Brasilien: Schweinelecker – Die Feijoada

Das beste Stück erwischt: Der Schweinefuß in der Feijoada.

Das beste Stück erwischt: Der Schweinefuß in der Feijoada.

Der Geruch von Fleisch und Knoblauch liegt in der Luft. In der Einfahrt der Familie Ferreira reihen sich an diesem Sonntagvormittag die Plastikstühle und -tische eng aneinander. Heute ist Narsons Geburtstag und dazu hat der Zwanzigjährige alle Freunde und Verwandte eingeladen. Eine große Sahnetorte, kleine Pralinen, Salate und Rindersteaks lassen das typisch brasilianische Buffet beinahe überquellen, doch die Gäste interessieren sich nur für eines: die Feijoada. Zur Feier des Tages hat Almerinda, Narsons Mutter, das brasilianische Nationalgericht zubereitet und wird mit jubelndem Applaus empfangen, als sie den großen Feijoada-Topf auf die Terrasse trägt.
Wohlbemerkt – der erste Anblick des Eintopfs ist nichts für schwache Nerven. Schwarze Bohnen, der Feijão, bilden die Grundlage, hinzu kommt Schweinefleisch in allen Variationen. Für den deutschen Gaumen durchaus bekannt sind Rippchen und Bauchspeck, exotischer wird es bei den Extremitäten. Schweineohren isst man in Deutschland eher aus Blätterteig mit Schokoladenguss. Auch beim Blick auf die Schweinefüsschen und Schweineschwänzchen, hofft man insgeheim die Portion mit den Rippchen abzubekommen. Doch das Nationalgericht gilt heute als Delikatesse.

Das war nicht immer so. Die Geschichte der Feijoada geht wie vieles in Brasilien auf die Zeit der Kolonialisierung und Sklaverei zurück. Die portugiesischen Großgrundbesitzer der Zucker- und Kaffeeplantagen gaben ihren Sklaven die unliebsamen Reste ihres Fleisches zu essen. Die Schweinefüße, -ohren und -schwänze mischten diese mit Maniokmehl, Reis und Bohnen. Heute ist die Feijoada beliebt bei Arm und Reich und findet sich sogar auf der Speisekarte der teuren Restaurants an der Copacabana in Rio de Janeiro wieder – stolze 30 Euro verlangen die Cariocas dafür von den Touristen.

Die Zubereitung einer Feijoada kann bis zu 24 Stunden dauern. Die Bohnen und das gesalzene Fleisch werden 24 Stunden in Wasser eingelegt, das im Idealfall alle sechs Stunden erneuert wird. Anschließend kocht man Fleisch und Bohnen mit Zwiebeln, Knoblauch und Lorbeerblättern zu einem Eintopf. Die fertige Feijoada wird typischerweise mit körnigem Reis, Maniokmehl, Kohl und Orangenscheiben serviert.

Text: Miriam Witsch

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Miriam Witsch hat ein Jahr lang in Brasilien gelebt. Die Studentin der Medien- und Kommunikationswissenschaften macht aktuell ein Praktikum bei Adveniat.