Kindermigration: Bei den Ameisen

Yenifer besucht regelmäßig das Kinderzentrum »Las Hormigas« in einem Armenviertel in der nordmexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez. Foto: ole schmidt

Auch Cintia besucht regelmäßig das Kinderzentrum »Las Hormigas« in einem Armenviertel in der nordmexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez. Foto: ole schmidt

In der Grenzstadt Ciudad Juárez, die mit ihrer Zwillingsmetropole El Paso ein ganzes weites Tal füllt, besuchen wir die Ameisen. „Las Hormigas“, nennt sich die kleine Organisation, die zwei ehemalige Ordensschwestern in einem der ärmsten Viertel entlang des Grenzzauns gegründet haben. Hier im Nordwesten der Stadt leben die Zugezogenen aus anderen Landesteilen Mexikos, die in den Industrie­ge­bieten im Südosten der Metropole die Werkbänke der Weltmarktfabriken füllen.

„Die Ameisen“, die ein kühles hohes Lehmhaus mit Blick auf die USA bewohnen, arbeiten emsig, in kleinen Schritten und mit langem Atem an der sozialen Entwicklung des Viertels Anapra, dessen Bild von Gartenzäune aus Paletten, verwahrloste Hunde und staubige breite Straßen geprägt ist. Sie laden Kinder zu sich ein, die in der Schule Lernschwächen zeigen, auffällig werden; sie bieten ihnen Hausaufgaben­hilfe mit Montessori-Materialien und Gestalttherapie an – und das mit erstaunlichen Erfolgen. Weiterlesen

Kindermigration: Nur noch eine Tagesreise zur Grenze der USA

Der 14-jährige Andy ist aus Honduras geflohen, er träumt davon, in den USA sein Abitur zu machen. Foto: ole schmidt

Der 14-jährige Andy ist aus Honduras geflohen, er träumt davon, in den USA sein Abitur zu machen. Foto: ole schmidt

Am nächsten Morgen verlassen wir das Zentrum von Saltillo Richtung Bahnschienen. Hier liegt die Migrantenherberge Betlehem hinter Wandgemälden und Schriftzügen. Ein Mann aus Honduras macht uns das Tor auf. Angesichts von Kamera und gezücktem Schreibblock verzichtet er auf die Routinedurchsuchung am Eingang und winkt uns freundlich durch.

In dieser Herberge wird nicht Dame sondern Domino gespielt. Die vier Spieler werden von einer ganzen Gruppe von Zuschauern umringt, Männer, Frauen, Kinder und Kinder, die mit ihren Kindern reisen. Wie die 17-jährige Ingrid aus Guatemala, die mit dem einjährigen Sohn Johnny unterwegs ist. Die meisten aus der Versammlung kommen aus Mittelamerika, doch auch drei Inder sitzen mit auf den Bänken und ein Russe Anfang 60, der keine Schneidezähne hat, aber einen Waschbrettbauch und sagt, dass er vor dem KGB auf der Flucht ist. Weiterlesen

Kindermigration: Eindringliche Worte eines Bischofs

Raúl Vera, der Bischof von Saltillo, ist wegen seines Einsatzes für Migranten mehrfach von Mafiakartellen bedroht worden. Foto: ole schmidt

Raúl Vera, der Bischof von Saltillo, ist wegen seines Einsatzes für Migranten mehrfach von Mafiakartellen bedroht worden. Foto: ole schmidt

Als wir seine Privatresidenz in der Stadt Saltillo betreten, wirkt er alt und gebeugt. Kein Wunder mit seinen inzwischen 75 Jahren. Doch nach dem Fototermin im Hof, vor dem Relief der Jungfrau von Guadalupe, der Schutzheiligen Mexikos, als die Sprache schließlich auf die Kindern und Jugendlichen in der Migration kommt, da sprudeln die Worte nur so aus ihm heraus. Unser Gesprächspartner, Bischof Raúl Vera, gestikuliert so energisch, dass es nun kaum noch möglich ist, Fotos von ihm zu schießen. Weiterlesen

Kindermigration: „Hunger bis zum Umfallen, das kenne ich von Zuhause“

Zwei Kindermigranten in der Herberge von Fray Tomás in Tenosique. Foto: øle schmidt

Zwei Kindermigranten in der Herberge von Fray Tomás in Tenosique. Foto: øle schmidt

Sechzig Kilometer hinter der Grenze liegt Tenosique. Die Migranten erreichen die verschlafene Provinzstadt inmitten unendlicher Kuhweiden zu Fuß. Sie durchqueren Sümpfe und Flüsse. In der Krankenstation der Migrantenherberge „72“ waschen ihnen Freiwillige aus Mexiko und aller Welt die Füße und desinfizieren die aufgesprungenen Blasen.

Im Eingangsbereich der Herberge grüßt Monseñor Oscar Romero. Vor dem Gemälde des Befreiungstheologen aus El Salvador, der zum Auftakt des Bürgerkriegs in El Salvador erschossen wurde, stehen Blumen. Romero kann wohl zu Recht als geistiger Vater von Fray Tomás González gelten, dem Leiter der Herberge. Der Franziskaner hat sie vor vier Jahren nach den 72 Migranten benannt, die in Nordmexiko Opfer eines Massakers wurden. Weiterlesen

Kindermigration: Von Mittelamerika nach Mexiko

Migration

Das Schild der Migrationsbehörde an der Südgrenze von Guatemala nach Mexiko. Foto: øle schmidt

Guatemala: Saftige, grüne Landschaften ziehen wie im Zeitraffer an uns vorüber. Kautschukanpflanzungen wechseln Zuckerrohrplantagen ab. In malerischen Flussbetten liegen riesige, glatt gewaschene Steine. Unser Bus knattert, die Klimaanlage ächzt.

Vor uns sitzen zwei Halbwüchsige in Begleitung eines Mannes. Ein Vater mit seinen Söhnen, so scheint es. Je näher die Grenze kommt, desto unruhiger werden sie. Die Flussüberquerung wird besprochen, ein Treffpunkt für alle Fälle in Mexiko vereinbart. Jetzt wird klar, ein Coyote ist hier mit zwei Jungs auf den Weg nach Norden. Ins „Gelobte Land“, in die USA. Weiterlesen

Wo lebt Gott in der Stadt?

„Wo lebt Gott in der Stadt?“ Mit dieser Frage des Moderators Dr. Michael Sievernich an die vier Forumsteilnehmer endete am 28.02.2013 die letzte Arbeitssitzung des Kongresses, die der Stadtpastoral gewidmet wurde. Der Kongress fand seit Mittwoch, dem 26.02.2013 in den Räumlichkeiten der Mexikanischen Bischofskonferenz, der Casa Lago, statt.

Durch die Aussteller und Teilnehmer, die sich nicht nur in ihren Spezialgebieten unterschieden sondern auch aus Deutschland, Mexiko, Argentinien, Bolivien, Peru, Ekuador, Panama, Brasilien, Kolumbien und Chile kamen und zusätzlich verschiedenen Generationen angehören, wurde der Kongress zu einem reichen Ort an Erfahrungs- und Ideenaustausch. Weiterlesen