Ecuador: Donaciones

An dem ersten Samstag meines Aufenthalts in Ecuador wurde ich von Schwester Ingrid, bei der ich wohne, gefragt, ob ich bei den „donaciones“ mithelfen wolle. Bei den donaciones oder auch Spenden werden ähnlich wie bei der Tafel in Deutschland gerade abgelaufene Lebensmittel von einer großen ecuadorianischen Supermarktkette gespendet. Da das Centro Infantil Retoňitos, an dem ich diese drei Monate arbeite, für möglichst alle Kinder offen sein möchte, ist der Beitrag, den die Eltern zu zahlen haben verhältnismäßig gering, dafür muss an so mancher Stelle gespart werden. So wird zum Beispiel das Mittagessen für die Schulkinder der Nachmittagsbetreuung ausschließlich aus den samstags eingesammelten Spenden erworben. Die donaciones verlaufen jede Woche wie folgt: Zunächst werden zwei bis drei Frauen des Centros von einem Mann mit eine kleinen Laster abgeholt und auf der Ladefläche des Fahrzeugs zu einem Lager der Supermarktkette, die circa eine Stunde von Quito entfernt, ist gebracht. Dort werden alle Organisationen/ Vereine/ Institutionen, die an diesem Tag an den donaciones teilnehmen wollen registriert, sodass alle gleichmäßig viel Lebensmittel bekommen. Weiterlesen

Ecuador: Insbesondere die Mädchen werden vernachlässigt

In Quito hat man das Gefühl, dass überall Kinder um einen herum wuseln – nicht nur am Centro, sondern auch in der Stadt, im Bus, beim Einkaufen und in der Nachbarschaft. Das liegt an der jungen Demographie Ecuadors, in dem 30 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre alt ist. Doch vermutlich gerade auf Grund der hohen Anzahl an Kindern werden sie als entbehrlicher angesehen und haben einen geringeren Stellenwert in der Gesellschaft Ecuadors. Insbesondere die Mädchen werden vernachlässigt, da Ecuador noch immer stark vom Machismo geprägt ist. Dieser ist auch Ursprung der hohen Anzahl an Kinder, da weiterhin das Bild der Frau als Mutter propagiert wird. Doch auf Grund der weit verbreiteten Armut in Ecuador müssen die Mütter trotz traditioneller Rollenverteilung meist arbeiten gehen, sodass ihre Kinder oft den ganzen Tag in Kindergärten verbringen, wenn sich die Eltern das leisten können. „Me da pena“ – „Es schmerzt mich“, kommentiert Hermana Ingrid die Situation vieler Kinder, die an häuslicher Gewalt und fehlender Bildung zu leiden haben. Zwar hat die Regierung unter Rafael Correo die Staatsausgaben für Bildung in den vergangen Jahren erhöht, sodass die Schulpflicht für alle Sechs- bis Vierzehnjährigen realisierbar wird, doch das Problem des Machismo besteht weiter. Weiterlesen

Ecuador: Das Wundervolle an der Arbeit mit Kindern

„¿Porquénohablasespaňol?“, fragt die kleine Jennifer mich. „Porque soy alemana.” Diese Antwort stößt bei einer kaum Vierjährigen natürlich auf reges Unverständnis. Dennoch ist sie eine der wenigen Kinder des Centro Infantil Retoňitos in Quito/ Ecuador, die bemerkt haben, dass ich mich von den anderen Erwachsenen unterscheide und nicht immer alles gleich verstehe. Die anderen Kinder, deren Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren variiert, verstehen diesen Unterschied noch nicht und reden munter auf mich ein, ganz gleich ob ich ihnen antworten kann oder nicht. Aber das ist gerade auch das Wundervolle an der Arbeit mit Kindern: Seit dem ersten Tag haben sie mich in ihr Herz geschlossen und ich sie in meins. Sprache ist nebensächlich, wenn man doch lachen, kitzeln, kuscheln, raufen, malen und gestikulieren kann. Herausfordernder wird es da schon bei den Schulkindern der Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag. Die haben jedoch schon gelernt laut und deutlich mit mir zu sprechen. Und auch diese Sechs- bis Zwölfjährigen begegnen mir mit einer Offenheit und einem Interesse, das mich sofort willkommen heißt. Weiterlesen

Ecuador: Sieben Kinder, vier Väter, kein Geld

Comuna Alta: Am Rande der Gesellschaft

Comuna Alta: Am Rande der Gesellschaft

Sieben Kinder, vier Väter, kein Geld – so könnte die traurige Überschrift von Guadalupes Lebensgeschichte lauten. Immer waren Wunsch und Hoffnung, dass der Mann bleibt, stärker als der Verstand. Liebesentzug, Missachtung und Schlägen zum Trotz, hat es die zierliche Frau vier Mal versucht. Aber der Machismo ist übermächtig hier in der Comuna Alta. Jeder Mann hat zwei, drei Frauen, das ist ganz normal. Heute lebt Guadalupe alleine mit ihren Kindern, ganz oben, wo die Hütten mit dem Schlamm den Berg runterrutschen, wenn es zu lange regnet. Vielleicht, weil sie keiner mehr will oder sie keinen mehr will … Nur manchmal kommt einer der Väter, um ihr den Monatslohn abzunehmen. Weiterlesen

Ecuador: Der Beautybus

Busfahren in Quito 2

Die bunten Busse sind überall in Quito zu finden.

„Es ist nicht die Schuld des Fahrers, wenn Sie zu spät aufstehen“ oder „Veronica, Dylan & German“ lauten die Schriftzüge innen über den Frontscheiben der Busse. Und manchmal verraten die großen, silbernen Lettern auch einfach nur das Herkunftsland des Uraltvehikels: Volkswagen. Hunderte der blauen, gelben oder bunten Busse sind auf den Straßen Quitos unterwegs – mit Rosenkranz am Rückspiegel oder aufgesprühtem Heiligenbildchen, mit purpurnen Samtgardinen oder Weihnachtsbeleuchtung hinter den Scheiben. Weiterlesen

Ecuador: „Hermanita, es mi marido“

Schwester Ingrid (Mitte) im Gespraech mit zwei Frauen aus der Gemeinde.

Manchmal könnte Schwester Ingrid weinen, weil sie oft vorher schon weiß, wie die Geschichten ausgehen. Beispielsweise diese: Sturmklingeln – mitten in der Nacht. Ingrid schlurft zum Tor und schließt auf. Eine Frau aus dem Viertel steht da, grün und blau geschlagen vom betrunkenen Ehemann. Ein Kind auf dem Arm, eines an der Hand und die vier Großen daneben. „Natürlich könnt ihr hier schlafen“, antwortet Ingrid auf die fragenden Blicke. Mit einer Mitschwester wohnt die gebürtige Chilenin in einem großen Haus neben der Kirche. Die einzige katholische Kirche in der Comuna Alta, einem der ärmsten und gefährlichsten Viertel von Quito. Weiterlesen