Chile: Die einzigartige Kichenkunst des Peter Horn

Eine ganz besondere Überraschung bereitete uns der Erzbischof von Santiago, Mons. Ricardo Ezzati. Nach einem längeren Gespräch führte er uns zum Abschied noch in die direkt neben seinem Wohnsitz gelegene kleine Kapelle. Ein Team von Restauratoren war gerade eifrig damit beschäftigt, den verblassten Wandgemälden wieder satte Farbkraft zu verleihen. Die Werke stammten von einem deutschen Künstler, erzählte uns Mons. Ezzati. Peter Horn, ob wir den Namen denn wohl schon gehört hätten? Verblüfft blickten wir uns an. Nie!

Ein grobes Missverständnis hatte den 1908 in München geborenen Horn 1932 nach Chile gelockt. In einer Zeitung las der junge Skulpteur den Aufruf des Bischofs der chilenischen Küstenstadt La Serena; man vergebe Stipendien an Künstler. Begeistert machte sich Horn auf den Weg ans andere Ende der Welt. Nur um dort festzustellen, dass es sich bei dem Ganzen um eine fehlerhafte Übersetzung gehandelt hatte. Der Bischof suchte Menschen, die sich zu einem religiösen Leben berufen fühlten. Und keine Künstler.

In Lateinamerika sagt man gerne, dass wenn das Leben Dir reichlich Zitronen beschert, man einfach eine leckere Limonade draus machen solle. In diesem Sinne machte Horn einfach das Beste draus. Um sich seine Rückfahrt in die Heimat zu verdienen, begann er, Decken und Wände von Kirchen zu bemalen. Die chilenischen Geistlichen waren derart begeistert von seiner Arbeit, dass Horn die nächsten vier Jahre erst einmal beschäftigt war. Dann zog es ihn zurück in die mittlerweile von den Nazis beherrschte Heimat.

Ein Jahr später war er für zwei Jahre zurück in Chile. 1939 geriet er nach der erneuten Rückkehr nach Deutschland in die Wirren des 2. Weltkrieges. Als Soldat nahm er an den Feldzügen gegen Polen und Frankreich teil, bevor er als Übersetzer der in Russland kämpfenden spanischen „Blauen Division“ zugeteilt wurde. In Kriegsgefangenschaft widmete er sich der Schnitzerei, wobei er aus Mangel an Holz auch Pferdeknochen benutzte. 1950 entscheidet er sich endgültig, nach Chile zu ziehen.

Bis zu seinem Tod 1969 war Horn unglaublich produktiv. Hunderte von seinen Werken können in ganz Chile bewundert werden. Herausragend seine Arbeit in der Kapelle auf dem CERRO SAN CRISTÓBAL, dem über Santiago ragenden Berg, den wir einige Tage später besichtigen. Die seitlichen Wände der kleinen Kapelle hat Horn mit Reliefen aus Zement geziert, die Frontalwand im Altarbereich mit Malereien, während das Holzkreuz mit dem gekreuzigten Jesus ein Meisterwerk der Schnitzkunst ist.

Welche wunderbaren Überraschungen einen unterwegs erwarten können!

Text: Thomas Milz
Fotos: Jürgen Escher