Brasilien: Meister der Lockerheit

Rio de Janeiro – willkommen in der schönsten Stadt der Welt! Und dem Ort der herzlichsten und lockersten Menschen die man sich vorstellen kann.

Wir schlendern durch die historische Umgebung des Largo-do-Machado-Platzes im Zentrum von Rio, als wir zufällig auf einige Jugendliche mit T-Shirts des Weltjugendtages 2013 treffen. Wenige Minuten später sitzen wir neben ihnen in der Kirche Matriz de Nossa Senhora da Glória.

Unsere neuen Freunde gehören zur Leitergruppe der Jugendarbeit in der Gemeinde. Was wir in Rio machen würden, wollen sie neugierig wissen. Wir berichten von unserem Auftrag, uns in Rio nach ersten Hinweisen auf den im Juli 2013 stattfindenden Weltjugendtag umzusehen. „Wir sind schon voll in der Vorbereitung,“ hören wir sofort.

Per Handy ruft man weitere Mitglieder der Jugendgruppe der Gemeinde zusammen, und wenig später ist der Hinterhof der Kirche voll mit lärmenden Jugendlichen in bunten WJT-T-Shirts. Als erstes wollen sie singen. Noch bevor wir den Aufnahmeknopf unserer Kamera drücken können, schallt das erste Lied durch den Hof.

Vergeblich versucht ein wild winkender Padre am Fenster der Kirche für Ruhe zu sorgen. Drinnen liefe die Messe, meint er, und man höre vor lauter Gesinge nichts von der Predigt, doch seine Beschwerde geht im lauten Klatschen der Kids unter. Gerade entwickeln sie eine interessante Variante der La-Ola-Welle, als ob sie den ganzen Tag über nichts anderes machen würden.

Danach stürmt einer nach dem anderen vor unsere Kamera, um eine improvisierte Botschaft an die Jugendlichen in Deutschland zu formulieren. Und das auf Anhieb so perfekt, dass wir vermuten, die Kids arbeiten alle bei MTV. Danach bieten sich die ersten an, uns durch die Stadt zu führen. Wir sind sprachlos – gerade einmal ein paar Stunden in Brasilien, und schon sind wir mitten im (Gemeinde)Leben….

Man zeigt uns den Gemeindesaal, in dem nun eine Schulung für die Jugendlichen läuft. Woher der Weihnachtsbaum komme, der Adventskranz und wer eigentlich der Nikolaus war – alles Fragen, die in der Vorweihnachtszeit beantwortet werden wollen. In lockerer Runde diskutiert man, bringt Vermutungen hervor, spekuliert. „In diesem Saal werden wir zum Weltjugendtag 50 Gäste aufnehmen,“ erzählt uns der Jugendpadre Carlos Alberto Azevedo. „Es wird eng, aber das klappt schon alles.“

Herzlich Willkommen in Rio.

Von 2 bis 6 Millionen Teilnehmern kann man alle möglichen Zahlen über den WJT 2013 in Rio vernehmen. Einig ist man sich jedoch darin, dass noch Unterkünfte gefunden werden müssen. Marcia Laura leitet eine Gruppe von Jugendlichen, die in der Nachbarschaft an die Türen klopfen und nachfragen, ob noch das eine oder andere Sofa frei wäre. Es wird eng werden im Juli, da sind sich alle einig, und das Verkehrschaos wird gigantisch sein. Doch die „cariocas“, die Bewohner Rios, werden die Schwierigkeiten mit einem Lächeln lösen.

Daran gibt es spätestens nach dem heutigen Tag keine Zweifel mehr.

Text: Thomas Milz
Fotos: Jürgen Escher