Guatemala: Unsichtbare Gewalt

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Friedlich sieht er aus, der Basketballplatz gegenüber der Kirche Santa Catarina Pinula. Doch bei Dunkelheit ist es der gefährlichste Ort im Viertel. Fotos: Achim Pohl

Guatemala ist nach Honduras und zusammen mit El Salvador das gefährlichste Land Lateinamerikas. Auf den ersten Blick wirkt es nicht so. Auf dem Platz gegenüber der großen Kirche in Santa Catarina Pinula findet gerade ein Basketballspiel statt. Um das Feld sitzen Zuschauer und nippen an ihrer Cola. Nebenan wird in kleinen Grüppchen Fußball gespielt, manchmal rollt der Ball zu Kleinkindern, die mit ihren Dreirädern unterwegs sind. Gefährlich wirkt das alles nicht.

„Alleine traue ich mich nicht rüber“, sagt mir Marina und schaut von den Treppenstufen der Kirche zum gegenüberliegenden Platz. Die junge Frau wohnt in dem Viertel und engagiert sich in der Gemeinde von Santa Catarina Pinula. „Es ist der gefährlichste Ort hier im Viertel.“ Das sei vor allem bei Dunkelheit so, aber auch jetzt wäre niemand sicher. Die gemütliche Wochenendstimmung trügt. Das Viertel um die Kirche ist ein Rotlichtviertel und Drogenumschlagplatz Nummer eins. Niemandem ist anzusehen, ob er zu einer der berüchtigten Jungendbanden gehört, die in Guatemala alle Menschen in Angst versetzen. Innerhalb von Sekunden könne die friedliche Stimmung umschlagen. „Früher war das nicht so. Da konnten wir auch abends noch mit unseren Freunden auf der Straße spielen. Jetzt treffen wir uns nur noch drinnen“, erzählt Marina. Weiterlesen

Charismatische Erneuerung und die „pentecostalisación“

An der Universität Rafael Landívar hatten wir einen Studientag eingelegt, um mehr über die religiöse Situation in Zentralamerika zu erfahren ( http://www.adveniat.de/blog/?p=3053 Beitrag ansehen). Die Bischöfliche Kommission Adveniat beschäftigt sich seit fast zwei Jahren mit den Transformationsprozessen der Moderne. Zu den zentralen Themen gehören „Bildung“, „Veränderungen im religiösen Feld“ und „Frauen“. Die Dialogreise der Kommission nach El Salvador und Guatemala diente dazu, diese Themen anhand konkreter Beispiele zu vertiefen und Wege kennenzulernen, wie die Ortskirchen diesen Transformationsprozessen begegnen Weiterlesen

Warum die evangelikalen Kirchen in Lateinamerika wachsen

JE_Blog_4_1Wie eine Fußballarena liegt er an der Panamericana, südlich von Guatemala City. Umgeben von Hunderten Parkplätzen, mit breiten Wegen, die auf die Eingänge zulaufen. Aber dies ist kein Stadionneubau für die Fußball-Weltmeisterschaft, sondern der Tempel „Cash Luna“, benannt nach dem aus Argentinien stammenden Gründer einer evangelikalen Kirche. Innen befindet sich ein riesiger Versammlungsraum, ähnlich einem Amphitheater mit nach Oben reichenden Rängen und vorne einer großen Bühne. Hier finden sonntags Erweckungsgottesdienste statt, die live vom Fernsehsender übertragen werden, der der Kirche Cash Luna gehört. Weiterlesen

Guatemala: Die Erinnerung bewahren helfen

Der Schrecken wird in säurefreien Kartons gelagert. In langen Gängen, sauber aufeinandergestapelt. 80 Millionen Dokumente liegen hier, im historischen Nationalen Polizeiarchiv (AHPN) Guatemalas. Beginnend mit den ersten Polizeiakten von 1882 bis zum Friedensschluss 1996, der den 36 Jahre andauernden Bürgerkrieg beendete. Alberto Fuentes, leitender Mitarbeiter des Archivs, berichtet, dass ein Hauptteil der Akten aus der Zeit des Bürgerkriegs stamme, der 1992 endete: „25 Prozent der erwachsenen Bevölkerung wurden in dieser Zeit durch die Polizei kontrolliert. Was wir hier vorliegen haben, ist ein oftmals minutiöses Abbild des Mordens.“ Weiterlesen