Brasilien: „Wir arbeiten mit denen, die keiner mehr will“

Delegationsreise Steilpass Brasilien

Mittagessen im Straßenkinderprojekt Avicres in Noca Iguaçu bei Rio Janeiro. Foto: Martin Steffen

„Man muss mit denen arbeiten, die keiner mehr will.“ Dieser Satz ist die Lebensmaxime von Johannes Niggemeier. Seit 30 Jahren lebt der Theologieprofessor aus Paderborn in der Baixada Fluminense, einer gigantischen Ansammlung trostloser Vorstädte 40 Kilometer nördlich der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro. 1985 gründete er im Stadtteil Nova Iguaçu ein Projekt für Straßenkindern, das von Adveniat unterstützt wird. In seinem Blogartikel wirft der Theologe einen Blick auf die Situation der Straßenkinder in Brasilien, die tagtäglich Opfer von Gewalt und Missbrauch werden – und zunehmend auch von politischem Kalkül. Weiterlesen

Brasilien: Schweinelecker – Die Feijoada

Das beste Stück erwischt: Der Schweinefuß in der Feijoada.

Das beste Stück erwischt: Der Schweinefuß in der Feijoada.

Der Geruch von Fleisch und Knoblauch liegt in der Luft. In der Einfahrt der Familie Ferreira reihen sich an diesem Sonntagvormittag die Plastikstühle und -tische eng aneinander. Heute ist Narsons Geburtstag und dazu hat der Zwanzigjährige alle Freunde und Verwandte eingeladen. Eine große Sahnetorte, kleine Pralinen, Salate und Rindersteaks lassen das typisch brasilianische Buffet beinahe überquellen, doch die Gäste interessieren sich nur für eines: die Feijoada. Zur Feier des Tages hat Almerinda, Narsons Mutter, das brasilianische Nationalgericht zubereitet und wird mit jubelndem Applaus empfangen, als sie den großen Feijoada-Topf auf die Terrasse trägt.
Wohlbemerkt – der erste Anblick des Eintopfs ist nichts für schwache Nerven. Schwarze Bohnen, der Feijão, bilden die Grundlage, hinzu kommt Schweinefleisch in allen Variationen. Für den deutschen Gaumen durchaus bekannt sind Rippchen und Bauchspeck, exotischer wird es bei den Extremitäten. Schweineohren isst man in Deutschland eher aus Blätterteig mit Schokoladenguss. Auch beim Blick auf die Schweinefüsschen und Schweineschwänzchen, hofft man insgeheim die Portion mit den Rippchen abzubekommen. Doch das Nationalgericht gilt heute als Delikatesse. Weiterlesen

Brasilien: Favela, Fußball, Kulturschock

christina und pele

Wir fahren mit dem Auto durch die schmalen Straßen den Berg hoch. Rechts und links sind Häuser. Nebeneinander, übereinander. „Wir sind hier in einer richtig gefährlichen Gegend“, sagt meine Kollegin neben mir. Die Favela Morro da Mineira ist zwar „befriedet“, liegt aber zwischen zwei anderen Armenvierteln in Rio de Janeiro, deren Drogenbanden sich nicht selten bekriegen.

AnsichtDeswegen stehen dort, wo wir aussteigen, unzählige schwer bewaffnete Polizisten. Zum Schutz für uns und die anderen Journalisten aus aller Welt. Denn hier, mitten in der Favela, findet heute die Präsentation eines weltweit einzigartigen Fußballplatzes statt: 200 kinetische Platten unter dem Kunstrasen und Solarmodule auf den Lampen sorgen dafür, dass abends die sechs Flutlichter am Rand des Rasens leuchten. Die Bewegung der Spieler beziehungsweise ihre Schritte erzeugen die notwendige Energie. Pate des Projekts ist kein geringerer als Fußballlegende Pelé. Deswegen haben sich rund um den Maschendrahtzaun, der den Platz umgibt, auch schon einige Menschen eingefunden. Trotz der frühen Uhrzeit und der brennenden Sonne. Weiterlesen

Brasilien: Wahlkampf hautnah

Marina Silva bei einer Wahlkampfveranstaltung an der  Central Única das Favelas

Marina Silva bei einer Wahlkampfveranstaltung an der Central Única das Favelas

„Marina! Marina! Marina!“ schallt es von überall her. Marina Silva besuchte am 25. September die CUFA, die Central Única das Favelas. Damals war sie noch Kandidatin im Rennen um die Präsidentschaft.

Nicht nur viele Jugendliche, die in dem Zentrum täglich ein- und ausgehen, sind hier, um die beliebte Politikerin zu sehen, sondern auch jede Menge Journalisten. Darunter ich.

Wir stehen am Rande eines Basketballfeldes, wo noch fleißig gespielt wird und warten auf Marina. Sie ist bereits zu spät, was für die Organisatoren gut ist, denn die beginnen erst jetzt, den Event richtig vorzubereiten. Um uns herum werden Barrieren aufgestellt, damit die Journalisten die Politikerin aus der Ferne betrachten können. Wir sind nun richtig eingezäunt und immer wieder fliegt der Basketball in die wartende Journalistenmenge. Weiterlesen

Brasilien: Eine Metropole voller Dörfer

Im “Dorf” treffen sich die Frauen zum Gebetskreis.

Im “Dorf” treffen sich die Frauen zum Gebetskreis.

„Ave Maria, cheia de graça…“ klingt es monoton durch die ganze Straße. Celeste hat ihre Freundinnen vom Gebetskreis zu Besuch. So wie jeden Montag um 19 Uhr. Sie ist Rentnerin und wohnt in einem kleinen Haus, zusammen mit ihrer Tante, die sie pflegt. Richtig unterhalten kann sie sich mit ihr nicht mehr und deswegen freut sie sich über die Gesellschaft. Mitten im zweiten Rosenkranz-Gesätz öffnet sich langsam die Tür und eine Frau tritt ins Wohnzimmer. „Entschuldigt bitte, ich habe es nicht früher geschafft“, sagt sie leise und setzt sich schnell auf einen freien Platz. „Das ist meine Nachbarin Rosalia“, erklärt Celeste. „Ich habe sie heute eingeladen.“ Weiterlesen

Brasilien: Beeindruckend und beängstigend

Schauspielerin Eva Habermann, die zu den 11 Freunden der Aktion „Steilpass“ gehört, ist mit der „Steilpass“-Delegation nach Brasilien gereist. Nach zwei Tagen in Rio de Janeiro hat sie ihre Eindrücke aufgeschrieben:

Schon jetzt liegen bei mir die Nerven blank. In Rio deutet nichts darauf hin, dass hier eine WM stattfinden wird. Ich sehe keine Flaggen, keine Girlanden, keine Vorfreude in den Gesichtern der Menschen. Ich hatte so etwas schon erwartet, aber ich hätte nie gedacht, dass es so schlimm sein wird. Ich freue mich auf die WM, so ist das nicht, aber Brasilien ist ein Land, das die Voraussetzungen für eine großangelegte Fußball-WM eigentlich nicht erfüllen kann. Weiterlesen