Peru: „Wir können euch helfen, eure Rechte einzuklagen“

Bischof Gilberto Alfredo Vizcarra, der Ende dieses Jahres als Aktionsgast zu Adveniat nach Deutschland kommt, will uns heute „sein Dorf“ zeigen. Im Mai letzten Jahres lebte er hier für vier Wochen unter den Awajún-Indigenen. „Ich wollte wissen, wie sich ihr Alltag anfühlt“, erzählt er uns. „Denn wie kann ich ihr Bischof sein, ohne selber am eigenen Leib erfahren zu haben, was ihre Probleme sind.“

Bischof Gilberto Alfredo Vizcarra Mori wird herzlich begrüßt von einem Jäger in dem Awajún-Dorf Baja Bachacusa. Fotos: Jürgen Escher

Der in Lima geborene Bischof ist in seinem Leben weit in der Welt herumgekommen. Vier Jahre lang lebte er im brasilianischen Belo Horizonte, bevor es ihn in die Wüstenregionen des Tschad verschlug. Hier lebte und arbeitete er 17 Jahre lang, bevor er nach Jaén berufen wurde. Eine gute Schule sei das gewesen, sagt er. Viele Erfahrungen aus Afrika könne er hier nun anwenden, meint er. Die wichtigste: den Menschen zuzuhören. Weiterlesen

Peru: Das Öldrama am Amazonas

Durch unendlich viele Kurven schlängelt sich die Straße von Jaén hinab nach Santa Maria de Nieva. Wir sind mit dem Bischof von Jaén, Gilberto Alfredo Vizcarra Mori unterwegs aus den Anden hinab in den peruanischen Amazonaswald. Vor einer engen Kurve halten wir an. Die Einheimischen nennen sie „Teufelskurve“, weil hier viele Autofahrer zu Tode kamen.

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Mitarbeitern des Erdölkonzerns Petroperu säubern einen Flußlauf in der Region Chiriaco. Fotos: Jürgen Escher

Am Wegesrand stehen dutzende kleiner Holzkreuze, allerdings sind sie nicht den Verkehrstoten gewidmet. Es sind Erinnerungen an das Massaker von Bagua. Im Juni 2009 hatten Indigene die Straße hier gesperrt. Sie forderten ein Ende der Ausbeutung ihrer Region, einen Abzug von Ölfirmen und Goldsuchern. Als die Polizei am 5. Juni mit der Erstürmung der Straßensperren begann, entwickelte sich eine blutige Schlacht zwischen den Indigenen und den Sicherheitskräften. Mindestens 32 Menschen starben, 23 Indigene und neun Polizisten. Zwar waren die protestierenden Indigenen zuerst unbewaffnet, doch es gelang ihnen, einigen Polizisten die Waffen zu entwenden. Heute hat der Ort den Namen „Kurve der Hoffnung“, erklärt uns der Bischof. „Hoffnung, dass so etwas nicht noch einmal passiert.“ Weiterlesen

Brasilien: Über Sao Paulo tobt ein Gewitter

Lediglich 1.500 Kilometer Luftlinie trennen unseren aktuellen Aufenthaltsort Porto Velho, im Westen Brasiliens, von der nordperuanischen Stadt Jaén. Mit dem Flugzeug wäre die Strecke in zwei Stunden zu schaffen – wenn es denn eine direkte Flugverbindung gäbe. Doch die gibt es nicht.

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Flug über den Titicacasee. Foto: Peter Theisen

So liegen zwei Tage Reise vor uns, als wir den Flughafen von Porto Velho ansteuern. Unser Flug führt uns zuerst nach Brasília, Brasiliens Hauptstadt, deren Flughafen der einzige ist, der mit allen Landeshauptstädten des riesigen Landes direkt verbunden ist. Nach drei Stunden Flugzeit erwartet uns hier erst einmal ein einstündiger Aufenthalt, bevor es nach São Paulo weitergeht. Weiterlesen

Brasilien: Frieden für die Tenharins

„Haja paz“, seid friedlich zueinander, hört man Dom Roque oft sagen. Seit zwei Tagen sind wir mit dem Erzbischof von Porto Velho nun schon unterwegs. Aus seiner Diözese in Westbrasilien hatten wir uns aufgemacht Richtung Amazonien. Unser Ziel: die Tenharin zu besuchen, ein indigenes Volk im Süden des Bundesstaates Amazonas.

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Dom Roque Paloschi, (Mitte, Erzbischof von Porto Velho und seit 2015 Präsident des Indianermissionsrat CIMI) zu Besuch bei den Tenharin-Indigenen im Dorf Marmelos im Amazonas. Fotos: Jürgen Escher

Zwar gehört die Region nicht zu Dom Roques Diözese. Doch als neuer Präsident des Indigenenmissionsrates der katholischen Kirche, CIMI, stattet er dem Volk einen Antrittsbesuch ab. „Es ist immer gut, sich die Dinge persönlich anzusehen“, sagt Dom Roque. Weiterlesen

Brasilien: Yanomami verlieren ihre Wurzeln

„Hier in diesem Waldstück müssen sie irgendwo sein.“ Langsam fährt Ozélio Izidório Messias mit seinem Pick-up über die Standspur der Bundesstraße 174. Gestern hatte ein lokaler Fernsehsender von Tumulten an der Straße berichtet.

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Indiosekretär Ozélio Izidório Messias im Gespräch mit Yanomami-Indigenen, die am Stadtrand von Boa Vista campieren. Fotos: Jürgen Escher

Eine Gruppe von Yanomami-Indigenen habe sie teilweise gesperrt, es sei zu Handgreiflichkeiten mit Lastwagenfahrern gekommen. In ein paar Stunden will die Polizei sie nun in ihre Gebiete zurückbringen. Doch scheinbar hat die Gruppe davon Wind bekommen und sich in den Wäldern versteckt. Weiterlesen

Brasilien: Inkulturation in rosa

Wahrscheinlich kommt sie ursprünglich aus China. Damit hatte sie wohl bereits die halbe Welt umsegelt, bevor unser Videomann Peter Theisen sie auserkor, um mit ihr die frohen Tage zu verbringen. “Es muss kurz vor der Mainzer Fastnacht im letzten Jahr gewesen sein, da erblickte ich sie in einem Geschäft“, erinnert er sich nun. Tage und Nächte hindurch habe er damals getanzt und Spaß gehabt, stets in Begleitung jener rosaroten Perücke.

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Er hatte von Anfang an ein Auge auf sie geworfen: Die Perücke auf dem Haupt des ältesten Schamanen der Yanomami. Foto: Thomas Milz

Dann die Reise nach Rio de Janeiro, da habe er sie einfach mal in den Koffer geschmissen, sagt Peter. Groß was dabei gedacht habe er sich nicht, außer dass er halt mit ihr den Carnaval in Rio feiern wollte. Als er sich dann kurzentschlossen aufmachte, um das Spektakel in Rios Sambodrom zu sehen, nahm er die Perücke natürlich mit. Er habe damit großen Eindruck unter den Brasilianern gemacht, berichtet er, und zum Beweis zeigt er uns Fotos, die er mit seinem Handy geknipst hat. Weiterlesen