„Das Gesundheitsystem ist gescheitert“

Seit über zwei Jahren steckt Venezuela in der Krise. Die Menschen hungern, warten vergeblich auf Medikamente – und demonstrieren. Sechs Venezolaner erzählen von ihrem Land, ihrem Leben und ihren Träumen.

Dr. Dany Galindano

„Keine Fahrstühle für Patienten“ steht auf dem Schild von Dr. Dany Golindano

Dr. Dany Golindano, Arzt:

„Es fehlt uns vor allem an Antibiotika. Es gibt in den Krankenhäusern zahlreiche Todesfälle, die mit Antibiotika zu verhindern wären. Besonders dramatisch ist das, wenn Patienten nach Operationen Entzündungen bekommen und die Ärzte dann keine Medikamente für die Behandlung haben. Darüber hinaus sind die Zustände in den Sälen, in denen überhaupt noch operiert werden kann, schlecht. Mehr als 5.000 Operationssäle im ganzen Land sind außer Betrieb. Wir Ärzte können den Patienten nicht so helfen wie es sein müsste.

Präsident Nicolas Maduro und das Außenministerium haben vor zwei Monaten zugesagt, dass sie humanitäre Hilfe ins Land lassen wollen. Leider haben wir davon bislang noch nicht einen Prozent gesehen. Die Lage wird jeden Tag dramatischer und kritischer. In einigen Provinzen gibt es Streiks, um auf die katastrophale Lage aufmerksam zu machen. Dort sind nur noch die Notaufnahmen in Betrieb. Ich glaube, dass alles auf einen nationalen Streik in den Krankenhäusern hinauslaufen wird. Das bisherige System ist gescheitert. Wenn wir mit diesem System und diesem Regime weitermachen, sehe ich für die Zukunft schwarz.

Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben, wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir uns weiter für eine umfassende Reform des Systems einsetzen. Das sind wir unseren Patienten schuldig.“

Team des Krankenhauses in Caracas

„Medikamente überfällig“ – „26 Tage ohne OP-Saal“ – „Ohne Krankenwagen“ Dies steht auf den Schildern der Ärzte. Dr. Dany Golindano (r.) und die Ärzte des Krankenhauses „Jose Maria Vargas“ in Caracas demonstrieren gegen die Zustände im Gesundheitssystem.

Blickpunkt Lateinamerika, das Nachrichtenportal des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, hat Dr. Dany Galindano interviewt: „Es wird einen nationalen Krankenhaus-Streik geben“


Korrespondent Tobias Käufer

Korrespondent Tobias Käufer

 

Der Journalist Tobias Käufer hat die Menschen in Caracas, Venezula,
für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat interviewt und fotografiert.

 

 

 


Venezuela-Referent Reiner Wilhelm

Venezuela-Referent Reiner Wilhelm

Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat hat trotz der systematischen Abschottungspolitik nach wie vor die Möglichkeit, mit seinen Projektpartnern den Menschen vor Ort direkt zu helfen. „Gemeinsam mit Bischöfen, Kirchengemeinden und Ordensleuten organisieren wir Medikamente und Lebensmittel, damit die Menschen das Notwendigste zum Überleben haben“, erklärt Adveniats Venezuela-Referent Reiner Wilhelm. „Andererseits geht es uns immer auch um die Friedenssicherung. Das Land ist gespalten und wir unterstützen Projekte, die die Einheit fördern.“