In Kuba ausgebildet, in Léogâne und Jacmel im Einsatz

Heute hatten wir ein Gespräch mit einer Dominikanerin, die in Kuba Medizin studiert hat und mit fünf weiteren in der Woche nach dem Erdbeben nach Léogâne und Jacmel gereist ist. Derzeit ist sie zur kurzen Erholung in ihrer Heimatstadt Dajabón – ihre Mutter arbeitet für Radio Marién, einem von Adveniat geförderten kirchlichen Sender, der unablässig über Haiti berichtet, zur Solidarität aufruft und auch eine kreolische Sendung für die Haitianer hat.

Elbania Ventura ist 27 Jahre alt, eine große, hübsche Frau, die schnell redet und völlig durchdrungen ist von dem, was sie tut: anderen helfen, eine gute Ärztin sein. In Kuba hat sie studiert, weil ihre früh verwitwete Mutter keine Mittel hatte, ihr ein Studium in der Dominikanischen Republik zu finanzieren. Kuba bietet Studenten aus Lateinamerika und der Karibik kostenlose Medizinstudien, nur die Reise müssen sie selbst bezahlen. Kein Wunder, dass Elbania sich Kuba eng verbunden fühlt: „Dort werden wir zu Ärzten ausgebildet, die als allererstes Menschen helfen wollen – und nicht an die eigene Bereicherung denken.“ Bei Elbania gibt es keinen Zweifel, dass die Ausbildung gefruchtet hat. Weiterlesen

Kontrastprogramm

Nach Einsicht in die Luxuswelt der Playa Dorada am Montag ist der „Kontrast-Schock“ besonders groß, als wir in die haitianische Grenzstadt Ouanaminthe kommen (übrigens mit Gepäckstücken auf dem Sozius eines Moto-Taxis …durch das Marktgewimmel auf einer Schlammpiste… auch eine interessante Fortbewegungserfahrung…ich war sehr „entspannt“). Wir fahren direkt zu den Schwestern von Saint Jean – DIE Anlaufstelle für Hilfsbedürftige in der Stadt. Im Hinterhof des Hauses mit den blauen Fensterläden sitzen und stehen viele Menschen, Kinder spielen, Jugendliche verharren still und unbeweglich auf Stühlen. Männer unterhalten sich leise auf einer Holzbank. Die vier Schwestern und eine Praktikantin aus Spanien sind voller Elan, reden mit den einen, mit den anderen, telefonieren, erklären, beruhigen. Weiterlesen

Playa Dorada

Im Bild: Luxushotel auf der Playa Dorada

Luxushotel auf der Playa DoradaHinter einem großen Tor, das Befugten den Weg zu einem weitläufigen Komplex mit 16 Hotels, Golfplatz und Einkaufszentrum freimacht, sehe ich sie, die Touristen. Zuhauf, rotgebrannt und beshortet am Pool, am Strand oder an der Bar der All-Inclusive-Hotels; vereinzelt, sonnenbebrillt und von eleganter Stille umhüllt im 5-Sterne-Boutique-Hotel à la carte. Der Hoteldirektor zeigt uns stolz seine drei Hotels, er ist ein freundlicher Geschäftsmann, der sich Zeit nimmt und bei dem Rundgang durch die Hotelanlagen immer wieder mit Gästen ins Gespräch kommt. Von Prostitution will er nichts hören, seine Hotels seien Familienhotels, All-Inklusive sei für Eltern geschaffen worden, zudem kämen viele Paare und sonnenhungrige Rentner. Weiterlesen

Wo sind die Touristen?

Im Bild: Aus sicherer Entfernung: Touristenbus bei Puerto Plata

Aus sicherer Entfernung: Touristenbus bei Puerto PlataPuerto Plata. Ich frage mich, wo all die Touristen geblieben sind – in den Straßen und im Zentrum der Stadt sind man so gut wie keine. Ich erfahre, dass die meistens alle innerhalb ihrer Touristenanlagen bleiben. Hier ist man auf „sicherem Terrain“, hier gibt’s alles umsonst, hier ist der Pool und die Bar. Für Rebeca Urena Alvarez muss unbedingt mehr getan werden, um die Touristen aus ihren Anlagen herauszulocken – und auch um einen anderen Touristen-Typ anzuziehen: selbständig Reisende, die mehr über Land und Leute erfahren möchten. „Die Touristen sollen auch etwas von uns, den Dominikanern, unserer Kultur, Traditionen, Religion erfahren. Und umgekehrt müssen auch die Menschen hier mehr vom Tourismus profitieren – nicht nur die Touroperators.“ Weiterlesen

„Wir wünschen ihnen einen erholsamen Urlaub“

Das Flugzeug von Frankfurt nach Puerto Plata ist bis auf den letzten Platz besetzt. Die Mehrheit der Reisenden sind Deutsche, es gibt eine Handvoll Dominikanerinnen mit Kindern und einige Dänen. Viele Paare sind unterwegs, jüngere knutschende, ältere, sich zurechtweisende. Familien sind rar, dafür gibt es verhältnismäßig viele alleinstehende Männer. Sie sind nicht mehr die Jüngsten, tragen Schnauzbart und Bierbauch, blättern in Sport-Bild und im Werbemagazin der Fluglinie. Meistens aber schauen sie schweigend ins Leere. Einer liest gute drei Stunden in einem bunten Heftchen, auf dem ein nahezu unbekleideter junger Mann abgebildet ist. Reiseführer oder Bücher sieht man in keiner Hand, dafür Pferdezeitungen, Frauenzeitschriften und Reisekataloge. Die Stimmung ist eindeutig auf Urlaub ausgerichtet, aber es herrscht keine Ballermann-Atmosphäre, trotz der wegen dreistündiger Verspätung kostenlos ausgeschenkten Gin-Tonics. Weiterlesen