Brasilien: Mutmacher-Musik

Kling, klong, klong. Was João da mit den Saiten der Gitarre anstellt, klingt ehrlich gesagt ein bisschen schrömmelig. Zehn Jahre ist er alt, seit zwei Wochen hat er Gitarrenunterricht. Bis er „The girl from Ipanema“ fehlerfrei hinkriegt, wird es ganz sicher noch eine Weile dauern. Macht nichts, das Tolle ist ja, dass er überhaupt ein Instrument lernen darf. Hier, am äußersten Rand der Millionenmetropole Belém im Amazonasgebiet Brasiliens. Hier, wo die Menschen in einfachen Hütten leben und jeden Tag aufs Neue ihren Alltag meistern müssen, ist das nicht gerade eine Selbstverständlichkeit. Aber Schwester Aurilena und Schwester Edilamar haben sich genau hier niedergelassen, um die Armut der Leute zu teilen. „Comunidade inserida“ nennen sie das – eine „Gemeinschaft mittendrin“.

João mit seinem Gitarrenlehrer beim Unterricht.

Sie sind einfach da – und bieten den Kindern und Jugendlichen Alternativen zum Abhängen. Diskutieren statt Drogen, Gebete statt Gewalt. Und Musik zum Mutmachen. „Die Gitarre klingt so gut“, flüstert João schüchtern ins Mikrofon der fremden Journalistinnen. „Ich möchte genauso darauf spielen wie mein Lehrer Paulo.“ Aber eigentlich, sagt er dann noch, möchte er später am liebsten Sänger in einer berühmten Band sein. Vorerst überlässt er das Singen aber erst einmal Paulo: Als der ein Samba-Stück anstimmt, bewegt João zwar die Lippen, zu hören ist fast nichts. Noch nicht. Damit es nicht dabei bleibt, sind die Schwestern da. Ihre Mission: Kindern wie João eine Stimme geben. Oder besser gesagt, ihnen helfen, die eigen Stimme zu finden.

Text: Hilde Regeniter
Fotos: Bastian Henning