Honduras: Der schönste Tag

„Padre, Padre, Sie haben mich doch nicht vergessen?“ Schon man frühen Morgen hat Laura ganz aufgeregt bei Priester José Palma angerufen um sich zu vergewissern, dass er am Abend den Gottesdienst in der kleinen Kirche in El Guante, in Zentral-Honduras abhalten wird.

Schließlich ist heute Lauras großer Tag. Sie wird 15 Jahre alt. Und das ist für die Mädchen in Lateinamerika eine große Sache: „Die Quinceañera“. An diesem Tag werden sie vom Kind zur Frau, früher schenkte man ihnen zu diesem Anlass das erste Paar Schuhe mit Absatz. Weiterlesen

Der „gute Tod“ in São Paulo

„Unsere Geschichte ist sehr jung“, sagt Kardinal Odilo Scherer, der Erzbischof von São Paulo. Und er ergänzt vor der Gruppe aus Deutschland mit einem Augenzwinkern: „Alles, was hier älter als hundert Jahre ist, gilt als uralt und historisch bedeutsam.“ Um so bedeutsamer sei daher die Geschichte der Kirche „Nossa Senhora da Boa Morte“ (Unsere Liebe Frau vom Guten Tod) in der Rua do Carmen im Zentrum São Paulos.

Es ist ein Eintauchen in die Geschichte einer Millionenstadt. São Paulo, eine Kleinstadt? Das ist noch gar nicht so lange her. Vor 200 Jahren, zur Herrschaft des brasilianischen Kaisers Pedro I., zählte São Paulo rund 15.000 Einwohner – heute sind es mehr als 16 Millionen. Schwarze Sklaven sorgten für die Bewirtschaftung der Güter, und erst 1808 öffnete Brasilien seine Häfen „feindlichen Nationen“ – und eröffnete sich damit dem Wirtschaftswachstum. Noch sollte es Jahrzehnte dauern, bis unter Kaiser Pedro II. hunderttausende Europäische Einwanderer für ein schnelles Anwachsen der Bevölkerung sorgten – und es sollte noch länger dauern, bis São Paulo zur Großstadt wurde. Weiterlesen

Der Haiti-Effekt

„Was für eine Bruchbude“, schimpfte ich am ersten Abend über das kleine Hotel in Port-au-Prince, in dem ich untergebracht war. Kein Telefon auf dem Zimmer, ein so lahmes Internet, dass selbst der Versuch, Mails zu lesen, kläglich scheiterte, ein Fernseher mit drei Kanälen und nur zeitweise mit Ton, ein wackeliger, ausrangierter Tisch und eine längst durchgebrannte Neonleuchte am Bett – für stolze 75 Dollar die Nacht. Ein Preis, der in Haiti stets proportional ist zur Anzahl von Ausländern, die gerade im Land sind. Derzeit sind es viele. 2004, inmitten der Unruhen, in denen schließlich Präsident Jean-Bertrand Aristide stürzte, wagte sich kaum einer ins Land. Dementsprechend kosteten die Hotels 40 Prozent weniger. Weiterlesen

Kleine Öfen auf dem Mittagstisch

anafres-im-restaurantGleich nach der Ankunft in der Hauptstadt Tegucigalpa sorgt unser Gastgeber Roque Zelaya dafür, dass wir landestypisches Essen probieren. Der Künstler nimmt uns mit zu einem kleinen Restaurant. Es liegt ruhig – etwas außerhalb des Zentrums – auf einer kleinen Anhöhe. Außer uns ist kaum jemand da. Dekoratioin gibt es keine und so sieht der große, viereckige Raum mit 30 Tischen ein bisschen wie eine Mensa aus. Die Stille und der Schatten sind entspannend.

Wegen der Fliegen und Mücken, erklärt Roque, haben die Besitzer das Restaurant vollständig mit einem Gitter umringt. Das Radio ist an und uns plärren amerikanische Popsongs entgegen, die sich mit honduranischen Klassikern  abwechseln. An der Decke hängt ein riesiger Flachbildschirm, der aber ausgeschaltet ist. Weiterlesen