Jahreswechsel mit Merengue

Brief vom 01. Januar 2011

„Wir Dominikaner sind das zweitfröhlichste Volk auf der Welt!“ wird mir immer wieder mit stolzer Stimme verkündet. Obwohl ich in einem armen Viertel untergebracht bin, ist es daher kein Problem, die Silvesternacht im Freien und mit Jugendlichen auf der Straße scherzend, trinkend und tanzend zu verbringen. Das angenehme Klima, der leichte Wind und die Musik, die gleichzeitig aus verschiedenen Lautsprechern tönt, laden ein mit merengue, bachata, perreo, timbao und choque in das Neue Jahr hinein zu tanzen. Dass Bier und Rum von den Jugendlichen getrunken wird, stört offenbar niemanden. Einzelne Erwachsene stehen am Gartenzaun, um ihre Sprösslinge nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Es herrscht ein Klima der Fröhlichkeit, Ausgelassenheit und Lebenslust, die in einem angenehmen Rhythmus schwingt und bis in die frühen Morgenstunden hinein lachen lässt. Weiterlesen

Impressionen aus der Dominikanischen Republik

Brief vom 29. Dezember 2010

Die Ankunft ist 1,5 h später als geplant. Dazu ist von ca. 100 Personen das Gepäck von Paris nicht mitgeflogen. Probleme in Paris. Ni modo. Bienvenidos a la República Dominicana. Nur 4 Angestellte von Air France versuchen, dem Ansturm der Gepäcklosen Herr zu werden. Mit viel Geduld bin ich schließlich 4h nach der geplanten Ankunft aus dem Flughafen draußen – und werde zum Glück noch von P. Marcelo und Esperanza erwartete. Wie zu erwarten gabs draußen keine Information darüber, warum ich so spät kam. So konnten die beiden nur das tun, was in der Karibik sehr nützlich ist: warten und sich in Geduld üben. Weiterlesen

Vorbereitungen für einen Gottesdienst

Adveniat wird im kommenden Jahr 50 Jahre alt. Aus diesem Anlass soll in einer Favela in São Paulo ein Gottesdienst live im ZDF übertragen werden: Adveniat wird mit der Aktion 2011 erstmals nicht in Deutschland, sondern in Brasilien die Aktionszeit eröffnen.

Gar nicht so einfach, mit allen Partnern einen Gottesdienst vorzubereiten! Der Ort stellt hohe Anforderungen an alle, denn mitten in einer Favela muss an alles gedacht werden: Vom Strom über die Sicherheit bis hin zu mobilen Toiletten. Wie passen deutsche und brasilianische Technik zusammen? Wie kommt ein Übertragungswagen des brasilianischen Fernsehens die engen Gassen einer Favela hinauf? Weiterlesen

In São Paulo

Am 1. Adventsonntag 2011 wird die Adveniat-Aktion mit einem Gottesdienst in Brasilien eröffnet. Genauer gesagt: In einer Favela, einem Elendsviertel. Vorgesehen ist die Favela von Taipas, die im Nordwesten der Millionenstadt liegt. Der Gottesdienst soll vom ZDF live übertragen werden, daher bin ich mit Redakteuren, Technikern, Kameraleuten und  Regisseur in São Paulo.

Die Gemeinde in Taipas wird von der Aliança da Misericordia betreut, einer jungen, wachsenden geistlichen Gemeinschaft, die sich vor allem der Arbeit mit den Ärmsten versprochen hat. Die meist jungen Menschen, die in der Aliança mitarbeiten, gehen zu den Obdachlosen, betreuen sie, sorgen sich um Alkohol- und Drogenkranke, versuchen, ihnen ihre Würde wiederzugeben, indem sie ihnen Zuwendung geben. Weiterlesen

Der Wandermönch vom Sao Francisco-Fluss

Geboren wurde er am Tag des Heiligen Franz von Assisi, dem 4. Oktober. Beinahe hätten seine Eltern ihn deshalb Francisco genannt. Aber sie nannten ihn Luis Flavio. Doch die Verbindung zu dem Heiligen sollte ein Leben lang bestehen. Vom Wunsch beseelt, ein religiöses Leben zu führen und den Ärmsten der Armen nahe zu sein, trat er in den Franziskanerorden ein und begann in den armen Vororten Sao Paulos zu wirken. Irgendwann trieb es ihn hinaus in die Welt, und er wanderte durch Brasilien. – Bis in den Bundesstaat Bahia, an die Ufer des nach dem Heiligen Franz von Assisi benannten Rio Sao Francisco. Diesen wanderte er von der Quelle bis zur Mündung entlang, um die Realität der Anwohner besser verstehen zu lernen. Weiterlesen

Fahrt über weites Land

Die Wege sind weit im Nordosten Brasiliens. Fünf Stunden Autobusfahrt haben uns von unserer letzten Station Oeiras im Bundesstaat Piauí nach Petrolina gebracht, der “Metropole” am Sao Francisco-Fluss.
Petrolina ist das Zentrum einer reichen Region im Westen des Bundeslandes Pernambuco, in der Weintrauben und Mangos dank ausgeklügelter Bewässerungssysteme prächtig gedeihen.

Die Busfahrt war anstrengend, schlafen konnten wir kaum, da der Bus dank potenter Klimaanlage auf arktische 16 Grad heruntergekühlt war. Und als der Busfahrer endlich ein Einsehen hatte und auf 22 Grad erhöhte, ließen uns die wild diskutierenden Passagiere hinter uns nicht zur Ruhe kommen. Viele Reisende sind auf dem Weg aus den armen Regionen des Nordostens hinunter in eine vermeintlich glücklichere Zukunft im wohlhabenderen Südosten. Besonders die Metropole Sao Paulo zieht immer noch viele Menschen an. Weiterlesen