Ecuador: Das Wundervolle an der Arbeit mit Kindern

„¿Porquénohablasespaňol?“, fragt die kleine Jennifer mich. „Porque soy alemana.” Diese Antwort stößt bei einer kaum Vierjährigen natürlich auf reges Unverständnis. Dennoch ist sie eine der wenigen Kinder des Centro Infantil Retoňitos in Quito/ Ecuador, die bemerkt haben, dass ich mich von den anderen Erwachsenen unterscheide und nicht immer alles gleich verstehe. Die anderen Kinder, deren Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren variiert, verstehen diesen Unterschied noch nicht und reden munter auf mich ein, ganz gleich ob ich ihnen antworten kann oder nicht. Aber das ist gerade auch das Wundervolle an der Arbeit mit Kindern: Seit dem ersten Tag haben sie mich in ihr Herz geschlossen und ich sie in meins. Sprache ist nebensächlich, wenn man doch lachen, kitzeln, kuscheln, raufen, malen und gestikulieren kann. Herausfordernder wird es da schon bei den Schulkindern der Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag. Die haben jedoch schon gelernt laut und deutlich mit mir zu sprechen. Und auch diese Sechs- bis Zwölfjährigen begegnen mir mit einer Offenheit und einem Interesse, das mich sofort willkommen heißt. Weiterlesen

Ecuador: Sieben Kinder, vier Väter, kein Geld

Comuna Alta: Am Rande der Gesellschaft

Comuna Alta: Am Rande der Gesellschaft

Sieben Kinder, vier Väter, kein Geld – so könnte die traurige Überschrift von Guadalupes Lebensgeschichte lauten. Immer waren Wunsch und Hoffnung, dass der Mann bleibt, stärker als der Verstand. Liebesentzug, Missachtung und Schlägen zum Trotz, hat es die zierliche Frau vier Mal versucht. Aber der Machismo ist übermächtig hier in der Comuna Alta. Jeder Mann hat zwei, drei Frauen, das ist ganz normal. Heute lebt Guadalupe alleine mit ihren Kindern, ganz oben, wo die Hütten mit dem Schlamm den Berg runterrutschen, wenn es zu lange regnet. Vielleicht, weil sie keiner mehr will oder sie keinen mehr will … Nur manchmal kommt einer der Väter, um ihr den Monatslohn abzunehmen. Weiterlesen

Ecuador: Der Beautybus

Busfahren in Quito 2

Die bunten Busse sind überall in Quito zu finden.

„Es ist nicht die Schuld des Fahrers, wenn Sie zu spät aufstehen“ oder „Veronica, Dylan & German“ lauten die Schriftzüge innen über den Frontscheiben der Busse. Und manchmal verraten die großen, silbernen Lettern auch einfach nur das Herkunftsland des Uraltvehikels: Volkswagen. Hunderte der blauen, gelben oder bunten Busse sind auf den Straßen Quitos unterwegs – mit Rosenkranz am Rückspiegel oder aufgesprühtem Heiligenbildchen, mit purpurnen Samtgardinen oder Weihnachtsbeleuchtung hinter den Scheiben. Weiterlesen

Ecuador: „Hermanita, es mi marido“

Schwester Ingrid (Mitte) im Gespraech mit zwei Frauen aus der Gemeinde.

Manchmal könnte Schwester Ingrid weinen, weil sie oft vorher schon weiß, wie die Geschichten ausgehen. Beispielsweise diese: Sturmklingeln – mitten in der Nacht. Ingrid schlurft zum Tor und schließt auf. Eine Frau aus dem Viertel steht da, grün und blau geschlagen vom betrunkenen Ehemann. Ein Kind auf dem Arm, eines an der Hand und die vier Großen daneben. „Natürlich könnt ihr hier schlafen“, antwortet Ingrid auf die fragenden Blicke. Mit einer Mitschwester wohnt die gebürtige Chilenin in einem großen Haus neben der Kirche. Die einzige katholische Kirche in der Comuna Alta, einem der ärmsten und gefährlichsten Viertel von Quito. Weiterlesen

Ecuador: Guaderia – Schutzzone Kindergarten

Heute war mein erster Tag in der Guarderia, im Kindergarten… und es war traumhaft. Die Missionsschwestern betreuen eine Guaderia mit etwa 70 Kindern im Alter von drei Monaten bis fünf Jahre. Und wochentags, jeweils von 7.30 bis 16 Uhr, ist hier “Action” angesagt. Es gibt viel Kinderlachen, strahlende Gesichter, schmutzige Klamotten, hungrige Münder. Ich habe sie gefüttert, ihnen die Nase geputzt, mit ihnen gespielt, sie ins Bett gelegt, Fragen nach meiner Herkunft beantwortet und und und. Weiterlesen

Typisch Ecuador!

Wir haben Samstag, 9 Uhr – und die Erde bebt. Ich bin kurz irritiert, ist das wirklich ein Erdbeben? Aber ja, wie ich von Schwester Lourdes erfahre, gab es gestern in Peru ein schweres Erdbeben der Stärke 6,9 und das ist jetzt wohl nach Ecuador “gezogen”. Es war nicht lange, 10 oder 20 Sekunden, vielleicht kürzer – mein Zeitgefühl lässt mich dabei etwas im Stich. Aber lange genug um sich bewusst zu werden, dass die Natur ziemlich groß und stark ist.

Jedenfalls ist nichts passiert – soweit ich das hier aus unserer Wohnung beurteilen kann – und alles nimmt wieder seinen gewohnten Gang… Weiterlesen