Auf dem Feld am Fluss

Schauspielerin Friederike Becht unterwegs im Tiefland von Ecuador

Vom Fluss aus sieht man nur einen schmalen Weg in das Grün hinein. Die Anlagestelle am Río Napo im Tiefland von Ecuador ist eigentlich nur ein freigelegtes Stück Ufer, aber Fernando Alvarado kennt seine Heimat. „Hier geht es zum Yuccafeld“, sagt der 56-Jährige. Das „Feld“ erkennt man daran, dass hier keine großen Bäume stehen. Ansonsten muss Fernando öfters die Machete nutzen, um den Weg durch das Dickicht freizulegen.


Daisy Alvarado (links) erklärt der Schauspielerin Friederike Becht (rechts), wie die Yuccaknollen genutzt werden.

Seine Frau Daisy folgt ihm, und neben ihr die deutsche Schauspielerin Friederike Becht, die sich in Ecuador über den Alltag der indigenen Bevölkerung im Tiefland, über die Situation im Regenwald und insbesondere die Folgen der Erdölförderung informieren will. Daisy drückt Friederike eine Machete in die Hand, die gleichzeitig als Grabegerät genutzt wird. Die Yucca, in anderen Ländern auch als Maniok oder Kasawe benannt, muss zuerst von den hochwachsenden Ästen befreit werden. Dann ziehen die beiden Frauen gemeinsam die Knollen aus dem Boden. Die Yuccaknolle kann gekocht werden, man kann sie reiben, trocknen und zu Fladen backen oder aus ihr Chicha herstellen, ein trübes Getränk, das nach der Fermentierung auch alkoholhaltig ist.

Bei mehr als dreißig Grad ist die Arbeit auf dem Feld schweißtreibend, und nachdem Daisy die Knollen eingesammelt hat, trägt Friederike Becht den Korb zum Boot – mit dem Trageriemen vor der Stirn, den Korb auf dem Rücken.


Fernando und Daisy helfen Friederike Becht, den Korb mit den Yuccaknollen aufzuladen.

Es sei beeindruckend, wie die Menschen am Fluss in der Natur lebten, sagt die Schauspielerin. Fernando und Daisy gehören zum Volk der Naporuna, und ihr Dorf Alta Florencia versucht, den Reichtum der Natur im Regenwald auch für die kommenden Generationen zu sichern. Das ist nicht einfach, denn derzeit werden neue Erdölfelder genau hier erschlossen. Das Gebiet zwischen Lago Agrio und Coca ist seit fast 50 Jahren Erdölförderregion – oft genug ohne Rücksicht auf die Menschen, die hier leben. Wasserverschmutzung, Methangase, Abholzung: Fernando kann die Liste der Folgen der Erdölförderung herunterbeten. Eine höhere Krebsrate gehören ebenso dazu wie Hautkrankheiten vor allem bei den Kindern, weil das Wasser des Flusses inzwischen versucht ist.


Bei mehr als 30 Grad ist die Arbeit auf dem Feld schweißtreibend. Das Boot ist das einzige Transportmittel für die Menschen am Río Napo.


Die Yuccaknollen werden während der Rückfahrt zum Dorf gleich im Boot geschält.

Ihr Verwandter Delfin Alvarado versucht, mit seinem Kakaofeld zu überleben. „Wir verkaufen die Kakaosamen nach Coca, aber noch besser wäre es, wenn wir selbst hier Kakao herstellen könnten.“ Doch das ist so unkompliziert nicht, es fehlt an Geld und vor allem auch Genehmigungen.


Delfin Alvarado baut Kakao an.

Es sei so einfach, nachhaltig am Fluss zu arbeiten, die Natur regele alles, wenn man vernünftig mit ihr umgehe, sagt Fernando. Und steckt die abgeschnittenen Yuccaäste zurück in den Boden. „Die wachsen wieder an, und bald können wir weitere Knollen ernten“, erklärt er.

Text: Christian Frevel
Fotos: Martin Steffen

 

Angesichts der rücksichtslosen Ausbeutung von Rohstoffen, welche die Lebenswelt der ursprünglichen Völker Amazoniens zerstört, setzt sich Adveniat mit dem Thema „Zukunft Amazonas“ besonders für die Zukunft der bedrohten Völker und Schöpfung am Amazonas in Ecuador, Brasilien und Peru ein.