Blaue Kartoffeln

„Cochabamba, Cochabamba“ – wie eine süße Melodie singt die Stewardess den Name unseres nächsten Zieles durch die Lautsprecher am Flughafen von Santa Cruz und lockt uns zum Einsteigen in unser Flugzeug. „Cochabamba, Cochabamba“. Und tatsächlich, was uns nach der Großstadt erwartet, ist überwältigend. Meine Augen können sich nicht satt sehen an den endlos weiten Bergen. Noch sind wir nicht im Hochland, aber die steinigen Serpentinen, die unsere Begleiter mit ihren Allrad-Jeeps hinauf kurven, bringen uns hoch bis auf knapp 3000 Meter. Für mich Nordlicht, das sich in Hamburg normalerweise auf sieben Meter über Null bewegt, ist das aufregend, faszinierend – und auch ganz schön anstrengend.

Ein Stück vom Paradies

Campesino Andres

Campesino Andres

In dieser kargen und rauen Landschaft unter praller Sonne ist das Pastorale Zentrum Amarasi bei Pater Alejo, dem Deutschen Priester Axel Gerling, wie eine Oase. Unter schattige Bäumen ruhen wir uns aus, Vogelgezwitscher um uns herum und im Hintergrund immer die Berge. Ein Idyll – doch nur wenige Autominuten weiter zeigt sich ganz ungeschönt die Härte des alltäglichen Landlebens in Cochabamba. Wir lernen den Bauern Andres und seine Frau kennen. Sie haben dem Gebirge einige Terassenfelder abgetrotzt, eine Bewässerungsanlage gebaut und nun bestellen sie ihr Feld. Und zwar nach den Methoden des biologischen Anbaus, die sie bei den Agraringenieuren der Pfarrei gelernt haben. Andres und seine Familie pflanzen blaue Kartoffeln, Zwiebeln, Mangold und neuerdings auch Apfelbäume. Und sie behandeln ihr Land wie ein Stück vom Paradies. Sie haben mich heute am meisten beeindruckt.

Text: Kirsten Westhuis
Fotos: Carolin Kronenburg