„Ich möchte eine Zukunft in Venezuela“

Seit über zwei Jahren steckt Venezuela in der Krise. Die Menschen hungern, warten vergeblich auf Medikamente – und demonstrieren. Sechs Venezolaner erzählen von ihrem Land, ihrem Leben und ihren Träumen.

Medizinstudentin Oriana Gutierrez

Medizinstudentin Oriana Gutierrez

Medizinstudentin Oriana Gutierrez, 22 Jahre alt:

„Wir müssen alles selbst mit ins Krankenhaus bringen. Es ist praktisch nichts vorhaden, was wir für unser Studium brauchen.

Ich demonstriere, weil ich ein Venezuela möchte, in dem wir uns frei bewegen können. So wie es war, als ich ein ganz kleines Mädchen war. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass wir damals noch um 23 Uhr sicher nach Hause kommen und ohne Probleme zum Supermarkt gehen konnten.

Ich möchte, dass wir jungen Venezolaner eine Zukunft haben. Ich möchte, dass wir uns von unserer Arbeit als Arzt irgendwann ein eigenes Haus und ein eigenes Auto kaufen können. Derzeit haben wir diese Möglichkeiten nicht.
Ob ich meine Zukunft in Venezuela oder in einem anderen Land sehe, hängt auch davon ab, wie sich die politische Situation entwickelt. Ich glaube, da sind wir jungen Venezolaner alle in der gleichen Situation.“ Weiterlesen

Simón Bolívar hat Geburtstag oder Der General in seinem Labyrinth

Eine Buchempfehlung des Adveniat-Bibliothekars Jörg Dietzel:

Am 24. Juli vor 232 Jahren wurde Simón Bolívar in Caracas/Venezuela geboren, sein Lebenskreis schloss sich am 17. Dezember 1830 in Santa Marta/Kolumbien.

Adveniat-Bibliothekar Jörg Dietzel. Foto: Adveniat/Echterhoff

Adveniat-Bibliothekar Jörg Dietzel. Foto: Adveniat/Echterhoff

Als mich die Kolleginnen aus dem Medienreferat anlässlich seines bevorstehenden Geburtstages um einige schriftliche Gedanken zu S. B. baten, sagte ich gerne zu – ohne zu wissen, worauf ich mich eingelassen hatte! Nun, ich bin weder Historiker noch Journalist. Jedoch gibt es einiges an Literatur über Bolívar, der eine recht vielschichtige Figur im historischen Kontext gewesen sein muss. Weiterlesen

Venezuela: Tag der Unabhängigkeit und der Ungewissheit

A

Am 19. April jährt sich wieder einmal der Unabhängigkeitstag Venezuelas. Seit gut 10 Jahren betreue ich die Projekte dieses Landes, im dem eine Krise der nächsten folgt. Besonders nahe geht mir dabei die Mordstatistik, die jedes Jahr weiter steigt. Es stimmt, sie war auch in früheren Jahren nicht gerade gering; inzwischen steht sie bei 83 pro 100.000 Einwohner, in realen Zahlen: 2014 wurden 24.980 Menschen ermordet. Das Gros der Toten waren Jugendliche unter 25 Jahren.

Welche Zukunft hat ein Land, das seine Jugend verliert? Weiterlesen

Besuch im Orinoco-Delta

typische Behausung, San Francisco del Guayo, Foto: viajeros.com

Gegen 5.30 h brachen wir, der Bischof von Tucupita, die Verwalterin des Apostolischen Vikariats und ich, zum Besuch des Orinocodeltas auf. In der Anlegestelle Volcán bepackten wir unser Schnellboot, das uns nach Guayo bringen sollte. Dank des starken Motors und des guten Wetters kamen wir bereits nach 3 ½ Stunden Bootsfahrt in San Francisco de Guayo in der Nähe des Atlantik an. Normalerweise macht man den Weg in sechs bis acht Stunden, je nach Wetterlage und Schwere des Bootes. In Guayo wurden wir von einer Schwester in der Missionsstation herzlich Willkommen geheißen. Weiterlesen

Venezuela: Isla Margarita


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Mit 30 minütiger Verspätung startete die Propellermaschine der staatlichen Fluggesellschaft Conviasa nach Porlamar auf Margarita. Dort kam ich gegen 14.00 h an.

Die Diözese Margarita besteht aus drei Inseln, von denen zwei bewohnt sind. Auf der Hauptinsel Margarita leben rund 650.000 Menschen, auf der zweiten, Isla Coche etwa 13.000. Die Isla Cubagua wird von den Fischern als Übernachtungsmöglichkeit genutzt. Bis auf den Fisch wird quasi alles vom Festland importiert; auch das Trinkwasser. Es regnet lediglich im November und Dezember. Während der restlichen Monate ist es überwiegend trocken und hat immer eine Temperatur von über 30°C. Weiterlesen

Venezuela: Probleme, die bislang ungelöst sind

Nach seiner Rückkehr aus Kuba am vergangenen Donnerstag hat Hugo Chávez keinen Zweifel daran gelassen, dass er krank war. Nun behauptet er, er habe den Krebs bezwungen. Seine Ärzte bestätigen dies einmütig. Dennoch verzichtete er während seines letzten Auftritts am Wallfahrtsort Santo Cristo de la Grita in der Diözese San Cristóbal auf das Bad in der Menge und scheint durch die Behandlung noch sehr angeschlagen. Bereits nach Bekanntwerden seiner Krankheit änderte er seinen Schlachtruf „Patria, Socialismo o Muerte“, Vaterland, Sozialismus oder Tod, auf „Vivieremos y Veneremos“, wir werden leben und wir werden siegen. Daneben fällt auf, dass das Bild des Präsidenten fast völlig von der Straße verschwunden ist. Bei früheren Besuchen war Hugo Chávez quasi omnipräsent in allen Aktionen und Werken. Man habe feststellen müssen, dass die Arbeiten nicht so verliefen wie geplant, viel Geld in dunkle Kanäle verschwand und auch die Qualität der Arbeiten zu Wünschen übrig ließ, so meine Gesprächspartner. Die Propaganda hatte sich schließlich ins Gegenteil gewandelt. Aus diesem Grund habe der Präsident selbst angeordnet, die Plakate zu entfernen. Weiterlesen