#Blogparade: Christiellen möchte etwas zurück geben

Christiellen Arruda möchte ihren Eltern etwas zurückgeben, von dem was sie ihr geschenkt haben - Adveniat.de

Christiellen Arruda möchte ihren Eltern etwas zurückgeben, von dem was sie ihr geschenkt haben. Foto: Christina Weise

Wer Cristiellen Arruda trifft, lernt ein quirliges 21-jähriges Mädchen kennen, das gerne lacht und viel erzählt. Cristiellen kommt aus Brasilien. Sie lebt zusammen mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester in der Peripherie von Rio de Janeiro, in einer Region, die Baixada Fluminense heißt. Diese Region ist von Armut und Kriminalität geprägt. Vor allem seit in Rio de Janeiro die Vorbereitungen für die WM in Brasilien begannen, wurde Cristiellens Heimatstadt Queimados immer gefährlicher.

Drogen und Kriminalität

„Die Drogenbosse und andere Kriminelle sind aus Rio hierhin geflohen. Seit dem gibt es immer mehr Überfälle. Mehr als vorher. Viel mehr“, erzählt Cristiellen auf dem Weg zum Bahnhof. Sie geht schnellen Schrittes an kaputten oder halb fertiggebauten Häusern vorbei und schaut sich an jeder Straßenecke um. Dieses Verhalten passt nicht zu der sonst so offenen Studentin. Aber sicher fühlt Cristiellen sich schon lange nicht mehr in ihrer Heimatstadt. „Früher konnte ich hier einigermaßen unbesorgt durch die Straßen gehen ohne dass etwas passiert. Heute gehe ich immer mit Angst aus dem Haus.“

Etwas zurückgeben

Cristiellen studiert Journalistik und macht gerade ein Praktikum beim Bürgerradio Novos Rumos in Queimados. Dort nimmt sie an Sendungen teil, produziert Beiträge und führt Interviews. Später möchte sie aber am liebsten als Pressesprecherin arbeiten, vielleicht bei der Stadt oder einem großen Unternehmen. Dort hofft sie viel Geld zu verdienen und sich ein besseres Leben zu ermöglichen. Vielleicht auch wegzuziehen aus Queimados. Dort gehören die meisten Menschen der Mittel- oder Unterschicht an. Viele arbeiten als Bedienstete in Rio oder in dem nahegelegenen Industriegebiet an Maschinen.

Cristielles Vater ist Busfahrer, ihre Mutter verkauft Kosmetik. „Meine Eltern arbeiten unglaublich viel um mir das Studium zu ermöglichen. Ich habe sogar ein Stipedium bekommen, aber das deckt nur 50 Prozent der Kosten ab“, erzählt Cristiellen und senkt den Blick. Eine Minute vergeht. Dann atmet sie tief ein und schaut mich direkt an: „Später möchte ich meinen Eltern etwas zurückgeben können. Sie tun so viel für mich. Ich hoffe, das schaffe ich.“

Die nahe Zukunft nutzen

Ich finde, Cristiellens Wunsch ist ein schöner Plan für die Zukunft: Den Menschen etwas zu geben, über deren Liebe und Unterstützung wir uns schon lange freuen und die wir manchmal vielleicht viel zu selbstverständlich hinnehmen. Mir hat ihre Aussage zu denken gegeben. „Zukunft“ ist in dieser Hinsicht ja ein flexibler Begriff. Wieso soll ich nicht morgen schon meiner Freundin sagen, wie sehr ich mich über ihre Freunschaft freue? Meiner Mutter, die immer für mich da ist, eine Blume mitbringen oder eine Karte schreiben? Mir endlich mal wieder Zeit für meine Geschwister nehmen?


Autorin: Christina Weise ist Volontärin in der Online-Redaktion Blickpunkt Lateinamerika von Adveniat. Während eines Ausbildungs-Praktikums in Rio de Janeiro recherchierte sie über Bürgerradios in Brasilien und lernte Cristiellen Arruda kennen.