Armut und Reichtum – Eine sich immer weiter öffnende Schere

Ein allgemein lateinamerikanisches Phänomen ist die ungleiche Verteilung der Güter und die dadurch resultierende extreme Teilung der Gesellschaften in arm und reich. Während die Meisten der Gesellschaften trotz der unglaublichen Bodenschätze in prekären und menschenunwürdigen Situationen leben müssen, gibt es eine Schicht von Wenigen, die das wirtschaftliche Potential nutzen und sich daran bereichern. Allgemein heißt es, das Argentinien und Chile zu den stärksten Volkswirtschaften Südamerikas gehören und als sogenannte „Schwellenländer“ zählen, doch auch dort gibt es einen bedeutenden Teil der bittere Armut erleiden muss.
Bolivien, eine sowieso schon stark geteilte Bevölkerung, erlebt dadurch eine weitere Teilung, die bizarre Formen annimmt. Die ökonomisch Bessergestellten kapseln sich gegenüber dem Rest der Bevölkerung ab und schließen sich in „Condominios“ ein. Dies sind durch Mauern abgesperrte Wohnbereiche, die von privaten Sicherheitsfirmen bewacht werden und in die man als Außenstehender auch nur mit entsprechender Genehmigung eintreten darf. Innerhalb dieser „privaten Wohngebiete“ gibt es dann alles, wunderschöne Häuser mit gepflegten Gärten, prallgefüllte Supermärkte, schicke Gemeindezentren und natürlich auch Schwimmbäder. Zwei komplett unterschiedliche Welten in einer Stadt, getrennt durch eine ca. 30 cm dicke Mauer und einer Horde Sicherheitskräfte. Außerhalb der Mauer beginnt dann das „wahre“ bolivianische Leben und die Menschen bauen ihre Hütten aus Holz, Lehm und Palmzweigen. Dadurch ergibt sich ein Bild von Armut und Reichtum, das krasser den Unterschied nicht zeigen könnte.
Grund Nummer eins, in diesen Parallelgesellschaften zu leben, ist die nicht unbegründete Angst vor Überfällen, denn es ist nicht überraschend, dass der vorgelebte Reichtum der Einen, bei den Anderen Neid und Missgunst weckt.

Text: Dominik Pieper