Unterwegs zum 12. Treffen der Basisgemeinden in Porto Velho (Amazonien)

Voller Überraschungen ist mein Weg zum Treffen der Basisgemeinden Brasiliens (Comunidades Eclesiais de Base-CEBs), das erstmals im Amazonasgebiet stattfindet, nämlich in Porto Velho, der Hauptstadt des Bundesstaats Rondônia. Im Flieger von Frankfurt nach São Paulo treffe ich die langjährige Freundin Gleice. Sie lebt in Porto Velho und kehrt gerade von einer Europareise zurück, auf der sie eine Gruppe von fünf indigenen Völkern der Region begleitet hat. In verschiedenen Völkerkundemuseen fanden Besuche und Workshops statt, in denen es um die Kunst des Federschmucks ging. Die Begegnungen waren ein Geben und Nehmen, denn die Indigenen entdeckten in Exponaten und auf Fotos Techniken von Vorfahren und anderen Völker, die aufgrund der vielfältigen Bedrohungen heute nicht mehr praktiziert werden. Ebenso wie Sprache, Religion, Tanz und Musik – erklärt Gleice – ist der Federschmuck bis heute bei einigen Indígenas ein Element kultureller Ausdruckform, das eine wichtige Rolle für die Identität spielt und damit für den Überlebenskampf dieser Völker. Weiterlesen

Die Kinder des Urwalds

Bischof Gerardo Zerdin ist ein Missionar aus Leidenschaft. Noch immer ist er am liebsten mit dem Boot unterwegs, die Hand am Außenborder des Aluminiumbootes auf den Flüssen, die das Wasser von den Bergen der Anden hinab leiten Richtung Brasilien und Amazonas. Nur 350 Kilometer sind es von Lima bis nach San Ramón, dem Bischofssitz des Apostolischen Vikariates, dessen Gebiet bis zur brasilianischen Grenze reicht. Das sind weitere 700 Kilometer – und da es hier, in der „Selva Central“, dem „mittleren Urwald“ Perus, keine Straßen mehr gibt, die weiterführen nach Osten, muss der Bischof entweder ein Kleinflugzeug nehmen oder aber das Boot. Weiterlesen

Die Krankheit der Armen

Gestern Abend waren wir in Comas, einem weiteren Stadtteil Limas. Die Fahrt vom Zentrum durch den samstäglichen Verkehr war ein steter Kampf unseres Fahrers mit den anderen Autofahrern. Wenn es Regeln für den Autoverkehr in Lima gibt, dann hält sie niemand ein. Von links, von rechts schieben sich Autos, Lastwagen, Motorräder und dazwischen sogar ein Mann im Rollstuhl über die Kreuzungen. Es wird gehupt, gedrängelt, und ich hatte mehr als einmal das Gefühl, dass unser Wagen sich unweigerlich in den von rechts oder links heranbrausenden Wagen bohren müsste. Doch irgendwie ging alles gut. Nach mehr als einer Stunde Fahrt kamen wir in Comas an. Weiterlesen

Wasser für die Zone „R“

Chosica ist eine Großstadt in der Großstadt. Die Stadt wuchs am Rand der peruanischen Hauptstadt Lima, und die wächst nach oben. Bis an die Ränder der steilen Berge bauen die Menschen ihre Hütten und Häuser, und je höher die Häuser liegen, desto jünger sind sie. Niemand möchte gerne dort oben leben, weit weg vom Zentrum, den steilen Weg hinauf. Motorradtaxis bieten ihre Dienste an; es sind motorisierte Rikschas, in denen zwei bis maximal drei Leute sitzen können. Die Motorräder kommen aus Indien, und hunderte von ihnen knattern die steilen Wege hinauf und hinunter, stets eine Staubwolke aufwirbelnd. Sie geben den Rhythmus an in der Stadt. Denn die Busse kommen hier nicht mehr her. Weiterlesen

Ankunft in Lima

Lima ist grau, wie stets, wenn ich hier bin. Typisches Winterwetter für diese Region: Grauer Himmel über dem grauen Pazifik, dessen Wasser knappe zehn Grad kalt ist: Der Humboldtstrom bringt die Kälte aus dem Südpolarmeer an der Küste nach Norden. Grau ist auch die Stadt; denn wo nicht bewässert wird, wächst nichts. Der Río Chillón, der im Norden der peruanischen Hauptstadt von der nahen Andenkordillere hinunter in den Pazifik fließt, führt so gut wie kein Wasser. Die Betonrinne, in den man den Fluss gezwängt hat, ist statt dessen voll mit Müll und Unrat. Weiterlesen

Sieben von zehn Lateinamerikanern leben in Großstädten

In diesem Jahr lebt weltweit mehr als die Hälfte der Menschen in der Stadt. In Lateinamerika wohnen bald 70% der Bevölkerung in Städten. Megacities wie Mexiko-City oder São Paulo stehen vor unglaublichen logistischen Herausforderungen. Denn hier entstehen sieben von zehn Häusern in Eigenleistung, also ohne wirkliche Planung. Die meisten entstehen als Hütten irgendwo am Stadtrand und wachsen dann zu Häusern, mal schneller, mal langsamer. Je nachdem, wie viel Geld eine Familie zur Verfügung hat. Und die Stadt wächst mit, so dass die Menschen, die sich an den Rändern der Großstädte ansiedeln, irgendwann „mitten drin“ leben. Weiterlesen