Bye bye Bolivia

Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Unsere letzten Tage in Bolivien verbringen wir mit dem Erzbischof Koadjutor von Santa Cruz de la Sierra, Sergio Gualberti. Vor wenigen Tagen hatte Gualberti, der 2012 als Aktionsgast von Adveniat nach Deutschland reisen wird, die Nachricht erhalten, dass er Nachfolger des gesundheitlich angeschlagenen Julio Terrazas werden wird, der derzeit noch Erzbischof von Santa Cruz und gleichzeitig Kardinal in Bolivien ist.

An diesem Morgen sind wir mit Gualberti in die Gemeinde San Judas Tadeo in dem kleinen Dorf Puerto Pailas gefahren, wo 40 Jugendliche ihre Firmung erhalten. Stolz empfängt die Gemeinde den gebürtigen Italiener Gualberti, der seit über 32 Jahren in Bolivien wirkt. Vor der Kirche hat sich eine Blaskapelle positioniert, die den festlichen Rahmen liefert. In der Kirche haben sich die Angehörigen der Jugendlichen versammelt, viele haben keinen Platz mehr in den Sitzreihen bekommen, stehen in den Gängen und lauschen Gualbertis Worten an die Jugendlichen.

Die Diözese Santa Cruz ist mit 55.000 Quadratkilometern größer als Niedersachsen. Um die Gemeinden zu besuchen, reist Gualberti mit dem eigenen Wagen. Nach der Firmung in Puerto Pailas und der anschließenden Prozession zu Ehren des heiligen Judas Thaddäus, des „Patron der verzweifelten und hoffnungslosen Fälle“, macht Gualberti noch einen Abstecher nach Cotoca, einem kleinen Dorf außerhalb von Santa Cruz. Hier trifft er Vorbereitungen für die am 8. Dezember stattfindende Walfahrtsprozession zu Ehren der „Virgen de Cotoca“, der heiligen Jungfrau von Cotoca.

Mit über einer halben Million Teilnehmern gilt die Wallfahrt als die größte im Tiefland Boliviens. Im Jahre 1799 wurde hier mit dem Bau der Kapelle begonnen, in der die Jungfrau bis heute den Gläubigen zugänglich ist. Ihr werden zahlreiche Wunder zugeschrieben, die sie zur Schutzpatronin des östlichen Boliviens hat werden lassen.

Am Abend sind wir noch zu einem Besuch im Hause des Kardinals Julio Terrazas eingeladen. Hier verabschieden wir uns von Gualberti, unserem letzten Gastgeber auf dieser dreiwöchigen Reise. Sie hatte uns auf den Altiplano geführt, nach La Paz und El Alto, auf 4.000 Meter Höhe. Wir haben dort den Marsch der Indigenen begleitet, die gegen den Bau einer Fernstraße durch den TIPNIS-Nationalpark führen sollte. Später durften wir den Park persönlich kennen lernen, eines der letzten Naturparadiese Boliviens, bedroht von dem Vordringen der Coca-Bauern.

Wir haben Cochabamba besucht, die Stadt des ewigen Frühlings und der Christusstatue, die hoch über der Stadt ihre Arme ausbreitet. Und nun Santa Cruz, die Heimat der Viehbauern und der Tiefland-Indigenen. Hier trennen sich unsere Wege. Zurück bleibt ein Gefühl tiefer Dankbarkeit an die vielen Menschen, die wir auf unserer Reise kenen lernen durften. Und an ein Land, so klein und sympathisch, voll von sozialen und kulturellen Gegensätzen, die es scheinbar zu zerreißen drohen und gleichzeitig einen einzigartigen Charme versprühen. Wir wollen wieder kommen, schwören wir uns. Es gibt noch so viel zu entdecken. Bis hoffentlich bald, kleines Bolivien!

Thomas Milz