Freiwillige in Argentinien: Neuer Stamm, neues Versprechen

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Neue Freundschaft in Padua geschlossen. Paul (links) ist Freiwilliger in einem Adveniat-Projekt in Argentinien. Fotos: Paul Oswald

„Siempre listo – para servir!“ („Allzeit bereit – um zu helfen“) schreien wir Rover aus dem Pfadfinder Stamm St. Antonio de Padua jeden Samstag. Und das mindestens viermal, zweimal zur Begrüßung, zweimal zum Abschied.
Wenn sich samstags der ganze Stamm auf dem weitläufigen Klostergelände der Franziskaner versammelt, sind knapp hundert Pfadfinderinnen und Pfadfinder aller Altersstufen vertreten. Gemeinsam wird begonnen, gegessen und sich verabschiedet, die wenige verbleibende Zeit sind die Stufen unter sich. Weiterlesen

Weltwärts Argentinien: Von Plastikweihnachtsbäumen und „Pan dulce“

Paul beim Krippenspiel in Argentinien.

Weihnachten – das ist Schnee, leckere Plätzchen mit Glühwein, Lebkuchen, das alljährliche Zusammentreffen der ganzen Familie mit allen gewohnten Begleiterscheinungen… und gerne darf es auch ein deftiger Wildbraten mit einem würzigen Weihnachtsbockbier sein!

Argentinien_Neujahr_1Es ergibt Sinn, in einer der dunkelsten Nächte des Jahres gemütlich am Ofen zu sitzen, etwas besinnlicher als sonst zu sein und sich des einzig Grünen zu dieser Jahreszeit – des Christbaums – zu erfreuen. Auch im christlichen Sinne ist es, wenn immer mehr Kerzen des Adventskranzes Licht und Hoffnung zu dieser Jahreszeit spenden, die nahende Geburt Jesu ankündigen und endlich in der „Noche Buena“ – der Heiligen Nacht – die Freude darüber in die Häuser oder wie man hier sagt „in die Herzen der Menschen“ Einzug erhält. Weiterlesen

Argentinien: 40 gegrillte Hühnchen für die Vegetarierin

ronja-150x150Nun bricht schon der dritte Monat für mich hier in Argentinien an und es fasziniert mich, wie schnell es gelingt, sich in ein komplett neues Umfeld einzuleben. Ich lebe in Merlo, einer Stadt in der Provinz Buenos Aires, und unterstütze die hiesige Gemeinde im Kinderhort und entdecke immer wieder neue Felder, in denen ich tätig werden kann.

Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass ich dazugehöre und dass man sich für mich interessiert. Das Spanisch lernen und sprechen ist zwar noch ziemlich anstrengend, aber ich habe im Kindergarten super Mitmenschen, die mit mir meine Woche so einteilen, dass ich gut mitarbeiten kann. So helfe ich an den Tagen mit Sprachkurs in der Küche, wo es deutlich ruhiger und entspannter ist. An den anderen Tagen schaue ich mir nach und nach alle Gruppen an, um die Kinder kennenzulernen und mir ein Bild davon zu machen, wo ich nach der Kennenlernphase tätig werden möchte. Es ist faszinierend, wie gut mein Wörterbuch (nicht nur bei Kindern) ankommt. Den Kindern soll ich häufig daraus vorlesen. Weiterlesen

Argentinien: Ruinen einer Utopie?

1Unsere Reise hat uns heute nach San Ignacio Mini in Missiones geführt. Hier haben 1698 die Jesuiten eine ihrer berühmten Reduktionen gegründet. Die Ruinen gehören inzwischen zum Weltkulturerbe, eine Anlage, die auch heute noch zum Staunen bringt.

3Ca. 4000 Indigene fanden damals Zuflucht vor den portugiesischen Sklavenfängern. Eine straff organisierte Gemeinschaft, in der die gewählten Katziken (Gemeinderäte) die Rechtssprechung innehatten. Zu ihren Aufgaben gehörte es auch, die Arbeit zu überwachen, die Sauberkeit zu überprüfen, Haare zu schneiden, das Essen zu probieren und die Anwesenheit der Kinder bei der Arbeit zu überprüfen. Vom nahegelegenen Parana-Fluss schleppten die Menschen die Sandsteine an, aus denen die Häuser, das Rathaus und die riesige Kirche gebaut sind. Die Jesuiten lehrten die Menschen Instrumentenbau und lernten selbst die Sprache der Guarani. Nur zwei Ordensmänner lebten in der Gemeinschaft und formten eine Sozialwesen, in dem die europäische und die einheimische Kultur gewaltfrei zusammenwirkten. Eine Utopie, die mit dem Verbot des Jesuitenordens in sich zusammenbrach – die Indigenen waren ihres Schutzes beraubt und flohen zurück in die Wälder. Die Natur holte sich das Territorium zurück. Nach vielen Jahren üppiger Vegetation sind die Ruinen seit kurzer Zeit wieder zugänglich. Weiterlesen

Argentinien: „Fortschritt, dass hieß für die Regierungen, uns Indigenen das Land zu rauben und uns zu töten“

1111Die Überlandstraße führt von Formosa aus ins Nirgendwo. Wenigstens für uns, die wir aus Mitteleuropa dichte Besiedelung und kleine Landschaften gewohnt sind. Ins Nirgendwo. Immer schnurstracks geradeaus, nach Nordosten, in Richtung der Provinz Chaco. Doch wir werden erwartet. Sehnlich. Sieben Kilometer vor der Provinzgrenze biegen wir nach gut zwei Stunden Geradeausfahrt ab vom Highway. Da steht ein betonierter Schuppen. Er hat keine Fenster und ist gelb angestrichen. Auf dem Gelb prangt schwarzl das Abbild von Che Guevara, einer Ikone des Gerechtigkeitskampfes längst vergangener Zeiten. Weiterlesen

Argentinien: Von Hirten, die den Geruch der Herde annehmen

111So wie Padre Lorenzo oder Padre Gustavo müssen sie wohl sein, die Hirten, die den Geruch ihrer Herde annehmen. So hat es Papst Franziskus in seiner bildhaften Sprache unlängst gefordert. Und so wirken diese beiden und ihre mehr als 20 Priesterkollegen, in Jeans und Sandalen, Sportjacken und Hemden, unter denen nur manchmal ein Priesterkragen hervorlugt.

Seit Jahren leben sie in „Villas“, den Armenvierteln in und um Buenos Aires, mitten unter den Menschen, die aus verschiedenen Provinzen oder den Nachbarländern Paraguay, Bolivien, Peru, in die Großstadt gekommen sind, um hier ihr Glück zu machen, Arbeit zu finden und ihre Familie ernähren zu können. Gefunden haben es die wenigsten. Weiterlesen