Chile: „Meine große Sehnsucht, den Armen zu helfen“

Die kleine Küche der Padres.

Die kleine Küche der Padres.

Die vergangene Nacht durfte ich im Haus der beiden katholischen Pfarrer, Padre Juan und Padre Carlos verbringen. Sie leben nicht direkt in der Stadt Tirúa, sondern außerhalb, im hügeligen Hinterland. Gut 100 Meter hinter dem Haus fällt die Küste steil ab und ich habe einen traumhaften Blick über grüne Klippen, gelb blühende Sträucher und schwarzen Sand auf die Wellen des Pazifiks. Vier Padres leben hier – in zwei Holzhütten. Die eine ist ein Küche mit großem Ofen, Tisch und Stühlen und einigen Sesseln vor einem Fernseher. Blankgescheuerte Pfannen hängen an der Wand, getrocknete Zwiebeln und Chilischoten über dem Ofen und an der Wand steht ein Regal mit eingelegtem Obst in Gläsern.

In der zweiten Hütte hat jeder der Pfarrer ein Zimmer und es gibt eine winzig kleine Kapelle. Ich habe Glück: ein eigenes Zimmer und ein Bad mit Dusche und Toilette ist hier die Ausnahme. Die Nacht ist sehr kalt. Ich brauche vier Wolldecken, um mich einigermaßen warm zu halten.

Padre Juan.

Padre Juan.

Am Morgen ruft mich der freundliche Padre Juan Fuenzalida zum Frühstück. Wir drehen erst eine Runde ums Haus. Chocco, der Hund, begleitet uns. Juan zeigt mit seinen Käuter- und Obstgarten. In einer Art Schuppen hat es sich eine grau-weiße Katzenmama mit ihren sieben Babys in einer Kiste mit Stroh bequem gemacht. Direkt daneben sitzt ein Huhn im Nest. Juan schiebt es sachte zur Seite und fischt vier Eier aus dem Nest. Das Frühstück ist gesichert.

Bei Kaffee, Toast, Marmelade und Rührei erzählt er mir, dass er aus Santiago de Chile kommt und aus der Oberschicht stammt. Seine Familie ist reich. Warum, frage ich ihn, hat er sich dann für dieses karge Leben abseits aller Bequemlichkeit und alles Wohlstandes entschieden? Juan lächelt mich an: „Weil es meine große Sehnsucht und meine Bestimmung ist, den Armen zu helfen und Gott zu dienen.“

Stefanie Arndt, NDR
Fotos: Carolin Kronenburg