Chile: Mapuchepastoral und Migrantenpastoral

Mapuche-Frau mit dem klassischen Kopfschmuck, der Trarilonco. Foto: Carolin Kronenburg

Mapuche-Frau mit dem klassischen Kopfschmuck, der Trarilonco. Foto: Carolin Kronenburg

Am zweiten Tag unsere Chile-Aufenthalts haben wir die Mapuche-Pastoral in Santiago besucht. Die Ordensgemeinschaft der Steyler Patres hat mit Frauen und Männern des Mapuchevolkes ein besonderes kirchliches Angebot entwickelt. Mich hat diese Arbeit stark an die spanisch-italienisch-kroatischen Gemeinden in unserem Bistum erinnert – Ein zentraler Unterschied besteht allerdings: das Volk der Mapuche war immer in Chile und Argentinien. Erst durch die Kolonialisierung durch die spanischen Eroberer hatten sie ihre Autonomie verloren. In den vergangenen vierzig Jahren hat die Kirche sehr stark versucht, ein neues Miteinander von Mapuche-Religionen und katholischem Glauben zu entwickeln. Im zweiten Teil unseres Besuches werden wir noch mehr davon sehen und hören.

Besonders beeindruckt bin ich vom Migrationszentrum und von der Migrantenpastoral der Erzdiözese Santiago de Chile. Drei Scalabrianer-Patres (auch verschiedene Nationalitäten) mit Sozialarbeiterinnen und Freiwilligen sind hier eine qualifizierte Anlaufstelle, wo Migranten aus ganz Lateinamerika Rat und Hilfe bekommen. Ich habe mit einzelnen Besuchern gesprochen, die mir von ihrem langen Weg auf der Suche nach Arbeit erzählten. Ein Peruaner war über Kolumbien, Venezuela und Brasilien nach Chile gekommen, um irgendeine Arbeitsmöglichkeit zu finden. Dieses Zentrum wäre sicherlich auch eine ideale Stelle für Freiwillige aus unserem Bistum. Am Nachmittag und Abend wurden wir mit der Zeit der Militärdiktatur konfrontiert. Wir haben die Gedenkstätte in der Villa Grimaldi besucht und eine damalige Inhaftierte hat uns von ihren Folterungen und Erlebnissen an dieser Stätte des Grauens berichtet. Das Konzept dieser Gedenkstätte erinnert mich an die neue Gedenkstätte im KZ Esterwegen.

Lelia Pérez (Mitte) berichtet in der ehemaligen Folterstätte Villa Grimaldi über die Grauen ihrer Vergangenheit. Foto: Carolin Kronenburg

Lelia Pérez (Mitte) berichtet in der ehemaligen Folterstätte Villa Grimaldi über die Grauen ihrer Vergangenheit. Foto: Carolin Kronenburg

Dann waren wir im Archiv der Vicaria Solidaridad. Dieser Ort ist ein Gedächtnis des Grauens und der Gewalt. Zu welchen Grausamkeiten sind Menschen in der Lage? Über Jahrzehnte wird hier den Opfern der Militärdiktatur und ihren Angehörigen juristische, psychologische und seelsorgliche Hilfe angeboten. In meiner Zeit als Gruppenleiter der Jugendarbeit haben wir verschiedene Aktionen durchgeführt, zur Unterstützung der Vicaria Solidaridad. Jetzt war ich in den Räumlichkeiten dieser unersetzbaren Einrichtung.

Generalvikar Theo Paul