Fotografen…fotografiert

Im Adveniat-Blog erleben wir, dass Reisegeschichten immer einen ganz besonderen Charme haben. Für den Reisenden ist das Erlebte neu und fremd, die Eindrücke einmalig und besonders intensiv.
Aber wie ist das für diejenigen, die Besuch aus der Ferne bekommen?
Einer unserer Projektpartner hat der Adveniat-Redaktion nach dem Treffen mit den aktuell bloggenden Journalisten einen Brief geschrieben:

Liebe Frau Freitag, liebe Adveniat-Mitarbeiter,

ich möchte Sie darüber informieren, dass der Besuch der Journalisten von Adveniat ein voller Erfolg war. Trotz der so kurzen Zeit, die sie zur Einhaltung ihrer Ziele eingeplant hatten, wie z. B. das Leben einer Familie in ihrer Umgebung innerhalb der Pfarrei in Zusammenarbeit mit den Führern der Gemeinde (líderes comunitarios) zu dokumentieren, haben sie es geschafft, sehr gute Inhalte festzuhalten. Dazu beigetragen hat mit Sicherheit auch unser erfahrenes Team, das schon seit Jahren in dieser Gegend Bildungskurse durchführt. Weiterlesen

Nicaragua: Stein reich

Alberto Juans Vater hatte unrecht. Ein Großteil des Landes, das die Familie seit Generationen bewirtschaftet, besteht aus kargen Felsen. Von ganz oben hat man zwar einen schönen Ausblick über die hügelige Landschaft bis zu den Vulkanen, aber aus wirtschaftlicher Sicht seien die Steine nichts wert, da war sich der Papa sicher.

Alberto der Bildhauer in Nicaragua

Alberto der Bildhauer

Eines Tages, Alberto war gerade 31 Jahre alt geworden, sah er bei der Ananasernte am Berghang hoch zu dem großen überhängenden Felsen. „Mir kam es vor, als würde mir da ein Adler mit einem spitz gebogenen Schnabel entgegen schauen“, erinnert er sich. Er besorgte sich einen Meißel und machte sich daran, der Natur etwas nachzuhelfen. Als er fertig war und einen stolzen Vogel mit weit ausgebreiteten Flügeln in den Felsen gehauen hatte, war Alberto so begeistert, dass er mehr wollte. Ein paar Meter weiter entdeckte er einen Vorsprung, geschwungen wie eine Schlange. Alberto ging erneut ans Werk… Weiterlesen

Nicaragua: José? Maria? Oder Circuncisión

Den richtigen Namen für sein Kind zu finden, ist oft nicht einfach. Häufig diskutieren werdende Eltern in Deutschland monatelang darüber, wie ihr Spross heißen soll. Einige kaufen sogar Namens-Bücher und studieren hunderte Seiten lange Listen mit Vorschlägen von Adrian bis Zorro.

Hier noch eine eher klassische Variante.

In Nicaragua, vor allem in ländlichen Gebieten, ist die Namensfindung dagegen oft ganz einfach. Ein Blick auf den Kalender im Wohnzimmer genügt: Neben dem Datum steht dort immer auch der Tagesheilige. Wer also am 4. Oktober geboren ist, heißt automatisch Francisco oder Francisca, am 29. September wird das Neugeborene auf den Namen Gabriel oder Gabriela getauft. Weiterlesen

Nicaragua: Es gibt kein Bier im Land

Ein Bier zur Ankunft? Leider nein. Die Bedienung im „Hotel Camino Real“ schüttelt den Kopf, als wir unsere Bestellung aufgeben. Wir sind eben, nach 24 Stunden unterwegs im Flugzeug, in Nicaragua angekommen. Heute gebe es nur nicht alkoholische Getränke. „Tut mir leid, heute sind bei uns Kommunalwahlen“, sagt sie.

Eindeutig ein "Archivbild"

Merkel oder Steinbrück? Dass man in Deutschland am Wahlabend kein Bier trinken darf – erscheint uns eher seltsam. Wenn nicht am Wahlabend wann dann… könnte man meinen? Aber die Bedienung bleibt eisern, über das „ley seca“, das „trockene Gesetz“ wird nicht diskutiert. Also dann: Zwei Wasser bitte! Weiterlesen

Kleine Öfen auf dem Mittagstisch

anafres-im-restaurantGleich nach der Ankunft in der Hauptstadt Tegucigalpa sorgt unser Gastgeber Roque Zelaya dafür, dass wir landestypisches Essen probieren. Der Künstler nimmt uns mit zu einem kleinen Restaurant. Es liegt ruhig – etwas außerhalb des Zentrums – auf einer kleinen Anhöhe. Außer uns ist kaum jemand da. Dekoratioin gibt es keine und so sieht der große, viereckige Raum mit 30 Tischen ein bisschen wie eine Mensa aus. Die Stille und der Schatten sind entspannend.

Wegen der Fliegen und Mücken, erklärt Roque, haben die Besitzer das Restaurant vollständig mit einem Gitter umringt. Das Radio ist an und uns plärren amerikanische Popsongs entgegen, die sich mit honduranischen Klassikern  abwechseln. An der Decke hängt ein riesiger Flachbildschirm, der aber ausgeschaltet ist. Weiterlesen

Brasilien – Hauptsache laut

Party in Dom PedroEs ist Freitagabend in Dom Pedro. Partytag. Was macht die Jugend in einem 8000 Einwohner zählenden, verlorenen Nest mitten in der Pampa des Bundesstaat Maranhão? Von dem die nächste Großstadt fünf Fahrtstunden entfernt ist? Ganz einfach, sie trifft sich auf dem Dorfplatz, wo ein paar findige Händler an mobilen Ständen gebratenes Fleisch, eiskaltes Bier, belegte Brote und Säfte verkaufen. Zwei oder drei der Bessergestellten haben ihre Autos mit übergroßen Boxen mitgebracht, werfen eine CD ein, öffnen alle Türen und drehen auf. Egal ob Reggae, Samba, Pop oder alles zusammen – Hauptsache laut. Ein paar Jugendliche klopfen den Takt und schwingen die Hüften zu den schmissigen Rhythmen. Die Anwohner scheint es nicht zu stören. Musik gehört in Brasilien einfach mit zum Leben dazu. Egal ob Live-Musik im Restaurant, rappende Straßenkinder, eine Capoeira-Session am Strand oder die volle Dröhnung vom Nachbarn – nie kämen die Brasilianer auf die Idee, sich darüber zu beschweren. Ungläubige Blicke ernte ich, wenn ich erzähle, dass in Deutschland schon mal die Polizei eine zu laute Party beendet, weil sich die Nachbarn gestört fühlen, oder die Kinder auf Spielplätzen eine Mittagspause einhalten müssen. Weiterlesen