Chile: Das große Beben

In Dichato, einem kleinen Ort an der Küste Chiles, ist auch drei Jahre nach dem Beben noch nicht alles wieder aufgebaut.

In Dichato, einem kleinen Ort an der Küste Chiles, ist auch drei Jahre nach dem Beben noch nicht alles wieder aufgebaut.

Den 27. Februar 2010 werden die meisten Chilenen wohl nie vergessen. Es war der Tag, an dem alles anders wurde. Ganz plötzlich, von einer Stunde zur anderen. Ein starkes Erdbeben erschütterte das Land. Im Epizentrum, der Region rund um die Hafenstadt Concepción, bebte die Erde mit einer Stärke von bis zu 9,3 auf der Richterskala und die komplette Stadt wurde zwei Meter nach rechts verschoben. Das ergab später die Auswertung von Sattelitenbildern. Doch das war noch nicht alles.

Nach dem Beben kam die Flut. Drei mächtige Tsunamiwellen überrollten einen Küstenabschnitt von mehreren hundert Kilometern Länge. Alles, was nach dem Beben heil geblieben war, wurde vom Wasser zerstört. Über 500 Menschen verloren ihr Leben, Hunderttausende ihr Hab und Gut, ihr Zuhause. Weiterlesen

Chile: Studenten und Polizei hautnah

Heute hatten wir sehr unterschiedliche Gespräche und Begegnungen: Wir waren im Palacio de la Moneda. Von Christian Larroulet, Minister und Generalsekretär des Präsidialamtes, haben wir eine Einschätzung zur wirtschaftlichen und bildungspolitischen Situation bekommen. Zeitgleich hatten die Studentendemonstrationen in der Stadt begonnen. Mehrere Tausend Studenten haben ihre Anliegen auf die Straße getragen. Bildung ist auch in Chile der Schlüssel für eine gerechtere und friedlichere Gesellschaft. Bei unserem Gespräch mit dem Erzbischof von Santiago de Chile, Monsignore Ezzati, hat dieser auch die Berechtigung dieser Proteste unterstützt. Für mich war es eine besondere Anspannung, Studenten und Polizei so hautnah zu erleben. Am Nachmittag waren wir bei einem Priester aus dem Bistum Würzburg, der in den vergangenen Jahren eine Gemeinde im Bannkreis der Stadt aufgebaut hat. Dieser Stadtteil ist auch für Besucher sehr gefährlich. Leider reichte die Zeit für ein ausführliches Gespräch nicht aus. Am Abend hatten wir ein spannende Unterhaltung mit Kardinal Errazuriz, ehemaliger Erzbischof von Santiago, jetzt Mitglied im Beraterkreis den Papstes. Er kam soeben aus Rom. Er hat uns von den Überlegungen zur Kurienreform und den notwendigen Veränderungen in der Kirche berichtet. Wir können uns auf große Veränderungen einstellen, war seine klare Botschaft. Fazit: Es war ein sehr ermutigender Abend. Weiterlesen

Chile: „Wasserwerfer, Tränengas – ist immer so“

Studentenproteste nahe der Universidad de Chile. Vorne Studenten, hinten bereiten sich Polizeieinheiten auf den Einsatz vor.

Studentenproteste nahe der Universidad de Chile. Vorne Studenten, hinten bereiten sich Polizeieinheiten auf den Einsatz vor.

Die Studentenproteste gehen von der altehrwürdige Universidad de Chile aus. Das Zentrum des studentischen Widerstands ist die renommierte juristische Fakultät. 16 Staatspräsidenten haben hier studiert, unzählige Politiker und Intellektuelle sind aus dieser Fakultät hervorgegangen. An diesem Tag bere

iten die Studenten im Vorhof einen erneuten Protestmarsch vor, Plakate werden ausgerollt und Fahnen geschwenkt. Eigentlich ist das hier eher ein Burghof, sagt die zierlich Jurastudentin Karina und weist auf die schmiedeeiserne Umzäunung. Hierher flüchten wir, wenn die Polizei uns verfolgt. Auf das Gelände der berühmten Fakultät trauen sich die Polizisten nicht. Weiterlesen

Chile: Mapuchepastoral und Migrantenpastoral

Mapuche-Frau mit dem klassischen Kopfschmuck, der Trarilonco. Foto: Carolin Kronenburg

Mapuche-Frau mit dem klassischen Kopfschmuck, der Trarilonco. Foto: Carolin Kronenburg

Am zweiten Tag unsere Chile-Aufenthalts haben wir die Mapuche-Pastoral in Santiago besucht. Die Ordensgemeinschaft der Steyler Patres hat mit Frauen und Männern des Mapuchevolkes ein besonderes kirchliches Angebot entwickelt. Mich hat diese Arbeit stark an die spanisch-italienisch-kroatischen Gemeinden in unserem Bistum erinnert – Ein zentraler Unterschied besteht allerdings: das Volk der Mapuche war immer in Chile und Argentinien. Erst durch die Kolonialisierung durch die spanischen Eroberer hatten sie ihre Autonomie verloren. In den vergangenen vierzig Jahren hat die Kirche sehr stark versucht, ein neues Miteinander von Mapuche-Religionen und katholischem Glauben zu entwickeln. Im zweiten Teil unseres Besuches werden wir noch mehr davon sehen und hören. Weiterlesen

Chile: Menschen der Erde in der Metropole

Mapuche Gladys Inalef. Foto: Carolin Kronenburg

Mapuche Gladys Inalef. Foto: Carolin Kronenburg

Wenn sie durch den Raum geht, klingelt es: Gladys trägt heute die traditionelle Tracht ihrer Vorfahren. Dazu gehört ein einfaches Kleid, gehalten von einem Wollgürtel in Regenbogenfarben. Und die Trarilonco, der Kopfschmuck in Silber mit den vielen kleinen Plättchen, die bei jeder Bewegung glöckchenhafte Geräusche von sich geben. Gladys gehört zum Indigenen-Volk der Mapuche – und sie ist stolz darauf.

Trotzdem würde sie hier in Santiago, hunderte Kilometer vom ursprünglichen Territorium der Mapuche in Südchile entfernt, nie in dieser Tracht auf die Straße gehen. Denn obwohl heute mehr Mapuche in der Hauptstadt leben als in ihrer alten Heimat, fühlen sie sich hier diskriminiert. Die kleinen Stadtwohnungen entsprechen nicht den Bedürfnissen der klassischen Mapuche-Großfamilie, in den Schulen werden die Kinder wegen ihrer Nachnamen ausgelacht und an den Unis sind Mapuche-Studenten nach wie vor stark unterrepräsentiert. Die Kräuter und Baumblätter, die die Mapuche-Schamaninnen, die Machis, für ihre Heilkünste brauchen, müssen aus dem Süden importiert werden. Weiterlesen

Chile: Am Ort der Liebe und der Grausamkeit

Wo Pinochets Schergen folterten und die Häftlinge sich trotzdem ihre Menschlichkeit bewahrten.

Es ist ein Ort, an dem Lelia Perez Valdez viel verloren hat. Ihr Kind, ihre Würde. Und beinahe ihr Leben. Trotzdem ist sie zurückgekommen. Weil diejenigen, die davongekommen sind, davon erzählen müssen. „Solange jemand zuhört, bleibt die Erinnerung“, sagt sie. Es ist beinahe 40 Jahre her, dass die Schergen Pinochets die damals 18-jährige Leila in die Villa Grimaldi verschleppten, dem Folterzentrum am Rande von Santiago de Chile. Weiterlesen