Kolumbien: Friedensarbeiter an der Basis

Margarita Martines und Gloria Viuda Hidalgo (Laien einer Coppas-­ Gruppe) besuchen die im Rollstuhl sitzende Luz Angelica Guevera. Fotos: Jürgen Escher

Wir sind in Pasto angekommen, der letzten Station unserer Kolumbienreise. Die auf 2.500 Metern Höhe in einem Tal der Anden gelegene Stadt war lange durch ihre Abgeschiedenheit vom Rest Kolumbiens abgetrennt. Erst seitdem die Pan-Americana-Autobahn sich auf dem Weg an die nur 90 Kilometer entfernte Grenze zu Ecuador an Pasto entlang vorbeischlängelt, fand die Region wieder den Anschluss.

Doch der vom fernen Bogotá aus gesteuerte Staat ist immer noch weit entfernt. Unter Ex-Präsident Álvaro Uribe flossen sogar über Jahre kaum öffentliche Gelder in die von der Opposition regierte Region. Die Ergebnisse der Vernachlässigung sind überall: schlechte Schulen, mangelhaft ausgestattete Hospitäler, kaum Ausbildungs- oder Arbeitsplätze, Sozialwohnungen nur für Anhänger der Regierung, dazu mit Schlaglöchern übersäte Wege. Weiterlesen

Kolumbien: Die Goldschürfer des Rio Quito

Goldwäscherin am Ufer des Rio Quito. Fotos: Jürgen Escher

Gemächlich fließt der Rio Atrato an Quibdó vorbei, der Hauptstadt des Departamento Chocó. Seine der Stadt zugewandte Hälfte ist schwarz, am gegenüber liegenden Ufer ist der Fluss ockerfarben. Unser Boot steuert quer durch den Atrato in Richtung der Quelle des ockerfarbenen Wassers: dem Rio Quito, der schräg gegenüber der Uferpromenade Malecon in den Atrato fließt.

Wir sind auf der Suche nach den Goldgräbern des Rio Quito, und das ockerfarbene Wasser ist ihre Spur. Schwimmende Goldbagger saugen den goldhaltigen Flusssand auf, lassen ihn über Lamellen laufen, auf denen das Gold hängenbleibt. Der Flusssand fließt zurück in den Fluss, der durch die Sedimente seine Farbe ändert. Folgen wir dem ockerfarbenen Wasser, finden wir die Goldbagger. Weiterlesen

Kolumbien: Rap für den Frieden

Die Alianza Urbana in ihrem Probenraum – das sind rund 20 Jugendliche, die Hip Hop und Rap mit sozialkritischen Texten auf die Bühne bringen.

Die Alianza Urbana in ihrem Probenraum – das sind rund 20 Jugendliche, die Hip Hop und Rap mit sozialkritischen Texten auf die Bühne bringen. Fotos: Jürgen Escher

Die Bässe wummern, der Beat überschlägt sich fast. Die dicken Boxen blasen den Sound durch die Straßen der Nachbarschaft. Ghettoblaster. Big Lion, Georgekin und Paola rappen in einem kleinen Schuppen am Rande von Quibdó, der Hauptstadt des Departamento Chocó. Dazu tanzen sie im besten Hip Hop Style was das Zeug hält.

Die Hälfte der Einwohner Chocós sind unter 18 Jahre alt, Jugend umzingelt vom Chaos. Schlechte Schulen, mangelnde Ausbildungs- und Arbeitsplätze, Drogen, Gewalt und Armut – die Aussichten für die nächste Generation des Departamento Chocó sind nicht gerade rosig. „Sie sind die Kraft für unser Land“ singen die Jugendlichen der Alianza Urbana über sich und ihre Altersgenossen, „und sie wollen eine Zukunft in Sicherheit.“ Weiterlesen

Kolumbien: Die Benzinschmuggler von Tres Bocas

Bischof Omar besucht die Familie von Alejandro Ribeiro (links) im Grenzort „Tres bocas“. Die Familie lebt vom Benzinschmuggel. Fotos: Jürgen Escher

„Se vende gasolina“. Die Straßen rund um die Stadt Tibú sind gesäumt von kleinen Holzbuden, in denen Benzin verkauft wird. Statt Zapfsäulen bekommt man den Treibstoff in ausgedienten Cola-Flaschen oder Wasser-Kanistern, und das zum niedrigen Preis.

Tibú, wo wir bei Bischof Omar Alberto Sánchez zu Besuch sind, liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Venezuela entfernt. Die Urwaldwege an den Grenzfluss sind von kleinen Fördertürmen der staatlichen Ecopetrol gesäumt, Kolumbiens Ölförderer Nummer Eins. Doch durch die an den Wegen verlegten Pipelines fließt nur schweres Rohöl, unbrauchbar für das Betanken der Autos. Weiterlesen

Kolumbien: Die Geiseln der Coca

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Bischof Omar hat einen Traum: ein Coca-freies Catatumbo. Gemeinsam mit Bauern (hier im Bergdorf Pacelli) entwickelt der Bischof einen alternativen Plan zum Anbau landwirtschaftlicher Produkte in der Region. Fotos: Jürgen Escher

„Die Coca-Pflanze öffnet hier ständig neue Wege“. Omar Alberto Sánchez, Bischof von Tibú und Ende des Jahres im Rahmen der Adveniat-Jahresaktion zu Gast in Deutschland, sitzt am Steuer seines Landrovers „Hercules“. Und wundert sich. Links und rechts der Schlaglochpiste, über die wir seit Stunden hinwegrumpeln, entdeckt der Bischof neue, ihm bisher unbekannte Wege. „Wo neue Coca-Pflanzungen entstehen sollen, müssen erst mal neue Wege angelegt werden.“

Wir sind in der Region Catatumbo unterwegs, dem Einzugsgebiet des gleichnamigen Flusses an der Grenze von Kolumbien und Venezuela. Einst wurde hier Kakao, Kaffee und Zuckerrohr angebaut. Mitte der 90er Jahre hielt dann die Coca-Pflanze Einzug in die entlegene Region. Weiterlesen

Kolumbien: „Tranquilo, no hay problemas“

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Mit „Hercules“, dem 19 Jahre alten Landrover geht es durch den Fluss. Am Steuer der Bischof von Tibú. Fotos: Jürgen Escher

Wer denkt, dass Reisen in Lateinamerika ein Zuckerschlecken ist, irrt. Um 7 Uhr morgens soll unser Flieger von Tumaco nach Cali starten. Doch seit den frühen Morgenstunden peitscht ein Sturm über die Küstenstadt im äußersten Südwesten Kolumbiens. An Schlafen ist nicht zu denken. Und ans Reisen ebenso wenig. Solange eine Wolkendecke über der kurzen Flugpiste liegt, werden wir hier nicht wegkommen, das ist uns klar.

Um 6 Uhr gleicht Tumaco einem riesigen See. Kniehoch steht das Wasser in den Straßen. Der Flieger aus Cali, der uns auf dem Rückweg hoch in die Berge mitnehmen soll, kommt erst gar nicht. Wie ein Kartenhaus bricht unser Reiseplan zusammen: die beiden Anschlussflüge hinauf in den Nordosten werden wir verpassen. Und der Bischof von Tibú, unserem nächsten Ziel nahe der Grenze zu Venezuela, wird vergeblich am Flughafen von Cucuta auf uns warten. Weiterlesen