Basisgemeinden und Ökologie: „Aus dem Innern der Erde kommt der Schrei Amazoniens“

 

Das Thema des 12. Treffens der brasilianischen Basisgemeinden trifft mit dem Focus Ökologie eine Herausforderung planetarischer Dimension. Im Sinne Dom Helder Camaras, dem wir hier in Porto Velho in einer Ausstellung begegnen, versuchen die CEBs, die Zeichen der Zeit zu erkennen, um aus der anschließenden gemeinsamen Reflexion aus dem Glauben heraus zu Handlungsleitlinien für die Verbesserung der lebensbedrohenden Lebenssituationen zu gelangen.

Zwei Jahre lang haben die Basisgemeinden in allen Regionen des Landes zum Thema Ökologie gearbeitet, haben auf Bistums- und anschließend auf Regionalebene ihre Verterterinnen und Vertreter für das Nationaltreffen hier in Porto Velho bestimmt. Pe. Beozzo, der als Theologe seit vielen Jahren die CEBs begleitet, ist überzeugt, dass die Bewahrung der Schöpfung eine breite Resonanz in der katholischen Kirche Brasiliens bekommen hat, die natürlich auch in die Gesellschaft Brasiliens ausstrahlt.

Keineswegs haben die CEBs mit der Hinwendung zur Ökologie ihre Option für die Armen aufgegeben. In den Statements der Kleingruppenarbeit wird deutlich, dass die Verarmten am meisten an der fortschreitenden Zerstörung der Umwelt zu leiden haben. Besonders deutlich zu hören ist der Schrei Amazoniens aus dem Mund der indigenen Bevölkerung. Für die meisten von ihnen stellt der ausbeuterische Verkauf von Luft, Wasser und Erde zur Gewinnmaximierung eine zum Himmel schreiende Versündigung an der Natur dar.

Leonardo Boff erinnert in einer kurzen Reflexion am Morgen daran, dass die Menschheit für die Beibehaltung ihres Verbrauchs an natürlichen Ressourcen eingentlich 1,4 Welten benötigt. „Die Erde braucht uns Menschen nicht, aber wir brauchen sie“. Boff wagt eine Neudeutung der Abkürzung CEBs und nennt sie Comuninades Ecológicas de Base – Ökologische Basisgemeinden, die er als den prädestinierten Raum für die Verwandlung des Glaubenstraums in einen politischen Traum betrachtet. Er schließt mit dem ermutigenden Satz: „Viele kleine Leute, die viele kleine Dinge in weit von einander entfernten Gemeinden tun, können nicht nur außerordentliche Veränderungen schaffen, sie können auch Wunder bewirken.“

Mit Worten kaum zu beschreiben ist der Eindruck von der Erinnerung an die zahllosen Märtyrer/innen während eines kurzen Pilgerwegs am Nachmittag in Richtung der Großbaustelle des Staudamms am Rio Madeira. Sie haben ihr Leben gelassen im Einsatz für die verarmten und entrechteten Menschen der Amazonasregion. Die Menschen haben von Ihnen Fotos, Banner und auch ein blutgetränktes Hemd mitgebracht. Dom Luiz, Erzbischof von Manaus, ergänzt laut über Lautsprecher: „Es reicht, wir wollen keine Märtyrer mehr, wir wollen leben!“

Autor: Norbert Bolte

24. Juli 2009