumindest das freundliche Sicherheitspersonal hat ein Erbarmen. Junge Familien, die nach stundenlanger Warte mit ihren schreienden Babys nicht mehr wissen wohin, werden an die Spitze der Schlange gelassen. Schade, es hätte ein Volksfest werden können.

Tobias Käufer

zur Zeit Buenos Aires