El Salvador: Die Wirklichkeit verändert

„Transzendenz bedeutet, sich auf das Kind, auf den Armen, auf den in Lumpen gekleideten, auf den Kranken einzulassen, in die Elendshütten und Häuser zu gehen und mit ihnen allen zu teilen.“    (Oscar Romero)

„Die Wirklichkeit verändert!“ Dies sagte Martha Zechmeister, Professorin für Fundamentaltheologie an der UCA, als abschließenden Satz unserer Reflexionsrunde über die vergangenen drei Tage an der Universität. Und es ist dies was wir hier Tag für Tag erfahren. In der Begegnung mit einer ganz anderen Wirklichkeit, als wir sie aus Deutschland kennen, verändert sich nicht nur unser Bild vom Menschen, unser Weltbild sondern auch unsere Theologie. Weiterlesen

El Salvador: Am Rand des Vulkankraters

„Jeder Berufene ist ein Akteur der Veränderung in jenem Teil der Welt, in dem die Sünde auf dem Thron sitzt. Es geht um den Kampf für das Reich Gottes.“ (Oscar Romero)

Der Tag begann wie üblich mit unserer Morgenrunde. Dort stellten wir fest, dass unser Programm mit der gesamten Gruppe beginnen würde. Alle, die an Durchfall, Übelkeit und schlichter Erschöpfung litten, waren auf dem Weg der Besserung und motiviert in den Tag zu starten.

Zuerst trafen wir eine Gruppe von Theologiestudenten der UCA. Während unsere Gruppe bis auf zwei nur aus Frauen besteht, befand sich unter den anderen keine einzige Frau. Außerdem waren fast alle der salvadorianischen Studenten Mitglieder von Ordensgemeinschaften. Diese Erfahrung hat nochmal gezeigt, wie unterschiedlich doch das Theologiestudium in Deutschland und in El Salvador ist. Weiterlesen

El Salvador: “Mit Monseñor Romero ist Gott durch El Salvador gegangen” – UCA

„Wir kämpfen unseren Kampf mit Gitarren und Liedern der Kirche. Denn auf diese Weise streben wir die Bekehrung der Sünder an: Wir säen in den Herzen und verändern die Welt“ (Oscar Romero)

Gedenkttafel an Ignacio Ellacurías und die weiteren Opfer vom 16.11.1989

Gedenkttafel an Ignacio Ellacurías und die weiteren Opfer vom 16.11.1989

Waren wir bisher in den Kontexten von Gemeinde, Schule etc. unterwegs, sind wir heute das erste Mal in das Leben an der Universidad Centroamericana „José Simeón Cañas“ (UCA) eingetaucht. Empfangen von Martha Zechmeister, stand sogleich ein Treffen mit dem beeindruckenden Befreiungstheologen und Jesuitenpater Jon Sobrino an, der uns bereits in Seminaren an der Universität Osnabrück stetig beschäftigte und inspirierte. Er war ein Weggefährte Ignacio Ellacurías, welcher zusammen mit fünf weiteren Jesuitenpatern, der Köchin und ihrer Tochter an der UCA 1989 ermordet wurde. Der Philosoph, Theologe, Märtyrer und Universitätsrektor Ignacio Ellacuría ist einer der herausragenden lateinamerikanischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Auf ihn bezog sich der Vortrag Jon Sobrinos mit folgendem Titel: „Ignacio Ellacuría. Der Mensch und der Christ“. Dieser Vortrag fasst auf einer theologischen Ebene das zusammen, was für uns im Laufe der Tage immer konkreter geworden ist. Jon Sobrino führt Aussagen Ellacurías, die dieser über Romero macht, an und beleuchtet sie aus seiner Perspektive heraus. Ellacuría sagt: „In Monseñor Romero habe ich den Finger Gottes gesehen“ und „mit Romero ist Gott durch El Salvador gegangen“. Diese beiden Zitate bringen zum Ausdruck, dass sowohl Ellacuría als auch das Volk El Salvadors der Ansicht sind, dass Romero ein Gesandter Gottes sei, der das Volk rette. Weiterlesen

