Argentinien: Das ist Buenos Aires

Die Stadt ist wie ausgestorben. Es ist Ferienzeit und noch dazu ein Feiertag. Auf der achtspurigen Straße, die quer durch die Stadt führt, verlieren sich die einsamen Taxen im Dunst der Mittagssonne. So hatte ich mir Buenos Aires nun wirklich nicht vorgestellt. Doch von Ferne schallt Musik und Stimmengewirr auf die Avenida.

Wie ein buntes Band zieht sich die Hauptgasse des Viertels San Telmo durch das ruhende Buenos Aires. Hier findet der Tourist das, was ihm der Reiseführer versprochen hat: das pralle Leben. Die Gasse platzt aus allen Nähten. Aus den Bars schallt Tangomusik, auf der Straße stehen kleine Bands und Solokünstler. Von überall her steigen Gerüche in die Nase: von gebrannten Mandeln bis hin zu gegrilltem Fleisch. Auf den Tischen stehen die kleinen Mate-Gefäße, aus denen genussvoll geschlürft wird. Mate-Trinken, eine Tradition, die mit den Argentiniern verbunden wird, wie das Weißbier mit den Bayern. Die aber, wie ich heute gelernt habe, eigentlich von russischen Einwanderern in das Land gebracht wurde. Weiterlesen

Argentinien: Wow — Dieser Gottesdienst!

Wow, dieser Gottesdienst hat mich tief beeindruckt. Er hat mich berührt, etwas in mir bewegt. Die kompletten 90 Minuten war ich voll dabei – geistig, vor allem aber auch körperlich. Ich fühlte mich mitten drin in dieser mir noch fremden Großstadtgemeinde Santa Cruz mitten in Buenos Aires, obwohl ich nicht jedes Wort des charmanten Porteno-Castellano verstanden habe. Aber darauf kam es auch nicht an. Diese Messe hat auch ohne Worte viel vermittelt. Das Empfinden mit dem Herzen, die körperliche Nähe standen hier ganz weit vorne. Wir fassten uns an den Händen, umarmten uns, malten uns gegenseitig ein Kreuz aus Erde auf die Stirn und gaben uns besitos auf die Wange – eine Geste, die in Argentinien wohl locker ein Viertel der Lebenszeit in Anspruch nimmt und den in Deutschland gutbürgerlichen Handschlag auf zärtliche Weise ersetzt. Weiterlesen

Deutschland/Argentinien: Und dazwischen ist Heimat …

Im Flugzeug, irgendwo zwischen London Heathrow Airport und Buenos Aires sitze ich neben einem jungen Mann, der sich in seinem Leben gefühlt genau dort befindet, wo das Flugzeug gerade über den Wolken schwebt. Juan Marcello Bodenheimer lebt dazwischen. Zwischen Argentinien und Deutschland. Warum? Die Großeltern des 32-Jährigen waren jüdische Einwanderer, die während der NS-Zeit aus ihrem idyllischen Dorf an der Ostsee flüchten mussten. – „Und zack“ hat mich die Vergangenheit meines Landes, die unsere beiden Nationen auf solch beschämende Weise verbindet, wieder einmal eingeholt. Weiterlesen

Himmel und Hölle auf Erden

hingeschrieben

Hingeschrieben…

Heute bin ich von meiner Lateinamerika-Reise heimgekehrt. Zusammen mit unserem Argentinien-Referenten Michael Kuhnert und FSJlerin Eva Bodenmüller habe ich Journalisten Projekte in Argentinien und Paraguay gezeigt. Länderreferent Klemens Paffhausen hat uns im Anschluss in Brasilien begleitet. Die zehn Tage fühlen sich an wie zehn Wochen, so voll bin ich. Voll von Lateinamerika.

Ich liege schlaflos im Bett und sehe die Frauen und Männer, die uns ihre Geschichten erzählt haben vor meinem inneren Auge: Carlos, Perez, Taty, Ana Maria, Christl, Luiz, Mabel, Cicera, Maribel, … Menschen, die trotz Folter, Vertreibung, Armut oder Prostitution ganz geblieben sind. Menschen, die kämpfen. Für Gerechtigkeit, Freiheit, ein besseres Leben. Menschen, die von innen heraus strahlen. Weiterlesen

Argentinien: Zwischen Tango und Folter

Zwei Seiten Argentiniens: Abends noch eine Tangoshow im „Homero Manzi“, Höhepunkt der Freizeitgestaltung während unserer Lateinamerika-Reise. Heute dann ein Besuch im gefürchteten Foltergefängnis ESMA, einer früheren Armeekaserne.

Rund 5.000 Menschen wurden hier während der Militärdiktatur (1976-1983) verhört und brutal gefoltert. Mitten aus dem Leben gerissen und hierher verschleppt, mit Kapuze über dem Kopf, an Händen und Füßen gefesselt, Hunger und übelster Gewalt ausgesetzt, fristeten sie ein elendes Dasein. Manche nur ein paar Tage, manche über mehrere Monate. Jeden Dienstag entschieden die Befehlshaber von Armee und Geheimdienst, wer weiterleben durfte – und wer mittwochs über dem Rio de la Plata abgeworfen wurde. Weiterlesen

Ein schweres Erbe

Sonntag ist Tag der Vergangenheitsbewältigung. Alfonso Perez Esquivel kommt vorbei. 1980 hat der argentinische Künstler und Menschenrechtler den Friedensnobelpreis für seinen Widerstand gegen die Militärdiktatur bekommen. Das Regime wollte ihn beseitigen, er saß schon im Flugzeug, das ihn, wie so viele andere, über dem Meer abwerfen wollten. Der Flieger ist dann wieder umgekehrt. Aufgrund internationalen Drucks, davon ist er überzeugt.

Am Samstag wird er 80 Jahre alt, aber das sieht man ihm wahrlich nicht an. Ein kleiner agiler Mann, freundlich, offen und keine Spur von Verbitterung. Zufrieden ist er mit seinem Land noch lange nicht, immer noch kämpft er für Menschenrechte, gegen die Unterdrückung der indigenen Bevölkerung und für soziale Belange. „Der Widerstand ist die Essenz meines Lebens“, sagt er. Weiterlesen