Ecuador: Rebellen und Urwald-Duschen

Vier Stunden sind wir unterwegs in einem vollgepackten Kanu, das sich den Río Bobonaza hinab schlängelt. Unser Ziel ist die 1500-Seelen-Gemeinde Sarayaku, die in einer der wenigen noch unberührten Regionen des Amazonasbeckens liegt, ganz im Osten Ecuadors.

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Eine Solaranlage mitten im Regenwald sorgt für Strom und mit ihrer eigenen Webseite suchen die Dorfbewohner internationale Öffentlichkeit. Fotos: Achim Pohl

Sarayaku wird auch das „Rebelldorf“ genannt, weil sich die Menschen dort seit Jahrzehnten erfolgreich gegen die Begehrlichkeiten ausländischer Erdölfirmen wehren. Das Land gehört ihnen, doch darunter lagern riesige Erdölvorkommen, die der ecuadorianische Staat für sich beansprucht. Die Konflikte begannen, als dieser 1996 einem argentinischen Unternehmen die Förderlizenzen erteilte, ohne vorher die Gemeinde konsultiert zu haben. Militärs und Ölarbeiter drangen in das Land ein, Konflikte brachen im Dorf aus. Wir wollen nach Sarayaku, weil Adveniat in diesem Jahr seine Weihnachtsaktion unter das Motto „Bedrohte Schöpfung – bedrohte Völker“ stellt. Wir möchten mit den Menschen sprechen und wissen, wie sich Öldurst und Gewinnstreben auf den Amazonas und seine Bewohner auswirken. Weiterlesen

Von Würmern und Wundermitteln

Seit einer Woche wird unser Mitreisender Thomas Jung, Bildungsreferent von Adveniat, von einer lästigen Erkältung geplagt. Dabei mangelt es ihm nicht an zahlreichen gut gemeinten Tipps und Hausmittelchen.

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Der Naturista-Laden direkt beim Bischofshaus in Puyo um die Ecke hat gegen fast jedes Übel des Lebens das passende Mittelchen. Fotos: Achim Pohl

Das erste bekam er von den Indígenas in der Gemeinde Edén verabreicht: Eine große Tasse Schnaps mit Zitronensaft und Knoblauch. Altes indianisches Rezept, hatte man uns versichert. Thomas‘ Infekt zeigte sich davon allerdings gänzlich unbeeindruckt, aber immerhin ließen ihn die Mücken in Ruhe. Weiterlesen

Ecuador: Concierge in Gummistiefeln

Die Menschen in der Gemeinde von Edén haben einen Traum: Sie wollen sich unabhängig vom Erdöl machen. Das ist gar nicht so einfach, denn viele Alternativen gibt es hier nicht.

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Friederike Peters klärt die Menschen in der Gemeinde Edén über ihre Rechte auf. Fotos: Pohl/Adveniat

Unter ihrem Land liegen die größten nationalen Erdölvorkommen und bereits vor 20 Jahren wurden die ersten Verträge über deren Förderung geschlossen. Seitdem kämpfen die Bewohner um Entschädigungszahlungen, denn das Land, auf dem sie leben, gehört ihnen. Die Ressourcen im Boden hingegen gehören dem Staat.

Oft seien die verabredeten Hektarpreise lächerlich niedrig gewesen, erzählt uns Friederike Peters, mit der wir unterwegs sind. Sie wird im Dezember Aktionsgast von Adveniat sein. Die Erdölförderung und deren Folgen sind die zentralen Themen ihrer täglichen Arbeit. In vielen Fällen hätten die Firmen den Indígenas juristisch ausgefeilte Verträge vorgelegt, erzählt sie, deren Tragweite und Fallstricke damals keiner so recht abzusehen vermochte. Weiterlesen

Ecuador: Dschungelprüfung mit „Spuckebier“

Der Weg ins Paradies führt auf einem schaukelnden Boot den Río Napo flussabwärts. Sechs Stunden verbringen wir mit rund 50 anderen Passagieren, eingeklemmt zwischen Eierpaletten, Klopapierpaketen, Wasserkanistern und allerlei anderem Hausrat. So reist man hier im Nordosten von Ecuador, denn die wenigsten Orte sind an Straßen angebunden, der Río Napo ist sozusagen die A1 des Ecuadorianischen Tieflandes. Nur weniger Staus. Dafür umso mehr Sandbänke, auf die wir immer wieder auflaufen.

