Paraguay: (M)ein musikalisches Zuhause

Semillas_Ceci

Ceci in ihrem Büro

Semillas Musicales ist ein Musikkonservatorium, das von meiner Gastmutter Cecilia und meinem Gastpapa Pepe vor vier Jahren, mit der Hilfe der Fundación Jerovia Pyahu gegründet wurde. Pepe und Ceci sind Missionare und vor elf Jahren mit ihren drei Kindern Guadalupe (19), Sebas (17) und Mimi (14) von Ecuador nach Paraguay gezogen.

Das „Conservatorio de Música Semillas Musicales“ ist Teil von und wird unterstützt durch „Sonidos de la Tierra“, der Partnerorganisation von Adveniat, über die ich meinen Freiwilligendienst absolviere. Sonidos ist ein Netz aus Musikschulen im ganzen Land, die auf lokaler Ebene Musik unterrichten und eigenständig sind. Aber als Teil von Sonidos gibt es aber auch viele überregionale Konzerte und Treffen, die gemeinsam mit den Schulen organisiert werden. Weiterlesen

Paraguay: Die “Transchaco” und der “Bischoff Überall”

Bischof Lucio Alfert mit seinem Geländewagen unterwegs im Chaco.

Bischof Lucio Alfert mit seinem Geländewagen unterwegs im Chaco.

Der Regen kommt mit aller Macht. Endlich! Erdrückende 40 Grad hatten seit Tagen über dem paraguayischen Chaco gelegen, jeder Schritt in der grellen Sonne ist eine kleine Tortur. Doch jetzt prasseln dicke Tropfen auf die staubige Erde, die zuvor von der intensiven Sonne ausgetrocknet und hartgebacken worden war.

Die Transchaco, eine erst vor wenigen Jahren asphaltierte und trotzdem schon löchrige Piste, verwandelt sich in reinstes Aquaplaning. Nachdem er bereits in den Stunden vor dem Regen hunderten Schlaglöchern ausweichen musste, heisst es für Bischof Lucio Alfert nun, den Wagen trotz Wassermassen in der Spur zu halten. „Ich habe mal nachgerechnet, auf der Transchaco bin ich schon rund 1,5 Millionen Kilometer gefahren.” Bischof Alfert grinst und bleibt ruhig. Weiterlesen

Paraguay: Zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit

Maria Gonzales, ihr Schwager Ever Salinas Lopez und ihre Schwägerin Sani Lopez vor ihrer Hütte.

Maria Gonzales, ihr Schwager Ever Salinas Lopez und ihre Schwägerin Sani Lopez vor ihrer Hütte.

Bañado Tacumbú – der Name steht für den traurigsten Ort, den wir auf unserer 3-wöchigen Reise durch Argentinien und Paraguay besuchten. Wir sind am südlichen Stadtrand der paraguayischen Hauptstadt Asunción, in einem der zahlreichen Elendsviertel, die die Peripherie der Stadt bilden.

Bruder „Carlos”, eigentlich Charles Fitzsimmons, führt uns über eine staubige Straße zu der Hütte von Maria Gonzales und ihrer Schwägerin Sani Lopez. Maria ist gerade einmal 17 Jahre alt. Doch von Jugend ist bei ihr keine Spur. Zwei kleine Kinder hat sie bereits, ihre Schwägerin Sani hat vor wenigen Monaten ihr erstes Kind bekommen. Beide wirken abgekämpft. Weiterlesen

Delegation: Von den zwei Welten und dem Händeschütteln im Chaco

Im Chaco gibt es zwei Welten: Die der Siedler, zum großen Teil deutschstämmige Mennoniten, und die der Indígenas. Fast 600 Kilometer sind wir durch den Chaco gefahren, von Asunción nach Norden. Gemeinsam mit leeren Viehlastern rollen wir über die einzige asphaltierte Strecke dieser Region, die Transchaco. Entgegen kommen uns Viehtransporter, auf denen Rinder blöken: Paraguay exportiert mehr Rindfleisch als Argentinien, und der Chaco ist die größte Weidefläche.

