Brasilien: „The lost World“

Die Hochebenen Roraimas, an der Grenze zu Venezuela, sind der Schauplatz vieler Geschichten und Mythen. Sir Arthur Conan Doyle siedelte hier seine 1912 erschienene Abenteuergeschichte „The lost World“ an, die Steven Spielberg als Vorlage für seine „Jurassic Park“ Filme diente. Conan Doyle ließ einen Trupp Forscher auf dem Hochplateau auf Dinosaurier stoßen. Sie erblicken dort eine Welt, die eigentlich längst untergegangen schien.

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Dicht umringt wird Armindo Goes Melo (Mitte) von neugierigen Yanomami, als er Fotos auf seinem Handy zeigt. Fotos: Jürgen Escher

Wir sind auch auf Spurensuche, zusammen mit unseren indigenen Gastgebern. Mit ihren Macheten säubern die Yanomamis die Linien und trichterförmigen Vertiefungen im Felsen. „Der Mensch wurde nicht perfekt geboren“, erklärt Armindo Goes, unser Führer auf dem Weg durch den Urwald. „Sein Penis hatte ursprünglich die Form dieser Machete, er war zu groß. Deshalb hat der erste Mensch ihn sich hier an diesem Gestein angestoßen, bis er rund und passend war.“

Die Linien im Stein sind für die Yanomamis heilige Zeichen, eine Brücke hinein in die Zeit als die Welt erschaffen wurde. Einst siedelten sie auf den Hochplateaus Roraimas, dort oben in der „Lost World“. Danach stiegen sie dann hinab in die Wälder, wo sie bis heute heimisch sind. Hierher hatte unsere Reise am Vortag geführt.

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Armindo Goes Melo , Repräsentant der Yanomami, vor der Cessna bei der Ankunft auf der Landepiste des Stützpunktes Demini.

Die kleine Cessna kämpfte verbissen gegen die Seitenwinde

Rund eine Stunde schüttelten uns die Winde Roraimas durch, die kleine Cessna kämpfte verbissen gegen die Regenwolken und Seitenwinde. 154 Kilometer südwestlich von Boa Vista erreichten wir schließlich die Landepiste des Stützpunkts Demini, eine Strecke, für die man sonst über Land und Fluss vier Tage braucht. Danach ging es noch einmal eine Stunde zu Fuß weiter, bevor wir das Dorf Watoriki erblickten.

Dann lag die gigantische Rundhütte der Yanomamis vor uns, Schabono genannt, in der rund 90 Personen leben. Wir versuchten, unsere Hängematten neben die der Indigenen zu hängen, die uns dabei neugierig betrachteten. Bald schon schlug die Neugier jedoch in Schadenfreude um, so ungeschickt stellten sich die deutschen Gäste bei der Befestigung der Matten an.

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Der riesige Rundbau (Schabono genannt) des Yanomami-Dorfes Watoriki.

Dann sanken wir erschöpft in unsere Hängematten

Unweit des Dorfes fließt ein kleiner Bach, in dem wir uns noch rasch wuschen. Zurück im Schabono wartete schon gekochter Fisch und der aus der Macaxeira-Wurzel hergestellte Brotfladen auf uns. Beim Licht einer Taschenlampe schlangen wir das wunderbar karge Essen hinunter, dann sanken wir erschöpft in die Hängematten.

Auf dem Platz in der Mitte des Schabono hielt einer der Yanomami noch einen stundenlangen Diskurs. Er erklärte den Dorfbewohnern, wer wir sind und warum wir hier sind, sagte uns Armindo. Seine monotone Stimme wiegte uns langsam aber sicher in den Schlaf. Es war gerade einmal 20 Uhr, als uns die Augen schließlich zufielen.