Chile: Auf der Suche nach Konfliktlösungen

Ich bin gut in Santiago de Chile angekommen. Mit einer Gruppe von Journalistinnen und Journalisten bereiten wir die Adveniat-Aktion 2013 mit der Eröffnung in Osnabrück vor. Die bundesweite Kampagne steht unter dem Motto „Hunger nach Bildung“. Thematischer Schwerpunkt der zehntägigen Reise wird die Bedeutung von Bildung für die Zukunft des Landes und der Kirche sein. Die Begegnungen am ersten Tag haben mich stark an meine Zeit als CAJ-Kaplan und KAB-Präses erinnert. Wir haben Verantwortliche verschiedener gewerkschaftlicher Organisationen kennengelernt, die uns ihre Bildungsseminare für Gewerkschaftsmitglieder und Verantwortliche in den Betrieben vorstellten. Neben den Inhalten der katholischen Soziallehre haben mich besonders die Schwerpunkte Dialog, Kommunikation und Konfliktbewältigung beeindruckt. Die chilenische Gesellschaft wird in Wirtschaft und Bildung von starken Spaltungen bestimmt. Wie kann es da überhaupt zu Konfliktlösungen kommen? Adveniat unterstützt diese Arbeiterpastoral schon seit Jahren.

Prälat Klaschka, GV Theo Paul und Weihbischof Ossandón im Gespräch (v.l.). Foto: Carolin Kronenburg

Prälat Klaschka, Generalvikar Theo Paul und Weihbischof Ossandón im Gespräch (v.l.). Foto: Carolin Kronenburg

Am Nachmittag waren wir im Stadtteil „La Legua“ und haben dort Padre Gerardo Ouisse besucht. Der französische Arbeiterpriester lebt schon seit 12 Jahren in diesem sozialen Brennpunkt, wo Drogenhandel und Gewalt das Leben vieler Menschen bestimmen. Gerardo lebt mit dem Weihbischof Mons. Pedro Ossandón zusammen. Mit seinen 75 Jahren ist Padre Gerardo nicht wegzudenken aus den Familien und den Schulen im „Barrio“. Er versucht eine Pastoral der Achtsamkeit zu leben, die mich sehr beeindruckt hat. Ein Mal im Monat gehen die Kinder und Erwachsenen auf die Straße, um im Rahmen eines Friedensmarsches deutlich zu zeigen: „Wir wollen keine Gewalt!“ In La Legua wird geschossen, Menschen werden umgebracht. Padre Gerardo zeigt uns zahlreiche Einschusslöcher in der Kapellenwand. Trotz dieser brutalen Situation wirkt der Pfarrer auf mich gelassen und sehr gütig.

Gestern Abend spielte dann Chile gegen Ecuador im Rahmen der WM-Qualifikation. Chile hat gewonnen. Vor Spielbeginn haben wir die Verantwortlichen der Studentenpastoral gesprochen. Sie haben uns von den Protesten gegen die Bildungspolitik berichtet. Der Studentenpfarrer Thomás Scherz hat in Tübingen Philosophie studiert. Die KHG in Santiago de Chile wird auch von einer Pastoralreferentin Mariana Cintolesi koordiniert. Ich bin gespannt, wie die angekündigten Bildungsproteste in den kommenden Tagen verlaufen.

Es war ein intensiver Tag, der mit einem Abendessen mit dem emeritierten Bischof von Temuco, Mons. Vial, schloss. Er hat uns von der Mapuche-Pastoral erzählt. Darüber berichte ich in den kommenden Tagen ausführlicher.

Generalvikar Theo Paul, Bistum Osnabrück