Täglich werden rund 1.000 Hektar Wald oder Macchiata pro Tag im Chaco gerodet, um Platz zu schaffen für neue Weideflächen. Mit großen Planierraupen reißen die Siedler das Gehölz aus dem Boden. Täglich wird eine Fläche von 500 Fußballfeldern in Paraguay abgeholzt. Aus dem gerodeten Holz wird Holzkohle hergestellt. 50.000 Tonnen Holzkohle pro Jahr sind es, die aus Paraguay vor allem nach Europa exportiert werden. In Deutschland wird die Holzkohle als Produkt aus „Abfallholz“ deklariert – so kann man es auch bezeichnen, wenn man den Wald gerodet hat, um den Raum für Viehzucht zu nutzen. Im „Chaco-Magazin“, einer Zeitschrift für die Viehzüchter, setzt man sich sogar kritisch mit der Waldrodung auseinander – und empfiehlt den Anbau von Eukalyptusbäumen. Die sind drei Jahre nach dem Pflanzen der Setzlinge so groß, dass man sie fällen und verkaufen kann. Weiterlesen

Delegation: Mit Musik Zukunftschancen eröffnen

Im Gemeindesaal der Pfarrei San Felipe in Asunción herrscht gespannte Aufmerksamkeit. Rund 70 junge Musiker, Mädchen und Jungen, haben sich mit ihren Saiteninstrumenten aufgereiht, um uns ihr Können zu beweisen. Und sie bringen es stolz zu Gehör. „Die Musik hat das Leben in unserem Barrio verändert“, sagt Angelica Viveros, die Koordinatorin des Projektes in der Pfarrei. „Die Kinder haben etwas, das ihnen zeigt: Ich bin zu etwas fähig, ich kann etwas, und es macht Spaß.“

Bischof Karl-Heinz Wiesemann mit Angelica Viveros (Mitte), der Koordinatorin von "Sonidos de la Tierra" in der Pfarrei San Felipe.

Bischof Karl-Heinz Wiesemann mit Angelica Viveros (Mitte), der Koordinatorin von "Sonidos de la Tierra" in der Pfarrei San Felipe.

San Felipe ist eine Pfarrei in einem Armenviertel am Río Paraguay. Der Fluss ist über die Ufer getreten und hat weite Teile der Pfarrei überschwemmt. Unser Wagen muss durch knietiefe Seen fahren, die sich auf den Straßen gebildet haben. Mehr als 2.000 Familien sind betroffen, einige mussten ihre Häuser räumen. Padre Pedro Velasco, ein spanischer Priester, der seit 43 Jahren in Paraguay wirkt, erinnert sich an noch schlimmere Überschwemmungen. Mehr als zwei Meter habe 1983 die ganze Pfarrei unter Wasser gestanden, erinnert er sich. Dennoch kehrten die Leute zurück, bauten ihre Häuser wieder auf. „Wo sollen sie denn hin“, fragt er. „Den Armen bleiben nur die Häuser am Fluss, die Reichen wohnen auf den Höhen.“ Weiterlesen

Delegation: Steinerne Zeugnisse der alten Freiheit

Die steinernen Zeugnisse der untergegangenen Jesuitenreduktionen sind beeindruckend. Obwohl nur noch Ruinen, zeigen sie die Größe und die kluge Planung der Arbeit der Jesuiten bei den Guaraní-Indianern, wie sie die Struktur und die Traditionen der Indígenas beibehielten, ihnen den katholischen Glauben nahe brachten und sie zudem vor den Sklavenjägern, vor allem den „Bandeirantes“ aus dem nahe gelegenen Brasilien schützten.

Von Encarnación kommend, haben wir uns die beiden Reduktionen „La Santísima Trinidad de Paraná“ (Die Allerheiligste Dreifaltigkeit zu Paraná) und „Jesús de Tavarangüe“ angesehen. Beide Orte wurden 1993 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. 1685 bzw. 1706 gegründet, gehören sie zu den jüngeren Reduktionen im Gebiet zwischen dem ehemaligen spanischen Vizekönigreich Peru und dem zu Portugal gehörenden Brasilien. Weiterlesen