Fragen an die Purisima

La Purisima in der Kathedrale von GranadaDie Inmaculada Concepcion ist Patronin von Nicaragua. Auf der Mondsichel stehend, grüßt die Hocherhobene in unübersehbarer Größe von einem der Hauptplätze Managuas. Viele Kirchen sind ihr geweiht, selbst einer der Vulkane in Nicaragua trägt ihren Namen. Von den Franziskanern nach Lateinamerika gebracht, genießt die Purisima seit Jahrhunderten höchste Verehrung, lange bevor 1854 ihr Dogma verkündet worden ist. Vom Volk wird sie zärtlich Conchita genannt, sei es, weil sie in barocker Manier vor einer geöffneten Muschel dargestellt ist, sei es, weil die Mädchen mit dem Weiterlesen

Ein Equipo von Schatzgräbern

José Arguëllo ist ein hochgebildeter Mann. Nach seinem Studium der Philosophie und der Theologie in Tübingen als DAAD-Stipendiat ist er vor zwanzig Jahren nach Nicaragua zurückgekehrt und hat dort eine Initiative gegründet, die ihresgleichen sucht. Sie setzt an der Wirklichkeit der Armen an in ihrem dauernden Überlebenskampf wie auch ihrer sprühenden Lebenskraft.  Aus der Nähe zum Alltag entstanden die Themen, die das Equipo Teyocoyani für ihre Arbeit aufgriff: Die Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung ebenso wie Verlassenheit, Ausgrenzung, Mord und Totschlag – Themen, die eindringlich auch im Alten und Neuen Testament vorkommen. Die Identifikation mit Gestalten in der Bibel eröffneten neue Sichtweisen hin zu mehr Selbstbewusstsein und Handlungsmöglichkeiten. Diese „Teologia cotidiana“ verbindet das materielle und spirituelle Leben und füllt das Vakuum zwischen wirklichkeitsferner Theologie und dem reichen Fundus von Erfahrungen aus dem  eigenen Volk. Weiterlesen

La Palma Africana

Der Dreikönigs-Morgen beschert plötzlich einen wolkenlosen Himmel. Keine Stunde später sind wir an der Anlegestelle der Lagune und starten in der „Panga Misionera I“  Richtung Kukra Hill. Padre Flavio steuert das Boot schnell und sicher durch die Gewässer entlang der dichten Magrovenwälder, bis wir über einen Seitenarm des Flusses dieses traumhaft gelegene Dorfes erreichen. Vor der grün gestrichenen Capilla San Juan Bautista de La Salle erfahren wir durch einige Lideres dieser Afro Mestizo Gemeinde etwas von ihrem Leben. Weiterlesen

Wohin die Spanier nicht kamen

Miembros del consejo parroquial y de economíaEs schüttet wie aus Kübeln in Bluefields. Hier regnet es dreizehn Monate im Jahr, lacht Padre Flavio. Was nicht hindert, dass die Menschen permanent unterwegs sind und zusammenkommen. Unter einem prasselnden Kirchendach sitzend erwartet uns bereits die Versammlung der ca 25 Evangelizadores. Sie berichten von ihren Besuchen zu zweit bei den Nachbarn ihres Barrio, wo sie anklopfen und in die Aussichtslosigkeit von Armut und Gewalt hinein die biblische Botschaft tragen. Umgeben von unzähligen Sektenkirchen mit ihren oft aggressiven Methoden wollen sie Zeugnis geben von dem, was sie selber trägt und was sie in ihren Bibelkursen reflektiert haben. Man nimmt ihnen in ihrer Ernsthaftigkeit und ihrem Realitätssinn ab, wie sie durch den eigenen Glauben Lebenskrisen überwinden und Hoffnung weitergeben koennen. Weiterlesen

Tod eines Kaffeepflückers

Eleusio wollte nur nach seiner roten Mütze greifen, die ihm heruntergefallen war. Dabei stürzte er kopfüber die Rampe des Lastwagens herunter, wurde überrollt und war auf der Stelle tot. Nun liegt der junge Mann Kaffeepflücker auf dem Werk zum Ernteeinsatzleblos auf der offenen Ladefläche, um ihn her ein aufgeregtes Stimmengewirr, man ruft nach Freunden oder Familienangehörigen. Für die Kaffeepflücker, die sich gerade auf den Weg gemacht hatten zu einem zweiwöchigen Einsatz in der Kaffeeernte , verzögert sich ihre Reise. Unruhe breitet sich aus, solche Unfälle passieren oft in dieser Zeit… Weiterlesen

„Wie fröhlich ist Waslala jetzt“

Der Name Waslala hat einen besonderen Klang. In der indigenen Sprache der Misquitos bedeutet er „Silberfluss“. Und der zieht sich wie ein unsichtbares Band durch die Erzählungen von Junio, der uns am letzten Tag des Jahres im Pick-Up durch die wellige, tropisch-grüne Berglandschaft von Managua nach Waslala bringt (236 km).

Junio, ein ca. vierzigjähriger Brasilianer ist seit einigen Jahren in der Pfarrei Maria Inmaculada von Waslala führend tätig. Für ihn wie für die anderen Mitglieder der Pastoral-Equipe ist Waslala zum zentralen Lebensort geworden, mehr noch, Waslala gilt ihnen als der eigentliche Mittel- und Anziehungspunkt Nicaraguas. Hier komme alles zusammen, was in einer menschen-nahen Pastoral zusammengehört: Die Arbeit mit den vielen Kindern und Jugendlichen (samt ihrer fantastischen Musik-Band), Reflexion zu Bibel und Lebenswirklichkeit, Gesundheitsprogramme und Förderung der Kleinbauern, bis hin zu einer „Pastoral del agua“ – alles fließe hier, wir würden es bald selbst erleben. Weiterlesen