Bolivien: Padre Jesús und die Sorgen in Santa Cruz

Im Vorfeld der Adveniat Jahresaktion 2012 sind Journalisten mit Adveniat Pressesprecherin Carolin Kronenburg und Adveniat-Länderreferent Reiner Wilhelm in Bolivien unterwegs. Von ihrer Reise werden sie in den nächsten Tagen an dieser Stelle berichten.

Besuch bei dem Pfarrer, der nachts Bücher schreibt, um die Arbeit seiner Pfarrei San Agustin in den armen Vierteln der Zwei-Millionen-Stadt Santa Cruz, Bolivien, mitzufinanzieren. Während in Deutschland der erste Schnee gefallen ist, erleben wir acht Journalisten auf der Adveniat-Pressereise bei 35 Grad im Schatten im Haus des Spaniers Jesus Bravo Gastfreundschaft. Aber auch Wirklichkeit, Menschen-Allag und Pastoral in den Slumvierteln der 45.000 Katholiken-Pfarrei von Jesus Bravo.

Etwa die junge Mutter, die mit ihrem vierjährigen Kind da an der staubigen Straße durch den zurzeit trockenen Bachlauf zum Wellblech-Haus eilt. Dort wo unser Auto gehalten hat, weil die Brücke auf dem Weg zur Kirche kaputt ist, erfahren wir, dass die Dreißigerin sich prostituiert, um die Familie durchzubringen. Vielfach haben Männer in Bolivien ihre Familien erlassen, Frauen stehen allein für ihre Kinder gerade.

In der Kirche, dreihundert Meter weiter, spricht der Pfarrer zu uns Klartext. “Drogen, Kriminalität und Gewalt in Familien sind vielfach Alltag”. Warun? Dort, wohin uns Adveniat heute eingeladen und geführt hat, sind junge Leute wurzellos. Viele kamen in das städtische Areal von Santa Cruz, nachdem sie die bäuerliche Heimat ihrer Eltern in den Anden verlassen haben. Und sie sind ohne Kontakt, orintierungslos und nach ihrem Start dennoch zum Überleben im Armenviertel gezwungen.

Jesu Bravo und seine Gemeinde sind für sie da. Mit konkretem Rat oder Hilfe in Konflikten. Auch beim wöchentlichen Gottesdienst mit den Menschen, die auf der Müllhalde Wetstoffe zum Überleben sammeln. Den, erfahren wir, hält die Laienmissionarin Maria Jose.

In der Kirche lernen Kinder, die in der Grundschule gescheitert sind, auch Basteln. Pfarrer Jesus Bravo zeigt einen kleinen Tischleuchter, erklärt auch Farblernspiele

Nur zu gut verstehen wir Maria Jose und Pfarrer Jesus Bravo. Sie bekräftigen im Gespräch, dass Kirche nah bei den Menschen anders arbeitet als die Kirchenleute, die wichtige Verhandlungen mit dem seit Jahren regierenden Präsidenten Evo Morales führen. Direkt für die Armen und die Bildung, sagt Pfarrer Jesus Bravo, komme trotz aller Bekundungen des ersten indigenen Präsidenten Boliviens und nach allen Gesprächen der Kirche mit Verantwortlichen nichts voran. Als Chef der Kokabauern-Gewerkschaft etwa lässt der Präsident von der MAS-Bewegung es stattdessen zu, dass zugunsten der Pflanzen auch wertvolle Naturareale gerodet werden. Dazu vielleicht später hier mehr.

Text und Foto: Ulrich Wilmes