!Buenos Aires tiene muchas caras!

!Buenos Aires tiene muchas caras! – Buenos Aires hat viele Gesichter. Seit drei Tagen bin ich nun hier und lerne immer wieder eine neue Seite dieser Stadt kennen. Ein Puzzle, das sich langsam zu einem Bild zusammenfügt, das diese Metropole gleichermaßen attraktiv wie erschreckend macht: Koloniale Prunkbauten, herrlich lebendige touristische Viertel wie der berühmte Stadtteil San Telmo, aber eben auch die vielen Villas, die Hunderttausende von Einwanderern schlucken und sie wie ein schwarzes Loch aus dem Leben der schicken Großstadt heraussaugen.

Auf dem Weg dorthin sind wir heute von der City aus losgefahren, vorbei an der Plaza de Mayo, an dem prunkvollen rotgemauerten Regierungssitz, vorbei an glasverspiegelten Hochhäusern, an saftig grünen Golfplätzen, einem kleinen Stadtstrand mit gelben Sonnenschirmen. Und plötzlich hört dann irgendwann der mondäne Flair der Großstadt auf. Der Fluss entlang der Straße wird schmutziger, leere Flaschen und Plastiktüten säumen den Straßenrand, ausgebrannte Autowracks türmen sich vor den Rohbauten, an denen die Wäsche im Wind flattert. Die Straße wird immer schlechter, je weiter wir in die Villa hineinkommen. Der Asphalt ist aufgerissen, irgendwann rattern die Reifen des Autos nur noch über loses Geröll und unzählige Schlaglöcher.

Hierhin verschlägt es all diejenigen, die aus Peru, Bolivien und Mexiko mit großen Hoffnungen nach Buenos Aires gezogen sind. Mit Hoffnungen auf einen Arbeitsplatz, eine kleine Wohnung – ein besseres Leben. Doch was sie hier erwartet, ist ein weiterer Kampf ums Überleben. Und diejenigen, die das am härtesten trifft, sind die Kinder. Kinder, die häufig einzig aus dem Grund auf die Welt gebracht werden, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Denn das ist die Regel: Sobald ein Kind in Argentinien geboren ist, darf die Familie bleiben.

Die Lebensbedingungen in den Villas sind in großen Teilen katastrophal. Die Familien leben teilweise in einem Raum ohne Tisch, ohne Bett, ohne Geschirr. Sie essen aus der Hand und schlafen auf dem Boden. Während die Eltern arbeiten, streunen die Kinder durch die Straßen, werden häufig vergewaltigt, zur Prostitution gezwungen, in Drogengeschäfte verwickelt, entführt, erzählt uns Susanna. Sie ist Leiterin eines Hogar. Das ist eine Einrichtung, die Kindern von fünf bis zwölf Jahren tagsüber einen Unterschlupf und vieles mehr bietet. Hier bekommen sie vorgelebt, wie soziales Miteinander funktioniert. Sie lernen lesen und schreiben und haben eine Auszeit von dem Leben zu Hause, das oft geprägt ist von den Sorgen der Eltern, häuslicher Gewalt oder der Überforderung der alleinerziehenden Mutter – ein Lichtblick und eine Perspektive für ein besseres Leben.

Text und Fotos: Mareile Landau

Kommentar zu “!Buenos Aires tiene muchas caras!

  • 6. März 2012 at 09:34
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    Es ist gut, dass Sie diese Seite der Megapolis zeigen und beschreiben. Es ist die andere Seite der Glamourwelt!
    Danke!

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