Kuba: Ein Auto im Wohnzimmer

Ein Auto. Geparkt vor den Buchregalen. Und es stinkt durchdringend nach Benzin. Kein Wunder, meint Padre Jorge Luis Gil Orta und öffnet die Tür des verbeulten Autos, das wohl mal ein VW-Neuwagen, Modell obere Mittelklasse gewesen sein muss.

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Das neue alte Auto des Pfarrers wurde direkt vor den Buchregalen im Haus geparkt. Hier soll es jetzt restauriert werden. Fotos: Christian Frevel

Im Innenraum fehlen die hinteren Sitzbänke, der Teppichboden, die Abdeckung zum Kofferraum. Statt dessen steht dort ein Plastikkanister, aus dem zwei Schläuche ragen. „Der provisorische Tank“, meint Padre Jorge und hält sich andeutungsweise die Nase zu. „Nicht ganz dicht, daher der Geruch.“

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Am Rand von Havanna

In Kuba gibt es schönere Ecken als La Guinera. Kein Strand, keine Wellen, stattdessen die Straße von Havanna Richtung Osten, alte LKW und uralte Privatwagen mit defektem Auspuff dröhnen durch den Ort. Schöner wohnen sieht anders aus.

Die Ordensfrauen haben sich vor allem dem Dienst an den Armen, Kranken und Alten verschrieben.

Die Ordensfrauen in La Guinera haben sich vor allem dem Dienst an den Armen, Kranken und Alten verschrieben.

Wer hier gelandet ist, hat eigentlich anderes gesucht. „Die meisten Menschen hier stammen aus dem Landesinneren“, berichtet Schwester Lucia Mercedes Tineo. „Sie sahen dort keine Perspektive mehr und wollten ihr Glück in der Havanna versuchen.“ Jetzt sind sie hier, in La Guinera, 20 Kilometer weg von der Hauptstadt.

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Das Recht auf das eigene Land: Vila Autodromo

Rammen dröhnen, Abrissbagger graben ihre große Schaufeln in den Schutt, die Kulisse wirkt wie in einem Kriegsfilm: Von den meisten Häusern des Viertels Vila Autodromo in Rio de Janeiro sind nur noch Ruinen übrig.

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„Wir wollen hier nicht weg!“ Angesichts der Bagger und Planierraupen klingt der Aufruf von Maria Penha zwar fest, aber irgendwie verloren. Denn die Türme des Olympiaparks wachsen nur hundert Meter weiter in gigantische Höhen. Keine Chance, dieser Perspektive zu entkommen. Dennoch: Die kleine Frau wirkt entschlossen.

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Kinderalltag in Rio: Maria Clara aus „Complexo 18“

Maria Clara stapft angestrengt den Hügel hoch. Zwischen Steinen, Matsch und Müll setzt sie ihre kleinen Füßchen in den bunten Flipflops. Jeden Wochentag macht die Zweijährige um kurz vor sieben an der Hand ihrer Mutter den Aufstieg.

Mittagessen in der Kinderkrippe Pintinho Dourado (Goldenes Küken): Für mache Kinder sind die Mahlzeiten das einzige Essen, das sie bekommen. Die KiTa wird vom Verein Kinder in Rio getragen, der Mitglied im Aktionsbündnis "Rio bewegt. Uns." ist.

Mittagessen in der Kinderkrippe Pintinho Dourado (Goldenes Küken): Für mache Kinder sind die Mahlzeiten das einzige Essen, das sie bekommen. Die KiTa wird vom Verein Kinder in Rio getragen, der Mitglied im Aktionsbündnis „Rio bewegt. Uns.“ ist.

Denn dann geht es in die Kita. Sie liegt nicht weit weg von ihrem Haus, aber der große Hügel ist eine enorme Hürde für die Kleine. Viele Kinder steigen zu dieser Zeit den Hügel hinauf, an der Hand ihrer Eltern oder älteren Geschwister. Die, die niemanden haben, der sie bringt, können nicht zur Kita kommen – der Aufstieg ist zu beschwerlich und zu gefährlich. Nicht nur wegen der Rutschgefahr.

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Brasiliens Bischöfe zur Lage der Nation

Seit einigen Wochen bereits berichtet Adveniat auf blickpunkt-lateinamerika über die schwierige politische Situation im Land, die zu einer wirklichen Krise mutiert ist. Nun haben die brasilianischen Bischöfe sich mit einer bemerkenswert deutlichen Botschaft zur Lage der Nation gewandt.

Jugendliche bei einer Demonstration im Kontext der Fußball-WM in Brasilien.

Jugendliche bei einer Demonstration im Kontext der Fußball-WM in Brasilien.

Wir dokumentieren die Erklärung in einer deutschen Übersetzung.

Erklärung der Brasilianischen Bischofskonferenz für Brasilien

„Menschen, die reich werden wollen, geraten nur in Versuchung und verstricken sich in so viele dumme und schädliche Wünsche, dass sie letztlich ins Verderben und in ihren eigenen Untergang stürzen. Denn die Liebe zum Geld ist die Wurzel aller möglichen Übel“ (1 Tim 6, 9-10)

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Ein neues Pfarrhaus für La Ye

Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck wird von den Kindern des Dorfes begrüßt, als er mit Pfarrer Yoani Carzón und Adveniat-Hauptgeschäftsführer Bernd Klaschka zum neuen Pfarrhaus geht.

Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck wird von den Kindern des Dorfes begrüßt, als er mit Pfarrer Yoani Cardona und Adveniat-Hauptgeschäftsführer Bernd Klaschka zum neuen Pfarrhaus geht.

Die Kinder tragen Fähnchen, einige sind mit Folkloretrachten gekleidet, die Frauen haben sich herausgeputzt, und es gibt sogar eine kleine Musikgruppe mit einer riesigen Trommel. La Ye hat sich herausgeputzt, denn heute soll das neue Pfarrhaus eingeweiht werden. Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck soll symbolisch ein Band vor dem Eingang zerschneiden; denn das Pfarrhaus konnte nur gebaut werden, weil Adveniat den Bau unterstützte.

La Ye liegt direkt an der Panamericana, jener berühmten Autostraße von Alaska bis Feuerland. Der Straße merkt man das nicht an, obwohl sie seit einigen Jahren in deutlich besserem Zustand ist als früher. Benötigte man vor zehn Jahren noch sieben Stunden mit dem Allradwagen bis Quibdó, der Provinzhauptstadt des kolumbianischen Departamentos Chocó, sind es heute nur noch 90 Minuten. Dennoch: Schlaglöcher und Bodenwellen behindern ein zügiges Fahren. Der Chocó gehört zu den ärmsten Landstrichen Kolumbiens. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung sind Afrokolumbianer; ihre Vorfahren wurden als Sklaven aus Afrika nach Lateinamerika verschleppt und mussten in den Goldminen der Region an der Pazifikküste arbeiten.

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