El Salvador: „Wir lassen uns nicht kaufen!“

„Darin besteht die Freude des Christen: Ich weiß, dass ich ein Gedanke Gottes bin, selbst wenn ich der Unbedeutendste und Verlassenste von allen Menschen bin.“ Oscar Romero

Auch heute waren wir wieder mit José Lazo unterwegs und haben uns mit Repräsentanten des Umweltteams einer Gemeinde getroffen. Seit 2004 besteht die Communidad Sitio del Niño (Ort des Kindes), die sich seither für die Menschen- und Umweltrechte, die schließlich die Rechte auf Leben sind, einsetzen.

Hierzu berichteten uns der Präsident Mauricio und seine Begleiter vom Kampf gegen die Firma „Baterías Record“, die Autobatterien herstellt, diese jedoch nicht rechtsgemäß entsorgt, sodass Schwefel, Säure , Blei und andere Schadstoffe in die Luft, den Boden und das Wasser gelangen. Weiterlesen

El Salvador: Auf den Spuren von Oscar Romero

„Da, wo Christus im Fleisch und Blut leidet; da, wo Christus auf dem Feld übernachten muss, weil die Menschen nicht zuhause schlafen können; da wo Christus an Krankheiten leidet aufgrund von Unrecht und Leid: da trägt Christus sein Kreuz auf dem Rücken – nicht nur dort, wo man in der Kapelle den Kreuzweg betet, sondern dort, mitten im Volk lebt er.“ (O. Romero)

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Vitirine im ehemaligen Wohnhaus Romeros. Ausgestellt werden hier persönliche Gegenstände , wie die Meßgewändern, die der Erzbischof bei seiner Ermordung am 24. April 1980 trug.

Der heutige Tag markierte einen vorläufigen Höhepunkt unserer Reise. Es ist der offizielle Gedenktag zu Ehren Romeros. Am frühen Morgen empfing uns José Lazo am Hospitalito, der Ort an welchem Oscar Romero lebte und starb. José führte uns durch das private Haus von Romero in dem alle seine privaten Alltagsgegenstände aufbewahrt werden. Ein eindrucksvoller Moment offenbarte sich als uns die Kleidungsstücke und das Messgewand des Todeszeitpunkts von Romero gezeigt wurden. Das eingetrocknete Blut und das Einschussloch direkt zu sehen ließen seinen Tod unfassbar real und konkret präsent werden. Wir hatten zwar im Rahmen des Seminars und auch privat sein Martyrium verfolgt, dieses theoretische Wissen manifestiert sich aber in dem Anblick seiner Gewänder in einer unerwarteten Dichte. Dieses Gefühl wurde im anschließenden Besuch der Kapelle, in der er erschossen wurde, weiter vertieft. Weiterlesen

El Salvador: Von Piñatas, Wellblech und und subkutanen Begegnungen

„Da sich die Kirche für reale, nicht fiktive Arme einsetzt, da sie für wirklich Ausgebeutete und Unterdrückte eintritt, lebt sie in einer politischen Welt und verwirklicht sich als Kirche, auch im politischen Bereich.“ (O. Romero)

Der dritte Tag in El Salvador begann früh und sonnig. Obwohl wir erst seit weniger als einer Woche hier sind, fühlt man sich schon heimisch – alle Begegnungen, Gerüche, Geräusche, Geschmäcker und Bilder verschwimmen zu einem bunten Strom, der uns mitreißt und so gefangen nimmt, dass unser Zeitgefühl verschwindet. Wir befinden uns in einer fremden, jedoch auf vielfältige Weise faszinierenden Welt, in der es jeden Tag etwas Neues zu entdecken gibt – oftmals fesselnd und wunderschön, jedoch nicht selten erschreckend und bestürzend. Weiterlesen