Am Rand von Havanna

In Kuba gibt es schönere Ecken als La Guinera. Kein Strand, keine Wellen, stattdessen die Straße von Havanna Richtung Osten, alte LKW und uralte Privatwagen mit defektem Auspuff dröhnen durch den Ort. Schöner wohnen sieht anders aus.

Die Ordensfrauen haben sich vor allem dem Dienst an den Armen, Kranken und Alten verschrieben.

Die Ordensfrauen in La Guinera haben sich vor allem dem Dienst an den Armen, Kranken und Alten verschrieben.

Wer hier gelandet ist, hat eigentlich anderes gesucht. „Die meisten Menschen hier stammen aus dem Landesinneren“, berichtet Schwester Lucia Mercedes Tineo. „Sie sahen dort keine Perspektive mehr und wollten ihr Glück in der Havanna versuchen.“ Jetzt sind sie hier, in La Guinera, 20 Kilometer weg von der Hauptstadt. Weiterlesen

Kuba: Ein gewisser Benedikt

Manchmal bestaunen die Jugendlichen auf der Straße das große, silberne Kreuz, das Wilfredo Pino Estévez um seine Hals trägt. „Kaum zu glauben, aber einige der Jungen und Mädchen wissen nicht, wer ‚la Figura’, die Figur mit den ausgebreiteten Armen ist“, erzählt uns Monseñor beim Abendessen.

Ein Klippen-Springer in Acapulco, der sich zum Sprung bereit macht? Ein Superheld aus einem Komik? Alles scheint möglich. “Es ist wirklich schockierend, wie wenig die jungen Leute in Kuba heute von Jesus und der Kirche wissen. Der staatlich verordnete Atheismus hat seit der Revolution ganze Arbeit geleistet.” Weiterlesen

Kuba: Die Jungfrau auf großer Fahrt

Es gab ganz genaue Anweisungen vom Bischof: Die Virgen de la Caridad darf nur im Kofferraum eines Spezial-Autos transportiert und nur wenige Meter zu ihrem Bestimmungsort getragen werden. Immer auf den Schultern vor vier starken Männern. Darauf hat Monseñor Dionsio García bestanden. Als Erzbischof von Santiago de Cuba ist die Marienstatue in seiner Obhut.

Zum 400. Jahrestag des Nationalheiligtums von El Cobre hat sich die „Barmherzige Jungfrau“ zu einer großen Reise durch das ganze Land aufgemacht. Die zierliche Figur mit der Krone, dem goldenen Umhang und dem süßen Lächeln, ist die Schutzpatronin Kubas. Wenn Papst Benedikt XVI. Ende März die Karibikinsel besucht, dann wird er nicht nur in zwei großen Messen zu den Inselbewohnern sprechen – er wird auch als Pilger zur Jungfrau von Cobre reisen. Weiterlesen

Kuba: Der Jesus im Wasserglas

Der kleine zahnlose Mann will die Hand von Bischof Wilfredo Pino Estévez gar nicht mehr loslassen. Immer wieder streicht er über das Kreuz, das Monseñor um den Hals trägt und rüttelt etwas übertrieben am Unterarm des Geistlichen. Ganz schön hartnäckig! Aber der Bischof scheint das zu kennen. „Dieser Mann ist ein Santero”, erklärt er uns, nachdem der Alte, nach mehreren kräftigen Schulterklopfern, endlich von ihm abgelassen hat.

“Santería“, so nennt man in Kuba den Glauben, den einst die Sklaven aus Afrika mit auf die Karibikinsel brachten. Die Kolonialherren verboten den Zwangarbeitern die Ausübung ihres Glaubens, ließen sie taufen und verbannten die Darstellungen ihrer Götter. Aber die Menschen wussten sich zu helfen: Sie besetzten – wie in anderen Ländern Lateinamerikas auch – die Heiligenfiguren aus dem katholischen Glauben kurzerhand mit den Charakteren ihrer Götter. Weiterlesen

Kuba: Nancy und Alessandro

Nancy ist jung und schön und liebt Alessandro. Alessandro ist jung und schön, er liebt Nancy auch – aber er hat Angst, seine Freiheit zu verlieren. Jetzt steht Nancy in der Bibliothek zwischen den Regalreihen vor ihm und will reden. Am Morgen hat sie einen Schwangerschaftstest gemacht und der weiße Streifen hat sich blitzschnell blau gefärbt. Nancy bekommt ein Baby – kein Zweifel.

Zufällig, auf der Suche nach einem Buch, ist Nancys Schwester Yordanka in Nancys Zimmer gegangen und hat, rein zufällig, den Papierkorb umgeworfen. Dabei findet sie – wie könnte es anders sein – den Schwangerschaftstest. Sie rennt aus dem Haus. Zeitgleich in der Bibliothek: Nancy hat Alessandro erzählt, dass sie schwanger ist. Er schreit, will, dass sie das Kind wegmachen lässt. Beim Wort “Abtreibung” fliegt die Tür auf – Yordanka! Alle machen ein entsetztes Gesicht, dann kommt dramatische Musik und der Abspann. Weiterlesen

Kuba: Maria im Schönheitssalon

Maria im Schönheitssalon 2Der Besuch im “Schönheitssalon” war schon seit Jahren überfällig. Der Marienfigur in der Kathedrale von Havanna fehlten drei Finger. Das zarte Rosa war von den Wangen abgeblättert und ihr Mantel schon lange nicht mehr strahlend blau mit silbernen Sternen. Im Laufe der Jahrhunderte hatte man die Statue immer wieder mit Öl eingerieben, um sie zu pflegen. Dabei wurde leider nicht bemerkt, dass die Farbe des Umhangs öllöslich ist. Das Gewand der Jungfrau sah verschmiert und unsauber aus. Weiterlesen