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Wir sind auf dem Weg in die Gemeinde Eden, dort leben die Naporuna, also die „Menschen vom Napo“, wie sich die Indígenas dort in ihrer eigenen Sprache, dem Kichwa nennen. Aber paradiesisch sind die Zustände dort schon lange nicht mehr, spätestens seit große nationale und internationale Firmen mit der Erdölförderung begannen. Ein Fünftel der nationalen Erdölproduktion wird dort heute aus der Erde geholt. Weiterlesen

Ecuador: Auf den Spuren eines Märtyrers

Wenig erinnert bei Kilometer 50 an der Via Auca, die tief in den Urwald Ecuadors führt, an das, was sich hier vor fast 30 Jahren ereignete. Zusammen mit dem Kapuziner Txarli Azcona klettern wir einen Hügel hoch durch kniehohe Gräser und Matschpfützen. Die Mücken freuen sich über die seltene Anhäufung weißer, europäischer Beine. Oben erreichen wir einen verlassenen kleinen Platz, dessen Asphaltränder schon ausgefranst sind. Um uns herum die grünen Weiten des Amazonas.

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Kapuziner Txarli Azcona auf dem Hubschrauberlandeplatz, von dem einst Bischof Alejandro Labaca und Schwester Inés Arango in den Urwald flogen und wenige Stunden später tot waren. Foto: Pohl/Adveniat

Von hier flogen am 21. Juli 1987 Bischof Alejandro Labaca und Schwester Inés Arango mit einem Hubschrauber in den Urwald. Wenige Stunden später sind sie tot. Getötet durch zahlreiche Lanzenstiche. Thomas Jung, der mit uns reist, erinnert sich selbst noch gut an diesen Tag. Damals war der Bildungsreferent von Adveniat kurz davor, seine Arbeit als Laienmissionar in Kolumbien aufzunehmen. Die Nachricht vom Tod der beiden habe viel Häme und Unverständnis produziert, erzählt er. Das Risiko sei absehbar gewesen, sagten damals viele; wer unkontaktierte Völker gegen ihren Willen aufsucht, müsse mit so etwas rechnen. Weiterlesen

Guatemala: Ein unbequemer Gast in der Mine San Rafael

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Bischof Monseñor Bernabé Sagastume zu Besuch in der Mine San Rafael in seinem Bistum Santa Rosa de Lima. Fotos: Achim Pohl

Premiere für den Bischof: Seit Jahren ist Monseñor Bernabé Sagastume einer der schärfsten Kritiker der Mine San Rafael in seinem Bistum Santa Rosa de Lima, drin war er aber noch nicht. An Einladungen hatte es nie gemangelt, bislang hatte er einen solchen Besuch jedoch vermieden. Uns Journalisten zuliebe, die wir seit Tagen in der Region zu dem Thema recherchieren, ist er nun doch mitgekommen.

Entsprechend hektische Betriebsamkeit herrscht in der Mine bei unserer Ankunft. Der Chef, der Generaldirektor, die Abteilungsleiter, sie alle wollen sich mit ihm fotografieren lassen. Und ihn von den Vorzügen ihres Projektes überzeugen. Und das passiert erst einmal mittels einer hundertseitigen Power-Point-Präsentation, die Freude eines jeden Journalisten. Zwei Stunden lang werden wir mit Fakten zugeballert, jedes Sozialprojekt, jeder Gemüsegarten und jede Kloschüssel, die das Unternehmen aufgebaut hat, ist dokumentiert. Ich sinke immer tiefer in den schweren Ledersessel. Der neben mir sitzende Lobbyvertreter überbrückt die Zeit damit, das uns angebotene Essen zu vertilgen. Staunend beobachte ich, wie der Berg an leeren Chipstüten, Käsebrotverpackungen und Kaffeebechern vor ihm immer größer wird. Weiterlesen